Kritik d. politischen Linken

Zu den Ausfällen der "Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf"

 

Antifaschisten aus Nordrheinwestfalen kommentieren die Exzesse der "Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf" - siehe auch Quelle 1 und 2 :
 
Zu den Ausfällen der "Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf" 
 
Warum Antifaschist_innen aus NRW alles daran setzen werden, der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ die Handlungsfreiräume einzuschränken.


Nachdem bereits über einige Wochen hinweg auf Basis von Gerüchten, Halbwahrheiten und streckenweise blanken Lügen über die Vorfälle bei der letzten „Gender Terror“, einer monatlich im AZ Mülheim stattfindenden queer-politischen Party, diskutiert worden ist, möchten wir, die wir den Rauswurf dreier Mitglieder der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ maßgeblich zu verantworten haben, an dieser Stelle einige Worte an die Sache verlieren. Im Vordergrund steht dabei die Richtigstellung der mittlerweile hegemonial gewordenen und dabei völlig irrsinnigen Version der Duisburger Antiimperialisten. Maßstab der Betrachtung ist dabei nicht der Wunsch der „Roten Antifa Du / Dü“, das AZ weiterhin besuchen zu können – dieser Wunsch ist nach Lage der Dinge nicht mehr als eine Frechheit – sondern die Perspektive auf die Isolierung der Gruppe innerhalb der politischen Zusammenhänge im Ruhrgebiet und in Nordrheinwestfalen. Wir widmen uns daher zunächst der Faktenlage und werden nach dieser für sich sprechenden Darstellung die einzig möglichen Konsequenzen umreißen. Eine Stellungnahme zum durch die Betreiber_innen des AZ ausgesprochenen Hausverbot gegen die Gruppe folgt unseren Informationen nach in Kürze.

Am Abend des 02.11.2007 verließen zwei Genoss_innen aus dem Umfeld des Autonomen Zentrums am Mülheimer Hauptbahnhof den Zug, den ebenfalls einige Mitglieder der „Roten Antifa Duisburg / Düsseldorf“ zur Anreise genutzt hatten. Dabei skandierten letztere die Parolen „Antifada, Antifada“ und „Tod für Israel“. Die beiden Genoss_innen gaben der Gruppe kurz und knapp zu verstehen, dass sie mit solcherlei Selbstentblößung als Antisemit_innen reinsten Wassers keinerlei offene Tür bei der „Gender Terror“ zu erwarten hätten. Bevor die Gruppe ihrem Wunsch nach der physischen Auslöschung des jüdischen Staates Ausdruck verleihen konnte – z.B. dadurch, seine Verteidiger_innen körperlich anzugreifen –, eilten die Genoss_innen zum Zielort, um die Veranstalter_innen, ihnen bekannte Besucher_innen und das Eingangspersonal über den Vorfall in Kenntnis zu setzen. Wenige Minuten später erreichte die Duisburger Gruppe das AZ und reagierte auf den Hinweis, dass ihnen der Eintritt verwehrt bleiben würde, mit offensiven Drohgebärden; zunächst dadurch, einen Stapel Flyer zu Boden zu reißen und anschließend durch Titulierung einer am Rauswurf beteiligten Genoss_in als „Schlampe“, von der man sich „nichts sagen“ ließe. Dem aggressiven Auftreten entsprechend sammelten sich mehrere Besucher_innen um die Kleingruppe, um dem ausgesprochenen Hausverbot Nachdruck zu verleihen. Noch im Eingangsbereich zeigte der Wortführer der „Roten Antifa“, begleitet von immer wieder ausgestoßenen Hasstiraden gegen die von ihm als solche gekennzeichnete „Schlampe“, verstärkten Unwillen, das Gelände zu verlassen. Im Zuge dessen bezeichnete er sich und seine Freund_innen, unterstützt von chauvinistischen Gebärden, mehrfach als „türkische Antifa“, die sich solchen „Faschismus“ nicht gefallen ließe und den Vorfall mit einem „Nachspiel“ sanktionieren würde. Nach aggressivem, verbalem Schlagabtausch verließ die Gruppe, daherschwätzend von vermeintlich gegenüber ihren antisemitischen, frauenfeindlichen und nationalistischen Auskotzungen notwendiger „Toleranz“, das Gelände.

Wenige Tage später stattete die Gruppe, dieses Mal in verstärkter Anzahl, dem Autonomen Zentrum einen neuen Besuch ab, bei dem sie ein ungenießbar lesbares Papier hinterließ, das sie mit den Worten „Stellungnahme der Roten Antifa Du/Dü“ betitelt hatte. In dem Pamphlet relativieren sie die Gründe für ihren Rauswurf dahingehend, dass sie behaupten, ihnen wäre bei Eingangsgesuch unvermittelt unterstellt worden, Antisemit_innen zu sein und ihre verbalen Ausfallerscheinungen gegen Frauen wären als nicht relevant zu betrachten – vielmehr wäre in Folge einer „Provokation“* seitens einer „vermeintliche[n] Besuchsherrin des AZ“, diese aus ihren Reihen heraus „als ‚Schlampe’ benannt“ (sic!) worden. Dies wäre „aus dem Reflex (sic!) heraus“ geschehen und sei daher „nicht näher zu deuten“: Die „Rote Antifa bietet keinen Platz für Sexismus und entschuldigt sich für diese Äußerung“. Diese Selbstentschuldung darf in diesem Zusammenhang, der vollkommenen Unwillen deutlich macht, sich reflexiv mit sexistischer Projektion auseinanderzusetzen, sicherlich wörtlich genommen werden. Auch in anderen Zusammenhängen scheinen die Mitglieder der „Roten Antifa“ reflexhaftem Verhalten nicht abgeneigt: Auch im weiteren Textverlauf wird gezielt umgangen, dass die Gruppe mehrfach eine offene Vernichtungsdrohung gegen Israel artikuliert hat. Anstelle dessen wird in der völligen Fehleinschätzung, das Autonome Zentrum sei ein politisch neutraler Boden, auf eine „Aufgabe jedes AZ“ rekurriert, so „autonom zu bleiben“, wie des Nachts alle Kühe schwarz sind. Es wird eingefordert, den vermeintlich in dieser Frage zur Debatte stehenden „Antideutsch/Antiimp Konflikt“ beiseitezulassen und anstelle dessen „eine[n] Raum zur politischen und persönlichen Entfaltung“ zu liefern. Auf die Spitze getrieben wird diese Forderung nach Pluralismus und Toleranz gegenüber hinterletzter deutscher Bauernmentalität im vermeintlich den Anspruch des AZ charakterisierenden Ruf nach „Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit“.

Nochmal zum Mitschreiben: Persönliche und politische Freiräume kann ein Autonomes Zentrum bieten, wenn persönliche und politische Entfaltungsmöglichkeiten nicht gleichbedeutend sind mit widerlichsten Hassaufrufen gegen stigmatisierte Feindbilder. Wer es im Rahmen von Freiheit und Gleichheit für verhandelbar hält, Israel auszulöschen, der ist nicht Diskussionspartner, sondern politischer Feind. Wer in Folge von minimalen Stresssituationen weibliche Polygamie zur Beleidigung verkehrt, und das selbstsicher als „Reflex“ bezeichnet, hat auf einer queer-politischen Party, deren explizites Ziel die Emanzipation von Geschlecht und dem Konzept Zweierbeziehung ist, nichts verloren. In diesem Sinne gehen wir als regelmäßige Besucher_innen des AZ letztlich vollkommen d’accord mit den Vorstellungen der Duisburger, wenn sie ihr Papier mit dem einzig vernünftigen Vorschlag resümieren, den diese Situation offen lässt: „Doch wenn Das AZ Mülheim weiter darauf bedacht ist die politische Einstellung einer bestimmten Gruppierung zu vertreten, werden wir und andere diese Räumlichkeiten nicht mehr aufsuchen und nach neuen Örtlichkeiten der Toleranz und Freundschaft suchen.“ (Fehler im Original)
Ganz Recht haben sie: Wenn die Vernichtung von Juden, die Gewaltverherrlichung gegenüber vermeintlichen oder tatsächlichen Frauen und der türkische Nationalismus im Rahmen von „Toleranz und Freundschaft“ diskutabel werden sollen, dann sind die antifaschistischen Besucher_innen des Autonomen Zentrums, insbesondere die der „Gender Terror“ darauf bedacht, zu politischer Gegenwehr zu greifen, was in diesem Fall nichts anderes bedeuten kann als:

Hausverbot für die „Rote Antifa Duisburg / Düsseldorf“ und ihre politischen Sympathisant_innen und Isolation der Gruppe aus antifaschistischen Zusammenhängen!

Antisemitismus und Sexismus offensiv bekämpfen!


* Alle Zitate, soweit nicht anders gekennzeichnet sind der „Stellungnahme der Roten Antifa Du/Dü“ entnommen.

14 Kommentare 5.12.07 18:05, kommentieren

Zur Kritik des "...ums Ganze"-Bündnis

Ich habe einen heimlichen Verehrer. Seine Faszination für mich ist so gewaltig, dass er mich beobachtet, sich nach meinen Internetpseudonymen umhorcht, mich in seinem ersten Weblog-Beitrag zitiert und mir die unabschätzbare Ehre zuteil werden lässt – einer „linken Unsitte des Pluralismus“ folgend, wie er schüchtern vorschiebt – auch noch mit meinem Ankündigungsbeitrag verlinkt zu werden: Dass er mich während der Oberhausener Podiumsdiskussion nicht mit Papierkügelchen beworfen hat, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, ist – wenn nicht den Unsitten linker Gesprächsstandarts geschuldet – wohl bis auf Weiteres nicht nachzuvollziehen. Sollte meine Vermutung Wahrheit behalten, dass sich hinter „misstakenidentity“ die selbe Person verbirgt, mit deren sinnentleertem Gepöbel ich mich schon gestern im ADF-Board auseinandersetzen musste, müsste ich wenigstens nicht mehr befürchten, dass es mehr als eine Person gibt, die die Diskussionen rund um „…ums Ganze!“ benutzt, um perfide Lügen öffentlich zu machen: „inhaltsleerer und argumentloser“ hätte, folgt man „misstakenidentity“, die Diskussion seitens der Antideutschen gar nicht verlaufen können, denn diese hätten sich darauf beschränkt, der Bewegung „Antisemitismus und Antiamerikanismus (also: Nazismus) vorzuwerfen“. Dass die Kritik an antisemitischer und amerikafeindlicher Agitation lediglich eine – wenn womöglich auch eine dominante – Ebene der umfangreichen Kritik an politischer Vermittlung, reformistischem Ansatz, Gewaltfetischisierung,… ausgemacht hat, darf demnächst ja glücklicherweise jeder im Audio-Mitschnitt selber nachvollziehen: Ein bisschen frecher ist da schon die Interpretation, der Vertreter der „Antifa[f]“ wäre im Gegensatz zu Alex Feuerherdt um den Versuch bemüht gewesen, eine „Kritik an der globalisierungskritischen Bewegung in kommunistischer, also revolutionärer Absicht zu formulieren“. Hätte „misstakenidentity“ Alex Feuerherdt zugehört, dann wüsste er, dass sein Problem gerade darin bestand, dass die kritische Reflexion über die Antiglobalisierungsbewegung in „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ zu formulieren reichlich wenig Sinn gemacht hätte, so lange noch Teilnehmer der Diskussion fest davon überzeugt gewesen sind, dass die Antiglobalisierungsbewegung selbst mit diesem kommunistischen Anspruch überhaupt nur irgendetwas zu tun hätte. Der Versuch, der da der „Antifa[f]“ untergeschoben wird, war im besten Falle guter Willen, dass es doch noch was werden dürfte, der Bewegung eben diesen Anspruch nahe zu legen. Was das mit „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ zu tuen hatte und wieso „misstakenidentity“ diese vermeintliche Absicht mehr interessiert als das Gequatsche des Vertreters über die „Israelfrage“, mag er mir ja selber noch einmal erklären.



Es soll im Folgenden meine Drohung wahr gemacht werden, das linksaktionistische Bündnis „...ums Ganze!“ einer Kritik auf verschiedenen Ebenen zu unterziehen und daraus folgernd meiner Forderung Nachdruck zu verleihen, den Zusammenschluss restlos aufzulösen und seine Aktivität als politische Vereinigung in dieser Form vollends einzustellen. Der Beitrag soll also – dies sei betont – einer Zerschlagung des Bündnisses Vorschub leisten. Meine Ausgangsthese, die ich im folgenden Beitrag zu begründen versuchen werde, besagt, dass „...ums Ganze!“ schon aufgrund seiner Konstitution als Anti-G8-Bündnis ideengeschichtlich an die politischen Grundannahmen der Antiglobalisierungsbewegung gebunden bleibt. Sein Versuch, die Agitationsfelder dieser Bewegung entsprechend seinen Vorstellungen umzustrukturieren, kann lediglich auf die Erkenntnis einer Unmöglichkeit dieses Vorhabens oder aber eine sukzessive sich vollziehende Annäherung an die Bewegung hinaus laufen.



„...ums Ganze!“ ist mit dem primären Anspruch angetreten, die „Entwicklung einer antikapitalistischen Praxis und Organisierung“ voranzutreiben, wie es im Einleitungstext zu einem Reader unter dem Titel „...ums Ganze! Smash capitalism. Fight the g8 summit.“ heißt.* In diesem Vorhaben sucht „...ums Ganze!“ insbesondere die Abgrenzung zu „reaktionären Teilen der Bewegung“, wie in verschiedenen Erklärungen in unterschiedlicher Formulierung betont wird und zu Ansätzen die das verkörpern, was in den letzten Monaten und Jahren wesentlich mit reichlich unzutreffenden Begriffen wie „verkürzter Kapitalismuskritik“, „verkürzter Antikapitalismus“ o.ä. gefasst wurde. Obwohl „...ums Ganze!“ diese Begriffe erklärtermaßen ablehnt, sind ihre Inhalte in weiten Teilen den damit verbundenen Diskussionen entnommen. Diese Begriffe meinen all jene Positionen, die das globale Kapitalverhältnis als unvermittelte Herrschaft einiger weniger über die breite Mehrheit der Welt begreifen, anstelle kapitale Ökonomie, Rechtsstaatlichkeit und Politik als durch eine allseitige Vermittlung bestehende und sich reproduzierende Herrschaftsform auf der Basis von bürgerlicher Freiheit zu fassen. Das Bündnis attackiert in ihren Schriften das „platte Denken in Haupt- und Nebenwidersprüchen“, „ökonomistische und personalisierende (Staats-)Vorstellungen“, „moralische Verurteilung bestimmter Konzerne“ und sie weisen im Zuge dessen hie und da auf die Affinität solcherlei Denkformen zu Antiamerikanismus und Antisemitismus hin. Statt einer solchen Auffassung von Ausbeutung und Herrschaft ginge es ihnen „ums Ganze“ eben. So weit, so gut. Es wäre damit nichts anderes formuliert als die Thesen- und Positionspapiere von antideutschen Jugendantifas, die ihr Verständnis von „Kapitalismus“ publik machen, den es „abzuschaffen“ gilt. Nun tritt aber „...ums Ganze!“ mit einem ganz besonderen Wunsch, nämlich der – ausgangs erwähnten – „Entwicklung einer antikapitalistischen Praxis und Organisierung“ an, dem vermeintlich begriffenen Zusammenhang von Herrschaft und Ausbeutung entgegenzutreten – und rutscht damit nahezu bruchlos zurück in eine Form von linkspolitischen Aktionismus, dessen emanzipationsfeindliches Wesen sie anhand ihrer bisher geknüpften Thesen durchaus zu erkennen in der Lage wären.



Es ist an anderer Stelle zu Genüge dargestellt worden, welche Ressentiments die Antiglobalisierungsbewegung antreiben, sowohl auf phänomenologischer als auch auf analytischer Ebene. Es ist div. Publikationen von Café Critique , der Redaktion Bahamas , mit Vorbehalten auch der Jungle World in beiderlei Hinsicht alles Wesentliche zu entnehmen. Dies ist nicht der Ort, an dem all dies wiederholt gehört. Einen offensichtlich untergegangenen Aspekt aber, gilt es zu betonen. Wann immer die Apologeten von Heiligendamm-Tourismus, Aktionspolitik und Bewegungsreformiererei auf die verschiedensten Abscheulichkeiten, die ihr Rebellionssubjekt in aller Regelmäßigkeit hervorbringt, hingewiesen werden, wird dem entgegengehalten, es gelte von Pauschalisierungen Abstand zu nehmen: „Nicht alle“ seien schließlich „so“ und keineswegs sei gesichert, ob die Bewegung ins Reaktionäre „umschlagen“, „abdriften“ o.ä. werde. In der von mir besuchten Diskussionsveranstaltung in Oberhausen, der breiteren Öffentlichkeit aber auch in Form eines Online-Interviews zugänglich, erklärt(e) ein Vertreter von „...ums Ganze!“, man müsse die Bewegung zuallererst „differenziert“ betrachten. Bei letztgenannter Stellungnahme werden div. „Bewegungsteile“ aufgezählt – sozialdemokratisch, antiimperialistisch, etc. – und eben auch solche, die „Schnittstellen zum Rechtsextremismus aufweisen“. „Alexandra“ – Mitglied der Göttinger Antifa-Gruppe „redical M“ und des „...ums Ganze!“-Bündnisses – gibt in einem Interview der „Phase 2 Berlin“, angesprochen auf den Antiamerikanismus und den Antisemitismus als ideologischen Kitt der Antiglobalisierungsbewegung und Anschlussstelle für Nazis und Islamisten, folgende Antwort: „Ja, nee. Es ist keine neue Erkenntnis, dass es innerhalb der NoGlobal-Bewegung Positionen und Strömungen gibt, welche antiemanzipatorisch und reaktionär sind. Wir halten es für falsch sich deshalb von diesem Event als solchen zu distanzieren und quasi mit unserer Kritik außenstehend zu verharren. Zuerst einmal bleibt festzuhalten, dass die Position des/der (links)radikalen KritikerIn ohne Praxis und Nutzung des öffentlichen Interesses am G8 im Regelfall eine relativ isolierte ist und somit innerhalb des Spektrums, welches in Heiligendamm inclusive medialer Weltöffentlichkeit zu erwarten ist, auch kein Gehör und somit keinen Einfluss findet." (Fehler im Original) All diesen Überlegungen liegt eine gemeinsame Fehlannahme zu Grunde, die unmittelbar dem Selbstverständnis als „Bewegungsspektrum“ geschuldet ist: Politische Veräußerungsformen – von Transparenten, die zur Zerschlagung Israels aufrufen bis hin zum zum gemeinsamen Versuch, George W. Bush am Flughafen aufzulauern – sind nicht in sich geschlossenen Personenkreisen zuzuschreiben, die in abstrakter Trennung vom Rest der Bewegung agieren: Sie sind stattdessen Ausdruck einer latenten Bereitschaft, solcherlei Humbug von aktiver Duldung bis offener Befürwortung zu tragen. Sie sind Ausdruck eines die Gesamtheit aller Mitglieder umfassenden Verhältnisses, einer mehr oder minder offen ausgesprochenen Übereinstimmungen hinsichtlich bestimmter Aspekte, die der eigenen Logik als Bewegung gegen das äußerlich markierte Feindbild „G8“ – bzw. das was die kollektive Fantasie daraus zu machen pflegt – entspringt. Es sind Ausdrücke einer groß angelegten, in verschiedenster Qualität auftauchenden Projektion, die sich ihre äußeren Objekte reichlich willkürlich zusammensucht: „G8“, „Kapitalismus“, „George Bush“, „Israel“, „Sicherheitszone“ sind lediglich abstrakte Vorstellungen einer nicht einmal annähernd verstandenen Welt. Der Affront gegen sie ist keiner, der hie und da – „emanzipatorische Kräfte“ o.ä. – zu diskutieren wäre und an anderer Stelle – dort wo es dann „Schnittstellen zum Rechtsextremismus“ aufweist oder sonstwie „ins Reaktionäre abgleitet“ – nicht. Es sind beide gegeneinander ausgespielten Pole – "emanzipatorisch", wie "reaktionär" – zwei Seiten der selben Medaille. Es ist bereits die zu Grunde liegende, zutiefst emanzipationsfeindlichen Vorstellung einer durch das G8-Treffen verwalteten und gesteuerten Welt, die das ganze Desaster der Bewegung ausmacht. Die MAD Köln hat mit erstaunlichem Wohlwollen noch in jüngster Zeit in aller Ausführlichkeit in Erinnerung gerufen, dass eine solche Annahme der rationalen Grundlage entbehrt. Davon dürften auch die Teilhaber von „...ums Ganze!“ Wind bekommen haben. Trotzdem noch die These aufrecht zu erhalten, die Veranstaltungen rund um „G8“ eigneten sich zur „kritischen Intervention“ besser als die Loveparade, ist im besten Falle Realitätsverlust, im weitaus wahrscheinlicheren Falle der erste Schritt zur Hingabe an den globalisierungsfeindlichen Pöbel. Letzteres ist dann wohl auch der „Antifa[f]“ in einem ersten Vorgeschmack gelungen, als ihr Vertreter während der Oberhausener Podiumsdiskussion dafür plädierte dem Palästinasolidaritätsblock – dem Inbegriff einer Solidarität mit der islamistisch dominierten, palästinensischen Nationalbewegung also – doch per guter Zurede – „kritischem Dialog“, wie es wörtlich hieß – beizukommen. Solche Exzesse sind eben die Konsequenzen der völlig irrsinnigen Annahme, dass eine politische Bewegung sich ihrer abscheulichsten Erscheinungsformen schlicht und einfach entledigen könnte, da sie daran ja aus irgendwelchen Gründen angeblich grundsätzlich interessiert sein müsste. Diese Gründe – „eher progressive[r] Anspruch“, sagt eine gewisse „Mandy“ („Antifa[f]“ / „...ums Ganze!“ ) im „Phase 2“-Interview – seien z.B. ein „unbestimmter humanistischen, bzw. sozialdemokratischer Drang nach Verbesserung“ (Fehler im Original), als würden zutiefst humanistische und insbesondere sozialdemokratische Beweggründe nicht in aller Regelmäßigkeit Mord und Totschlag begleiten. Dieser Ansatz endet also dort, wo er auch direkt – und ganz ohne „wertkritische“ Verkleidung – hätte einsetzen können: im Versuch, der inneren und äußeren Ahnung der eigenen Ohnmacht durch Annäherung an die mächtigwirkende Bewegung beizukommen.



Das Ärgerliche an Gruppierungen wie „…ums Ganze!“ ist vor allem der Umstand, dass sie für alle ihnen vorgehaltene Kritikaspekte das nötige Instrumentarium aufweisen, das ihnen den Einblick in jene ermöglichen würde. Zu Beginn des Online-Interviews betont der Vertreter, es wäre insbesondere ärgerlich, dass die Forderungen der gegen den G8-Gipfel Protestierenden „eigentlich an die gestellt werden, die sie ja kritisieren, nämlich an die G8 selber, das heißt, es sollen härtere oder strengere Umweltstandarts beim Klimawandel eingesetzt werden, es soll kriegerische Intervention beendet werden oder die Entwicklungshilfe aufgestockt werden“[1]. Ihre Kritik daran wollen sie explizit als in der Tradition von Marx und der Kritischen Theorie verstanden wissen wollen. Unerläutert bleibt, warum ihnen der gegen Konstruktivität gerichtete Kritikbegriff an dieser Stelle so einsichtig bleibt und sie andernorts erklären, „eher so etwas [zu] versuchen, wie „in die Bewegung zu wirken““ („Alexandra“, „Phase2“-Interview, Anführungsstriche im Original) oder angesprochen auf die triviale Frage, warum sie denn den Anschluss während der Heiligendamm-Proteste suchen, zur Antwort geben: „Ja, weil man als linksradikale Gruppe äußert man ja nicht Kritik, weil man denkt, es ändert sich sowieso nichts, also wenn man davon ausgeht, dass ändert sich nichts, dann braucht man auch gar nichts kritisieren, weil im Akt der Kritik unterstellt man ja dem Gegenstand, den man kritisiert, es könnte auch anders sein“ („…ums Ganze!“, Online-Interview). Es wird an dieser Stelle, auf Grundlage der der Realität widersprechenden Annahme, den „wahnsinnig großen Haufen Leute, die nach Heiligendamm fahren“ müsste es a priori unheimlich interessieren, was die Linksaktivisten so übers „Ganze“ zu erzählen haben, weil sie ja wüssten, dass „hier was verkehrt läuft“ („Alexandra“, „Phase 2“-Interview), der Kritikbegriff relativiert, um seinen kritischen Stachel der Realität von Politik und Massenökonomie zu opfern. Nur darum behauptet der Vertreter von „…ums Ganze!“, Kritik – die selbstredend nicht in Großdemonstrationen, sondern im Zweifelsfalle wohl eher bei Alex Feuerherdt zuhause anzutreffen ist, um einen Streitpunkt der Oberhausener Diskussion noch einmal aufzuwühlen – würde nicht unterstellen, dass ihr Gegenstand aus der Welt geräumt sein könnte, sondern dies sei nur dann denkbar, wenn man face-to-face mit dem Gegenstand konfrontiert, vielmehr: in ihn involviert sei.



Zugespitzt könnte man sagen, sind die für die Erfassung des geschilderten Umstandes nicht einmal Denkfiguren vonnöten, die der Antifa neueren Zuschnitts nicht schon begegnet seien. Zum Standartargument jeder antifa’schen „Nationskritik“ gehört der für sich genommen nicht falsche, wenn auch unzureichende Hinweis, dass es die gesellschaftsübergreifende Annahme des „Deutsch-Seins“ des Neonazis ideologische Grundlage ist. Seine Konsequenz reicht den meisten Antifas dahin, der Nation „Adé“ zu sagen. Man stelle sich nun vor, eine Antifa-Demonstration von 500 Teilnehmern würde durch eine kleine Gruppe Deutschlandflaggentragender Jugendlicher begleitet oder einer 10-köpfigen Gruppe Autonomer Nationalisten, die ein Transparent mit der Aufschrift "Nationale Sozialisten gegen Faschismus!" bei sich trügen. Würde ein Teilhaber von „redical M“, „Antifa[f]“, o.ä. darüber diskutieren, was von solchen Demonstration, die dergleichen tragen würde, zu halten sei? Man stelle sich nun noch vor, es würden sich jahrjährlich auf der benannten Antifa-Demonstration die Kids mit Deutschlandflaggen und die Autonomen Nationalisten treffen und würden gemeinsam „gegen Faschismus“ demonstrieren. Es würde wohl niemand ein Bündnis gründen, das Blick „aufs Ganze“ einforderte und hinter dem Block der Autonomen Nationalisten einen antinationalen Block ins Leben riefe, was etwa so absurd wäre, wie die tatsächlich existenten Arbeitskreise zu Antisemitismus und Antiamerikanismus bei „attac“.



Obwohl es sicherlich angebracht wäre, „…ums Ganze!“ noch auf anderen Ebenen Widersprüche nachzuweisen, möchte ich mein Kritikpapier an dieser Stelle abbrechen und noch einmal den Hinweis wiederholen, dass eine Bündnisarbeit unter dem Namen und in den bisherigen Ausformungen als „…ums Ganze!“ keinerlei Zukunft für eine Entwicklung kritischer Begriffsbestimmung in „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ (misstakenidentity) haben kann. Obwohl schon absurd genug die Namensgebung, die dem falschen Ganzen mit einem seiner grundlegendsten Veräußerungen – sich lediglich in, der politischen Parole sehr ähnlichen, Fragmenten darzustellen und auf diesem Wege kohärente Kritik zu lähmen – begegnen möchte, ist auch der wie auch immer ursprünglich intendierte Versuch, Erkenntnisse der jüngsten Debatten um Staat und Kapital bewegungspolitisch neu zu formulieren, auf inhaltlicher Ebene gnadenlos gescheitert. Alles, was die „Antifa[f]“, „…ums Ganze!“, „redical M“ und wie sie alle heißen nun noch versuchen könnten, würde sie nur tiefer in den selbstverschuldeten Schlamassel hinein treiben. Ich stelle also „…ums Ganze!“ hiermit die Entscheidungsmöglichkeit, dem Treiben in der von mir kritisierten Form ein Ende zu betreiben und die Restbestände von kritisch-dialektischem Denken zu neuen Wegen als individuelle Einzelpersonen oder assoziierte Gruppen zu nutzen. „…ums Ganze!“ hat seine Tage als diskutierbare politische Vereinigung hinter sich gelassen.




* Alle Zitate, soweit nicht anders gekennzeichnet, sind dem Reader „…ums Ganze! Smash capitalism. Fight the g8 summit.“ entnommen.



[1] Völlig ungeklärt bleibt an dieser Stelle auch die Frage, warum sie die Handlungsunfähigkeit der G8 erkennen, aber unter Heranziehung von Adornos Vorlesungszitaten „Leichenfledderei“ (Alex Feuerherdt) betreiben, die dem, was sie argumentativ darlegen wollen, völlig zuwiderläuft: „Nicht alles was nicht im kommunistischen Sinne emanzipatorisch ist, ist „quasi-automatisch“ reaktionär. Was die Frage nach der sozialen Frage angeht sind wir der Meinung, dass auch reformistische Distributionskämpfe geführt werden müssen. Auch radikale Kritik braucht Anknüpfungspunkte in gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen. Allerdings mit dem Wissen um ihre Beschränktheit und jenseits von idealisierendem Revolutionskitsch. Adorno hat das mal folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Es wäre eine schlechte und eine idealistische Abstraktheit, wenn man um der Struktur des Ganzen willen die Möglichkeit von Verbesserumgen im Rahmen der bestehenden Verhältnisse bagatellisieren oder gar negativ akzentuieren würde. ( … ) Ich würde sagen, dass gerade die gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen so sehr den Charakter des verbauten haben, dass unter Umständen die armseligsten Eingriffe in die bestehende Realität eine viel größere, nämlich auch, ich möchte fast sagen, symbolische Bedeutung haben als ihnen an sich zukommt“. (Adorno, Einleitung in die Soziologie, 4. Vorlesung)“ („Mandy“, „Phase 2“-Interview, Fehler im Original) Gehen sie also nun doch davon aus, dass auf dem G8 politisch globale Güterverteilung diskutiert wird?

40 Kommentare 7.8.07 17:30, kommentieren

Ein Nachtrag

Bevor ich um der dämlichen Zeichenbegrenzung vom MyBlog zu entgehen beim Hin- und Herkopieren von Textfragmenten wahnsinnig werde, widme ich der ausführlichen Antwort von "Gute Fee" und den leider bloß teilweise dargestellten Antworten von "Flo" auf meinen Beitrag "Es wird eben gelogen, gelogen, gelogen, ohne Ende" einen eigenen Eintrag. Ich bitte zu entschuldigen, dass ich den Text, den ich außerhalb des MyBlog-Editors verfasst habe nun nachträglich nicht mehr zu einem zusammenhängenden Beitrag ausarbeite.

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@flo: die zeichenbegrenzung hat mir selbst schon zu schaffen gemacht, einfluss darauf nehmen kann ich meines wissens nach nicht. ich werde externe zitate aus platzgründen wegkürzen.

"Polemisch , guter Aufmacher, den Wetmüller zu zitieren und es als "Lüge" zu bezeichnen, wenn ein anderer Mensch das unsägliche Zitat mit einem anderen Bahamas Text, zwei Ausgaben später, verwechselte."

reichlich verwunderlich unter der bedingung, dass die person selbst meinen hinweis, dass es falsch ist, noch zum anlass genommen hast, es insoweit zurechtzurücken, dass es ins eigene bild passt und selbst den gefolgten hinweis, dass die redaktion bahamas überhaupt nicht der menschenschlag ist, der texte nachträglich verändert widerum zur feststehenden behauptung genutzt hast, sie hätte das in jedem fall getan. da drängt sich doch der verdacht auf, dass sie wider besseres wissen gesprochen hast, oder?

"Die inhaltiche Kritik wird dadurch nicht nichtig, nur weil das "schlechte Sex"-Zitat nicht in der "Infantilen Inquisition" stand, sondern im Otto Zeiger Text, der mal viel klarer formuliert, dass es sich bei der Vergewaltigung eigentlich nur um schlechten Sex handelte. Herzlichen Glückwunsch."

mal rein hypothetisch: wenn die phase 2 berlin in der phase2 einen artikel veröffentlichen würde, indem sie sagen würde, dem kapital ist nur durch klassenkampf beizukommen und ein dreiviertel jahr später die antifa(f) schreiben würde, man müsse kapitalisten womöglich im verlaufe der revolution an die laterne hängen: was wäre dann über die phase2 ausgesagt? richtig, nicht viel.

"Bei der inhaltlichen Kritik an der Bahamas ist es unerheblich, welcher Autor ansich, diese Zitat gebracht hat, vielmehr geht es darum, dass zum einen ein weitergehender Kritik-Text im Anschluss an die "Infantile Inquisition" nicht veröffentlich wurde, aber Zeigers "dümmlich, Bildniveau"-Abriss, der aufzeigt, wie doch alles wirklich ist."

achso ist das, das hieße also - um beim beispiel zu bleiben - dass im grunde genommen, eigentlich, wirklich, die phase2 zum kapitalistenaufhängen mobilisiert. das alles "wirklich" so sei, wie es dir passt und du nicht einmal bereit bist, einzugestehen, dass der vorwurf, die redaktion bahamas würde vergewaltigung als "schlechten sex" bezeichnen schlicht und einfach so nicht stimmig ist.

 

@"Gute Fee"

"Schön das du deinen Artikel mit der Unterstellung beginnst, dass ich gelogen habe und damit beendest, dass es hier um nichts anderes als "Antideutschenbashing" ginge."

du hast auf den zweimaligen(!) hinweis, dass es nicht stimmt, behauptet, die bahamas hätte ihren text nachträglich verändert und hast nicht einmal einsehen wollen, dass es der printversion zu entnehmen ist, dass es nicht stimmt: ich halte dich nicht für blöd, also urteile ich dementsprechend. und das es um nichts anderes ginge als um antideutschenbashing hat außer dir auch niemand - zumindest nicht ich - behauptet: "Dies seien bloß zwei nachträgliche Korrekturen, die die inhaltliche Ebene der "Definitionsmacht"-Diskussion natürlich rein gar nicht berühren und dies auch gar nicht sollen."

"Das du den Inhalt nicht berühren willst, soll in Anbetracht deiner Äusserungen auch nicht weiter verwundern. Das die Diskussion, auf die du dich hier beziehst,nämlich durchaus inhaltlicher Natur war lässt du bewusst aussen vor."

was meinte ich denn dann mit der "inhaltliche[n] Ebene der "Definitionsmacht"-Diskussion"?

"Stattdessen wird der Artikel zum Paradebeispiel paranoider Antideutscher, die bei einem Angriff auf ihre identitätsstiftende Szenepostille gleich meinen, man hätte es
hier mit "Antideutschenfressern" oder "antideuschen Antideutschenfressern" zu tun."


wenn die "angreifer" der "identitätsstiftenden szenepostille" merkwürdigerweise fast ausnahmslos ihre antideutsche position anhand der negativfolie "bahamas" zusammenkleistern und dann zumeist noch recht eng mit den traditionsantideutschenfressern auf tuchfühlung stehen, dann ist das doch eine nicht ganz abwegige annahme, right?

"Ein Wunder, dass man nicht gleich als Antisemit und/oder Feind Israels denunziert wird."

stimmt, ein "wunder". wo "man" doch sonst immer "gleich" als "antisemit und/oder feind israels" "denunziert" wird wenn es um etwas völlig anderes geht.

"Weiter aber erstmal mit einem Eingeständniss: Ja, ich habe die "Infantile Inquisition" von Justus Wertmüller und Uli Krug in Bezug auf das "schlechter Sex" -Zitat mit dem in selber Zeitschrift veröffentlichten "Bandenkrieg um die
Villa Kunterbunt" von Otto Zeiger verwechselt. Da es bei der Diskussion kurze Zeit um dieses Zitat ging und du es nicht kanntest,..."


ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht kannte - ich habe sogar betont, dass ich von einem abschnitt aus einem anderen(!) text wüsste indem die wortkombination auftaucht - sondern, dass es in dem text mit unumstößlicher sicherheit - ich sagte, dass ich ihn vor nicht einmal einer woche gelesen habe - nicht zu finden ist.

"... habe ich die Vermutung geäussert, dass wir da eventuell zwei unterschiedliche Versionen des Textes gelesen haben könnten."

für eine vermutung warst du aber beachtlich laut und selbstsicher.

"Dieser Umstand ist ja jetzt aufgeklärt, hat aber für dich keine Konsequenzen."

doch, hat es. z.b. demnächst mal den text von otto zeiger lesen.

"So geht es nicht darum, das die Verharmlosung einer Vergewaltigung als schlechter Sex eben doch in der Bahamas veröffentlich wurde, nein, dir geht es hier um Ehrenrettung für Wertmüller und Krug,"

ich habe in dem text doch gar nicht über wertmüller und krug geredet ( "Man mag von diesen Zeilen halten, was man möchte" ) sondern über deine behauptung.

"indem du feststellst, dass selbst "wenn" dem so wäre, es ja immerhin nicht von oben genannten Autoren käme. Als wäre die Redaktion Bahamas nicht für die Veröffentlichungen in ihrer Zeitschrift in die Verantwortung zu nehmen. In welchem Artikel
besagtes Zitat nun also wirklich steht ist im Grunde scheißegal. "


stimmt, es wäre egal, wenn solche fehlannahmen - die ich getrost als irrtümer abschreiben würden - nicht immer und immer wieder dazu dienen würden, eine generalabrechnung mit der bahamas aufzuziehen, völlig ungeachtet der tatsache, dass es wohl kaum eine zeitschrift gibt, die sich nicht durch einzelartikel erledigt haben könnte. aber darum geht es eben bei der beurteilung nicht sondern um das zusammenbasteln einer politischen identität und das ist meine kritik.

"Das du nicht feststellen kannst, das die Redaktion eine Vergewaltigung verharmlost soll auch nicht weiter verwundern, stützt sich deine Erkenntniss und die der Autoren eben auf ein Gerücht, wie es gewesen sein soll, und nicht auf die klare Äusserung des Opfers: (...)"

stimmt, in dieser hinsicht habe ich mich auch an dem artikel gestört: krug und wertmüller kritisieren, dass das subjektive empfinden einer vergewaltigung in politische zusammenhänge erhoben wird und die daraus erwachsenden folgen, aber versuchen sich gleichermaßen selbst in einer defintion. das ist mehr als inkonsequent. darüber, "eingestandenen Unsicherheiten", die sie sich und z.b. den vertretern der ollafa zugute halten eine verniedlichung von vergewaltigung zu entnehmen, mag man dann auch noch mal diskutieren.

"Aus der ganzen Sache wird nichts weiter, als ein unglücklicher Abend zweier ehemals Verliebter, die sich im Eifer des Gefechts etwas übernommen haben und mit einem "Kater" aufwachen. Wem die Redaktion, und du, hier glauben schenken, ist mehr als klar. Und wird noch deutlicher. (...)"

as i said, darin liegt eine inkonsequenz in der argumentation und das mag problematisch, falsch und kritikwürdig sein. das haben andere aber nichtsdestotrotz vernünftiger formuliert, als es von jenen seiten kommt, die in folge dieses artikels eine veranstaltung gestört und attackiert haben (http://www.redaktion-bahamas.org/aktuell/volkszorn.htm) bzw. diesen artikel zum anlass nehmen, von "postantideutschen" zu sprechen, die "vergewaltigung verniedlichen". vernünftige kritik - und trotzdem nicht der weisheit letzter schluss - klingt dann z.b. so: http://www.conne-island.de/nf/75/26.html

"Aus dem ‚Lust machen‘, das schon in der Aussage des Opfers in Anführungstriche gesetzt ist und damit wohl eher als eine wieder aufgegriffene Äusserung des Täters zu verstehen ist, wird kurzerhand eine Lustfeindschaft, mehr noch, das
gute alte Klischee der Frau die "nein" sagt, aber "ja" meint wird auch gleich mit verwertet. Wenn man nur hartnäckig genug ist, dann kann aus dem "nein" eben doch noch ein "ja" werden. Was von Wertmüller und Krug hier noch subtil formuliert
wird, bringt Zeiger auf den Punkt."


es wird nicht aus dem "nein" der frau eine lustfeindschaft sondern aus den reaktionen der politischen linken, die glauben, durch den ausschluss von vergewaltigern, durch das errichten von schutzräumen und definitionsmacht dem problem der gewalttägigen, unter kapitalen verhältnissen geborenen sexualität auf die schliche zu kommen: "Am Ende einer Debatte, die nie eine war, weil die Teilnehmer gegen das Argument genauso resistent sind wie gegen die zur Verhandlung stehende Realität, herrschen Haß und Feigheit; das Begriffsarsenal ist auf zwei Wörter, Partriarchat und Definitionsmacht, zusammengeschrumpft. Der ganze Jammer des Geschlechter- und Liebeskrieges – auch unter Gleichgeschlechtlichen – bleibt verborgen, ja wird entsorgt durch eine Haltet-den-Dieb-Rhetorik, die im als „Vergewaltigung“ rubrizierten „Lust-Machen“ das Böse schlechthin sieht und eine Gemeinschaft der Unbefriedigten geschmiedet, die im „Täter“-jagenden Halali sich einigt." die beiden trennen im verlaufe des textes einfach wesentlich schärfer zwischen den zwei verschiedenen dimensionen, die die benannte tat in berlin umkreisen: die tat selber (und darin - insoweit stimme ich mit dir überein - mischen sie sich zu weitreichend ein) und die darum existierende politische debatte (der text ist ja schließlich getitelt "Vergewaltigungsdebatten in der Szene: Verdränger werden Verfolger" und nicht "Angebliche Vergewaltigungsopfer werden Verfolger" ). letzterer attestieren sie, das je subjektive innenleben der debattenbeteiligten - und damit meinen sie und das wäre zu kritisieren in teilen eben auch die betroffene - zu politischen kriterien auszuarbeiten und auf diesem wege projektiv ihre inneren konflikte abzuarbeiten. und man mag sagen was man möchte, wenn eine situation als "vergewaltigung" (wie sehr das subjektiv und objektiv die sache auch charakterisieren mag) beschrieben wird, dann spielt nicht bloß das innenleben von bild-lesern und taff-guckern verrückt und entlädt sich nach außen sondern eben auch das von linken.

"Da wird aus der Diskussion um die Infantile Inquisition "...ein nicht enden wollendes Gespräch über einen Fall von schlechtem Sex aus dem Jahr 1998...".
Der Täter wird zum eher komödiantischen "Helden" eines kleinen Schauspiels: "Der Held des kleinen Dramas also hat es noch einmal wissen wollen und alles,was ihm an Charme und körperlicher Ausstrahlung zur Verfügung stand, noch einmal
massiv zum Einsatz gebracht, fast wie in den besten Zeiten. Und es ist ihm gelungen, zum Ziel zu kommen." "


wie das im einzelnen mit dem text von otto zeiger aussieht, kann ich dir erst nach seiner lektüre sagen.

"Aus der, wie auch immer, erzwungenen Penetration wird also ein massiver Einsatz von Charme und körperlicher Ausstrahlung.Und aus dem Bewusstsein des Täter, dass er hier irgendwie eine Grenze klar überschritten hat, leiten Wertmüller und Krug eine lustfeindliche Szenemoral ab: (...) "

"charme" und "körperliche ausstrahlung" attestiert zeiger, die beiden worte tauchen in dem krug/wertmüller-text nicht auf und dementsprechend leiten sie von dort ausgehend auch nichts ab. der besagte abschnitt, indem sie thomas einen "inneren politkomissar" attestieren stellt doch nicht unberechtigterweise die frage: warum sagte thomas nicht "habe ich dir weh getan?", "ich habe gerade ziemliche scheiße gebaut", "ich habe dein 'nein' nicht akzeptiert" sondern er fragte, ob sie das als vergewaltigung ansähe: was wäre denn, wenn sie "nein" gesagt hätte? wäre es dann keine mehr gewesen obwohl er tatsächlich eine begangen hätte? es ist keineswegs absurd, darin eine szenemoral wiederzuerkennen.

"Das du eher an der "Wahrheit" bzw. Gerüchten interessiert bist und dir die subjektive Äusserung eines Opfers nicht reicht, hast du in der Diskussion mehrfach bewiesen."

den "beweis" bist du mir aber schuldig geblieben. im übrigen habe auch ich mehrere male deutlich gemacht, dass es mir nicht um die frage danach geht, wie es im je einzelnen fall aussieht sondern darum, wie "die szene" damit auf abstrakter ebene umgeht.

"Der Text von Sinistra und gigi gehen m.E. zur genüge auf das Thema ein, darum das ganz hier eher fragmentarisch."

was wäre nun gewesen, die texte wären hier nicht verlinkt gewesen? wärst du dann ausführlicher darauf eingegangen? beim überfligen des sinistra-textes fällt mir im übrigen auf, dass der eine abschnitt, der sich mit ausgabe 32 beschäftigt auch eher fragmentarisch gehalten ist.

"Es sei noch angemerkt, das ich kein Interesse an einer Diskussion habe. Da fehlen mir Zeit und Lust zu. Mal ganz abgesehen davon, das es ankotzt dieses Thema wieder und wieder diskutieren zu müssen. So long..."

"immer und immer wieder"? merkwürdig, ich glaube, das war das erste mal, dass ich von dir eine stellungnahme zu der frage von dir mitbekommen habe. ich kann dir da selbstverständlich nichts vorschreiben, aber ich selbst eigne mir sachverhalte nicht an um sie dann bei mir zu behalten weil mir "zeit und lust" fehlt sondern zu dem zwecke, sie weiterzutragen.

wann - sofern du denn "zeit und lust" hast, versteht sich - beantwortest du mir eigentlich die frage, warum nun diese diskussion den sprech von "postantideutschen" plausibel und das lesen der zeitschrift bahamas zu einem untragbaren unding macht? das habe ich noch nicht ganz verstanden...

12 Kommentare 20.3.07 16:51, kommentieren

Flugblatt der ADK Niederrhein/Ruhrgebiet

Als Reaktion auf den mehr als misslungenen Aufruf (1 bzw. 2) der Kampagne "Goliat muss weg!" haben am 17.03.2007 die "Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet" und die "A.G. Kollektive Individuation Niederrhein" zwei Flugblätter verteilt und die Demonstration mit zwei Transparenten ("Kein Friede mit den Feinden Israels" und "...daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe." ) und einer Israel-Fahne begleitet. Im Folgenden eines der beiden Flugblätter, das Zweite folgt ggf. in den nächsten Tagen.

 

… Warum die Antifa das Volk so gerne mag …
Interventionspapier der Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet



„Die schummerigen Selbstbekundungen guter Gesinnung sind nicht, wie manche inbrünstig hoffen, der noch infantile Beginn politischer Erleuchtung, sondern ein letztes Signal, mit dem sich die selbstverschuldete Überflüssigkeit der Opposition ein gutes Gewissen schafft.“

Eike Geisel



Es ist wieder einmal soweit: Einige aufrechte „BürgerInnen“ ( Aufrufstext der Initiative „Goliat muss weg!“ ) versuchen sich in aktiver Vergangenheitsentsorgung. Anlass bietet ein kleiner Hooligan-Store, der u.a. die regionalen Nazi-Kleintrupps mit Klamotten der Marke „Thor Steinar“ versorgt. Einem solchen Treiben wollten aufrechte Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht länger zusehen und haben daher für den heutigen Tag zu einer Demonstration gegen „Goliat“ aufgerufen. Im Folgenden protokollieren wir einige Einwände, die wir gegen solche Formen dusseligen Politik-Betreibens im Allgemeinen und gegen die benannte Kampagne im Besonderen erheben.

„…gar wie „Alternative“…“ und das in „unserer Stadt“…

Die Deutschen stellen sich ihre Nazis immer und immer wieder nach ihrem eigenen Innenleben zusammen: Mal sind es „Ausländer raus!“-grölende Stiefelträger, mal gerissene Demagogen in Anzug und Krawatte, ein anderes Mal eben clevere Strategen, die gezielt Jugendbewegungen unterwandern und zu diesem Zwecke ihre Kleidung okkupieren. Letzteres klingt dann folgendermaßen: „Längst laufen die meisten Nazis völlig unauffällig oder gar wie „Alternative“ gekleidet durch die Läden, Kneipen und Discos des Landes.“ (Aufrufstext) Die Botschaft ist klar: Eigentlich sind die Nazis keine echten „Alternativen“, sie tun bloß so, um nicht erkannt zu werden und von der Mehrheit isoliert zu werden. Denn die Mehrheit, die wissen die Betreiber einer „Antifaschistischen Demo“ selbstverständlich hinter sich: In der Vorstellung breiter Teile der Antifa existiert ein bunt zusammen gewürfeltes Gesellschaftsbild: Alternative, Bürger, Migranten, Subkulturen verschiedenster Art, dann ein breites Parteienspektrum – und eben die Nazis. Erstere - die Gesellschaft, die Bevölkerung, das Volk - haben mit Nazis nichts oder nur sehr wenig zu tun und sind dementsprechend von ihnen tendenziell in irgendeiner Weise bedroht: Sei es, dass sie in das direkte Feindbild fallen oder dass sie womöglich ihrer sog. Propaganda anheim fallen könnten. Dieses Gedankenmodell – bloß in der Perspektive verschoben – findet sich vom Fußvolk bis in die Bundesregierung, vom regionalen SPD-Vorstand (“Der Laden muss weg” - SPD-Ratsherr Friedhelm Lueg) bis hin zu den örtlichen „antifaschistischen“ Kleinbewegungen. Kein Moment von Skepsis ist es den Verfechtern von bunter Vielfalt, Weltoffenheit und Völkerverständigung wert, dass Nazis überhaupt an Jugendbewegungen anknüpfen können, lediglich die Tatsache, dass sie es machen, irritiert.

„…selbsterklärte „Nationale Sozialisten“…“ und Volkes Zorn…

Dabei muss nicht lange gesucht werden, um strukturelle Parallelen zwischen dem autoritär-martialischen Skinhead-Outfit klassischer Prägung und dem uniform-gemütlichen Look von Skatern, Antifas, Autonomen Nationalisten oder sonst welchen Alternativen zu finden. Denn bei genauer Betrachtung sind die Motivationen von verblüffender Ähnlichkeit. Sowohl Nazis als auch sog. Alternative streben durch die Vereinheitlichung ihres Kleidungsstils die Aufgabe dessen an, was als störend empfunden wird im ersehnten Gleichklang der Menge: Individualität, Differenz, Selbstbestimmung und Kreativität. Da das Wissen um diese Tatsache im Hinterkopf juckt, wird es in verzerrter Weise einem äußeren Feindbild zugeschrieben: Es ist dies die Wurzel des heute praktizierten „Antifaschismus“, der den Nazis nichts anderes vorzuwerfen in der Lage ist, alsdass sie „uns“ die Kleidung weggenommen haben. Dies wäre für sich genommen noch ein relativ geringes Problem, es wäre ein absolut unbedeutender Kleinkrieg zwischen Subkulturen. Wohl beunruhigender ist, dass sich die Veranstalter der heutigen Demonstration nicht bloß in ihren ( bzw. denen „des Landes“ ) Läden, Kneipen und Discos und ihrer Kleidung von den feisten Nazi-Populisten bedroht fühlen sondern mit ihnen noch um ihre Ideologie konkurrieren möchten: Dieser Wunsch äußert sich verholen, wenn die Veranstalter den Gegner zu „selbsterklärten „Nationale Sozialisten““ umlügen, ihnen also per Anführungszeichen den Rang aberkennen. Wie bereits im oben benannten Themenfeld erniedrigen sich auch hier sog. Antifaschisten dazu, aus nationalen Sozialisten par excellence ein paar Spinner zu machen, die von echtem, wahren nationalen Sozialismus nichts verstanden haben sollen. Den echten nationalen Sozialismus – so darf man solche subtilen Konkurrenzkämpfe wohl weiter denken – vertreten lediglich die Betreiber der Demonstration, die Alternativen, Bürger und Parlamentarier. Sie haben es im Gegensatz zu den Nazis klassischen Zuschnitts verstanden, wie man auf einer Mischung aus Anti-Nazi-Demonstrationen und Volkes Stimme ein für die Zukunft gewappnetes, neues Deutschland voranträgt. Dann kann man sich auch ohne weitere Skrupel leisten, anderen vorwerfen, sie würden dem „kriminellen Milieu“ entspringen und wollten lediglich „abkassieren“: Völkische Denkformen entnazifiziert über die Runden gerettet.

„Keine Parteiveranstaltung“ – einfach nur deutsch…

Passend zum monotonen Nachgeschwätze dessen, was in jeder Bundestagsrede rhetorisch besser formuliert wird, machen schlussendlich die Veranstalter deutlich, wen sie auf ihrer Demonstration nicht sehen wollen: „Anhänger von Diktaturen“, „Volksverhetzer“, „Rassisten“ und die „Träger von Partei-, Nationalitäts-, und Religionsfahnen“, kurz: Träger der Flagge des Staates Israel. Wir sind uns nach Beschäftigung mit der Kampagne „Goliat muss weg!“ nicht sicher, ob wir es überhaupt mit Leuten zu tun haben, die sich als Kommunisten begreifen und ob es dementsprechend ratsam ist, sie an diesem Maßstab zu messen. Ausgehend von der Erfahrung, dass selbst der dumpfeste, deutsche Antifaschismus nicht ohne ein Fünkchen von zusammengekleisterter „Gesellschaftskritik“ auskommt, wählen wir die Abschlussworte ohne Abstriche: Wer von sich beansprucht, nationalem Sozialismus entgegenzutreten, kommt um einen Begriff von Gesellschaft im Allgemeinen und einer Kritik an deutscher Vergemeinschaftung im Besonderen nicht herum. Insbesondere letzteres kann bloß zu der Einsicht führen, dass sich im gesellschaftsfähigen Antifaschismus nichts weiter als postnationalsozialistischer Antitotalitarismus bis hingehend das verabscheuungswürdige Verfolgungsbedürfnis des deutschen Volksgenossen artikuliert. Solcher Ideologie redet bloß nach dem Mund, wer „unsere Stadt“ oder die „Bevölkerung“ gegen „Nazis“, „Anhänger von Diktaturen“, o.Ä. in Schutz zu nehmen versucht. Praktizierter Antifaschismus kann nichts anderes bedeuten, als „unsere Stadt“ und die „Bevölkerung“ ins Hauptaugenmerk der Kritik zu nehmen – alles andere ist deutsche Identitätssuche.


Wir fordern daher:

Keine weiteren Demonstrationen für die deutsche Selbstvergewisserung!

Umfangreiche Kritik am völkischen „Antifaschismus“!

Stellungnahme der Veranstalter zum Fahnenverbot!



Antideutsche Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet

1 Kommentar 18.3.07 14:21, kommentieren

"Es wird eben gelogen, gelogen, gelogen, ohne Ende." (Justus Wertmüller)

Mein Besuch eines Konzertes letztes Wochenende hat mich auf Umwegen in eine Diskussion über den Artikel "Infantile Inquisition" der "Redaktion Bahamas" (es ist keineswegs ein Text der Redaktion Bahamas sondern einer von Uli Krug und Justus Wertmüller, sehr wohl Redaktionsmitglieder aber eben nicht die Redaktion als Ganzes wie fälschlicherweise behauptet) geführt. An dieser Stelle möchte ich in aller Kürze zwei Behauptungen widerlegen, die ich in der samstäglichen Diskussion bereits als falsch bezeichnet habe, derer sich mein Diskussionspartner aber unumstößlich sicher zu seien schien:

1.) Die Autoren, so der Diskutant, behaupten in ihrem Artikel, "Definitionsmacht" falle hinter den erreichten Stand bürgerlicher Rechtskategorien zurück. In dem Artikel heißt es an der Stelle (es ist eine von mehreren), die sich mit einem quasi-juristischen Definitionsversuch von Vergewaltigung auf allgemeiner Ebene ausseinandersetzt: "Den durch nichts bestimmbaren Willen, ersetzt man also durch eine dogmatische Setzung: Wie du es erlebt hast, so sei es. Der zaghafte Versuch der Ollafa und anderer, objektive Kriterien zu fassen und es nicht beim ausschließlich Subjektiven bewenden zu lassen, zielt in die richtige Richtung, mußte aber scheitern, denn wie ihre Kontrahenten argumentiert sie juristisch und damit falsch: Eine juristische Kategorie wird das, was subjektiv erlitten wurde, niemals fassen können. Juristisch im Sinne von Standrecht und Sippenhaft geriert sich aber auch der antisexistische Mainstream. Er setzt das subjektiv Erlebte als Strafe nach sich ziehenden Bruch des Willens und kürt die Trägerin dieses Willens per gewährter „Definitionsmacht“ zur Richterin oder besser zum Racheengel und bereitet so eine antisexistische Strafprozeßordnung vor." (Hervorhebung von mir) Man mag von diesen Zeilen halten, was man möchte: Die besagte Behauptung, die Verfasser würden den Apologeten der Definitionsmacht vorwerfen, sie fallen hinter das bürgerliche Recht zurück, ist schlicht und einfach falsch.

2.) Desweiteren erschien die Behauptung, in dem besagten Artikel sei Vergewaltigung als "schlechter Sex" beschrieben worden. Meine Antwort, ich habe den Artikel erst vor knapp einer Woche gelesen und es sei nicht wahr, begegnete der Hauptdiskutierende mit der Beteuerung, die Redaktion Bahamas hätte den Text um einzelne Absätze gekürzt und verändert auf die Internetseite gesetzt. Leider gehört Ausgabe 32 zu den wenigen Ausgaben, die ich nicht in meinem Besitz wähne, ich bin daher bemüht, sie als Printversion ausfindig zu machen - deren nachträgliche Fälschung dürfte der Redaktion ja nachweislich schwer gefallen sein - und kann bis dahin "leider" bloß festhalten: Wenn die Redaktion Abschnitte aus dem Artikel tatsächlich - aus Gründen der Selbstverleumdung? - entfernt haben sollte, dann frage ich mich doch ernsthaft, wieso sie den Abschnitt dann in einen anderen Text (der keineswegs von Wertmüller oder Krug und auch nicht von anderen Redaktionsmitgliedern verfasst wurde) im Online-Archiv "verschoben" hat? Womöglich hängt das aber auch damit zusammen, dass es eben beiweitem mehr die sog. Kritiker der Redaktion sind, die alles so lange hin und her schieben, bis es ins vorgefertigte Bild hinein passt.

Dies seien bloß zwei nachträgliche Korrekturen, die die inhaltliche Ebene der "Definitionsmacht"-Diskussion natürlich rein gar nicht berühren und dies auch gar nicht sollen. Es lag mir allerdings aus einem anderen Grund am Herzen, diese Korrekturen nachzureichen, denn es unterstützt dieser Vorfall meine schon häufiger formulierte These (die auch Ausgangspunkt der Diskussion gewesen ist), dass der Affront gegen die Bahamas zumeist recht willkürlich zusammengesetzte und sich an halb-realen Anlässen einschaltende Vorwürfe sind, die nichts weiter als einen Liebäugelei zwischen ganz gewöhnlichen Antideutschenfressern und ganz gewöhnlichen antideutschen Antideutschenfressern begründen: Dass im Zuge dessen manch eine inhaltliche Ebene auf der Strecke bleibt, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich.

16 Kommentare 12.3.07 23:57, kommentieren

Ideologiekritik statt Antirassismus

Da es nun insbesondere aufgrund meiner Attacken gegen den Heimatschutz der Achse Leipzig-Ruhrgebiet-Berlin zu der ein oder anderen Diskussion (1, 2) gekommen ist, möchte ich einige Gedanken zum Begriff des "Antirassismus" in Abgrenzung zu einer ideologiekritischen Theorie nationaler Vergesellschaftung äußern.

Im Speziellen möchte ich ein Zitat aus den benannten Diskussionen herausgreifen, das mir als repräsentativ erscheint für ein breiter angelegtes Unverständnis in Fragen der Rassismuskritik:

Da wäre der Benutzer "d-land killen", den es schwer geärgert hat, dass ich den "Tagesspiegel"-Artikel nicht bloß im Hinblick auf seine deutschrassistischen Implikationen kritisiert habe, sondern auch in Bezug auf die darin geschilderten Vorfälle eine Kritik an jenen Stadtteilmilizen geäußert habe, die sich auf Deutschen-, Homosexuellen- oder Judenjagd begeben und meine Solidarität mit den Opfern deutlich gemacht habe. Er schreibt:

"Der rassistische Wahn Deutscher Volksgenossen braucht keine reale Entsprechung; es geht schlicht darum Rationalisierungen für den eigenen Vernichtungswahn zu finden. Migrantische Jugendliche verhalten sich genauso scheisse wie ihre volksdeutschen Unterschichts-Pendants, na und? Wer da wirklich Schutz braucht, um nicht zusammengeschlagen, eingesperrt, gefoltert, abgeschoben oder verbrannt zu werden steht doch außer Frage."

Ich glaube, dass insbesondere in einem solchen Rassismusverständnis die geballte Ladung antirassistischer Ideologie zum Ausdruck kommt: Der "Ausländer" ist passiv, Objekt seiner Umgebung, in Permanenz von Abschiebung und fremdenfeindlicher Gewalt bedroht und - bei aller Realität, die diesen Gefahren selbstverständlich zukommt - nicht handelndes Subjekt, mit freiem Willen ausgestattet und in der Lage zu einem von seinem Status als Migrant unabhängigen Denken: Es ist der Ausländer, wie ihn Staat und Kapital gerne zurichten würden, nicht aber der Mensch, wie er in der Realität mit mannigfaltigen Unterschiedlichkeiten erscheint. "d-land killen" wendet anstelle eines solchen kritischen Einblickes in die Realität Denkmuster auf die rassistische Projektion an, wie sie meiner Einschätzung nach berechtigterweise dem Antisemitismus vorbehalten sind: Denn der Antisemit lebt tatsächlich in einer Traumwelt, in der die äußere Wirklichkeit lediglich Material ist, Material um die innere Welt beisammen zu halten. Seine Rückgriffe auf tatsächliche Begebenheiten sind absolut marginal und sind bloße Anlässe, Mord und Totschlag vorzubereiten. Dies gilt für den Rassismus eben bloß in begrenzter Weise: Auch in ihm spiegeln sich innere Konflikte des Subjektes wider, so viel steht außer Frage. Der Unterschied liegt bloß in einem Sachverhalt begründet, den der Antirassismus nicht - oder nur sehr bregenzt - zu fassen in der Lage ist: Die Parzellierung der Menschheit in Staaten, Völker und Nationen ist eine Realität, eine sehr wohl auf Ideologie begründete - und somit paradoxe - Realität, aber eben eine tatsächliche Begebenheit. Darin ist - das steht völlig außer Frage - der Rassismus vorprogrammiert und kein Mensch würde abstreiten wollen, dass Kräfteverhältnisse sich häufig gegen ökonomisch Schwächere und gegen Minoritäten richten: Das ändert aber nichts an dem Sachverhalt, dass in diesem Prozess der Selbstaufgabe nicht eine durch und durch klare Täter/Opfer-Konstellation wie im Antisemitismus vorherrscht, sondern dass das Täter/Opfer-Verhältnis ein Dynamisches ist. Konkret auf den Frage nach Kleinmilizen, die von ihnen als Juden, Homosexuelle oder Deutsche ausgemachte Individuen durch die Gegend jagen, bedeutet dies, dass ihre Opfer eben sehr wohl Schutz und Solidarität erhalten sollten, auch wenn die Kleinmilizen ihrerseits rassistischer Bedrohung ausgesetzt sind. "d-land killen"s Einwand, migrantische Jugendliche würden sich "genauso scheisse" wie ihre deutschen Schicksalsgenossen verhalten, habe ich in Teilen schon in dem darauf folgenden Kommentar beantwortet, ich möchte nichtsdestotrotz noch einmal den dort geäußerten Gedanken aufgreifen: Im Gegensatz zu ihm bin ich der Ansicht, dass es durchaus Unterschiede gibt in den Kollektivierungsformen sich Deutschland oder anderer Nationen zugehörig fühlender Jugendlicher: Dazu ihren Beitrag haben eben die verschiedenen Rahmenbedingungen, wie sie das Schicksal von Migranten und Deutschen qua staatlichen und gesellschaftlichen Diktat zumeist charakteristisch unterscheiden, also von Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht bis hin zum Bildungsgrad, die primär polit-ökonomischen Unterschiede. Da diese Umstände allerdings m.E. häufig eine Überbetonung erfahren, möchte ich insbesondere einen Blick werfen auf den der individuellen Entscheidungsfreiheit überlassenen Aspekte: Dafür wichtig erachte ich insbesondere die Frage nach dem was ich selbst-ethnifiziernde Maßnahmen nenne. Die Frage, ob jemand einer staatlichen Nationalität zugehörig ist, stellt sich für ihn zunächst einmal nicht, denn diese Entscheidung übernimmt im Regelfall die Gewalt des Souveräns. Die Frage allerdings, inwieweit sich jemand damit bereit ist zu identifizieren, stellt sich für jede Person selbst und wirft - sofern die Frage zugunsten der Identifikation beantwortet wird - entsprechende Fragestellungen in Bezug auf die Definition auf: Was ist Land, Volk, Nation und wie errichte ich meine Zugehörigkeit? Gemäß der Dialektik von Einschluss und Ausschluss ist die Jagd auf "Kanaken" und "Behinderte" hier gewissermaßen schon vorweggenommen. Nichtsdestotrotz ist diese Allgemeinheit im Prinzip Nation keineswegs der letzte Schluss und sollte nicht zu der Fehlannahme führen, der nationale Ausschlussprozess verlaufe immer und überall identisch: Dieser Fehlannahme läuft z.B. der antinationale Israelijäger auf, wenn er die Unterschiede zwischen der IDF und der deutschen Wehrmacht schlicht und einfach zugunsten oberflächlich gehaltener Plattitüden einzementiert.
Doch diese Unterschiede sind eben nicht erst in den größeren geschichtlichen Zusammenhängen zu finden, sie sind mit dem individuellen Handeln vermittelt: In Bezug auf die Differenz zwischen Unterschichtenkids deutscher oder migrantischer Herkunft gilt dies in ähnlicher Weise: zu nennen wäre z.B. der Sachverhalt, dass sich deutsche Jugendliche weit häufiger zu explizit dem deutschen National Sozialismus verpflichteten Kleintrupps zusammenschließen, während dies bei russischen oder türkischen Migranten eher weniger der Fall ist, sie sich eher als Nationalisten in Bezug auf ihre Herkunftsländer verstehen und entsprechend eine eigene Konstellation von Feindbildern aufweisen, wie sie z.B. im Jargon vom "Schinkenfresser" oder der Aversion russischer Migranten gegen Afrikaner und Araber zum Ausdruck kommen.

Bleibt also abschließend zu sagen, dass Antirassismus nicht - bzw. bloß sehr begrenzt - von seiner Neigung abzutrennen ist, existierende Realitäten einer in Völker getrennten Menschheit zu bejahen und mehr als bloß häufig Menschen in ihrer nationalen Borniertheit festzementiert, anstatt eben diese Borniertheit einer Kritik zu unterziehen.

8 Kommentare 14.2.07 16:18, kommentieren

Externe Debatte mit abdel kader

Wen es interessiert: im Kommentarbereich von abdel kaders Artikel "Yigal Amir Fanclub" quatsche ich ein bisschen mit ihm über Grundlagenfragen der antideutschen Kritik.

1 Kommentar 29.1.07 13:07, kommentieren

Erweiterung: Debatte mit bigmouth

Nun hat sich in meine Debatte mit "bigmouth" eine weitere, anonyme Person zwischengeschaltet. Dankenswert ist allein schon die Tatsache, dass der Schreiber sich wenigstens die Mühe gemacht hat, zwischen meinen Kommentaren und jenen Grigats bzw. Küntzels zu unterscheiden, bzw. die Zusammenhänge richtig zu erkennen. Ich möchte dem Menschen daher eine ausführliche Antwort seiner Diskussionsbeiträge zukommen lassen. Ich werde seine Beiträge ohne die jeweiligen Bezugszitate wiedergeben, diese sind für jeden in bigmouth' Kommentarbereich zu finden.

 

Anonymous schreibt:

"Ja was nun? Grigat schreibt also, dass die Motivation der Attentäter vom 11.9. in erster Linie, überwiegend, whatever, eine antisemitische war! Also ist für Grigat dieser Anschlag im wesentlichen ein Antisemitischer.
Oder hab ich das wieder falsch verstanden?"

 

Meine Antwort:

Selbstverständlich kann ich nur begrenzt hinter Grigats Stirn gucken, doch meine ich, dass für einen Kenner des Verhältnis von Antisemitismus und Antiamerikanismus klar auf der Hand liegen dürfte, dass - wenn er den Anschlag als antisemitischen benennt - andere Bedeutungsebenen dadurch keineswegs aus der Welt sind. Würden wir Grigat persönlich fragen, nehme ich an, dass er darauf verweisen würde, dass bisher wohl die Wenigsten die explizit judenfeindliche Dimension des Anschlages zur Kenntnis genommen haben und es daher vonnöten ist, sie hervorzuheben. Meine Gegenfrage wäre nun: Hätte er den Anschlag als "antiamerikanischen" bezeichnet, hätte er damit seine "wesentliche" Intention besser getroffen? Hätte er ihn womöglich - wie bigmouth es rationalisiert - auf die Truppenstationierung in Saudi Arabien beziehen sollen um seiner Wesentlichkeit näher zu kommen? Ich behaupte: Für die Frage nach den vorwiegenden Intentionen gilt es die individuellen und institutionellen Eigenaussagen der Urheber besonders aufmerksam ins Licht zu rücken. Wenn Mohammed Atta, sowie Osama Bin Laden darin übereinstimmen, dass das WTC als Symbol für die uneingeschränkte Macht der Juden gestanden hat - und solch übereinstimmende Aussagen gibt es in Bezug auf Saudi Arabien z.B. nicht - dann ist dies für mich schon ein recht eindeutiges Indiz, dass die Betitelung als "antisemitisch" durchaus plausibel macht.

 

Anonymous:

"Auch wenn ich weiß, dass der Text nicht von dir ist, lohnt es sich ja vielleicht mal reinzuschauen. Was macht der Küntzel denn da? Mal sehen, da steht nämlich z.B. sowas:

(...)

Küntzel schmeißt hier gleich mehrere verschiedene Sachen in einen Topf: Den Antisemitismus Attas, den seiner “Anleiter und Finanziers” (ist sone Formulierung nicht eigentlich schon strukturell… ach, lassen wir das… ) und den der Hamas Selbstmordattentäter in Israel/Palästina."

 

Meine Antwort:

Zunächst einmal halte ich den misslungenen Seitenhieb bzgl. "ist sone Formulierung nicht eigentlich schon strukturell… ach, lassen wir das…" für absolut fehl am Platze, darin zeigst du m.E. eine ganz schöne Ignoranz gegenüber brauchbaren Antisemitismusanalysen.

"In einen Topf" hat Küntzel gar nichts geschmissen, sondern er hat lediglich zwei miteinander in einer ideologischen Korrespondenz stehenden terroristischen Gruppierungen in einer ihrer zentralen Methoden zur Forcierung politischer Ziele - dem Suicide Attack - auf einen Allgemeinbegriff gebracht: "[D]as Muster des suizidalen Massenmords" wie Küntzel es nennt. Über diesen Allgemeinbegriff ließe sich sicherlich diskutieren und inwieweit er brauchbar ist um strukturelle, organisatorische und gesellschaftliche Ebenen zu erfassen ist sicherlich auch nachzufragen, aber so wie in einem Topf - bis zur Untrennbarkeit durcheinanderfließend - geht es in Küntzels Text nicht zu.

 

Anonymous:

"Küntzel mutmaßt: Da besteht ein Zusammenhang! Nur welcher? Alle Attentäter waren Muslime - vermutlich - schließlich sind sowohl Hamas, als auch Al-Quaida islamistische Organisationen. Welche Gemeinsamkeiten bestehen noch? Natürlich, wie die Anschläge durchgeführt wurden: Es handelt sich um Selbstmordattentate. Und welche Gemeinsamkeit findet Küntzel noch? Die antisemitische Intention der Attentäter. Nun lässt sich nicht abstreiten, dass sich die Anschläge in Israel vorallem gegen Juden richteten. Das lässt auf eine antisemitische Intention schließen."

 

Meine Antwort:

Das ist Blödfug. Nicht, dass es tatsächlich Juden trifft in Israel ist die antisemitische Komponente sondern dass es sie treffen soll und es im Bewusstsein der Attentäter auch tut ist der springende Punkt, der dem Anschlag auf die Diskothek in Tel Aviv und auf die Pizzeria in Jerusalem den antisemitischen Charakter verleiht. Und darin läge die ideologische Korrespondenz mit den Attentätern des 11. September: Auch sie waren der Ansicht, einen Stoß inmitten das Herz des Judentums zu vollziehen.

 

"Bei den Anschlägen in New York fällt dieser Schluss allerdings weniger leicht. Er funktioniert nur wenn man a) die Aussagen der Lesekreis-Brüder von Mohammed Atta (die übrigens immer noch keinen Rückschluss auf die Motivation seiner “Finanziers und Anleiter” erlaubt) heranzieht, b) vollkommen ausblendet in welchem Kontext Selbstmordattentate in Israel/Palästina stehen (die im übrigen keine islamische Erfindung sind und auch nicht nur von Islamisten eingesetzt werden - schließlich haben sich auch schon Tamil Tigers oder PFLP-Aktivisten in die Luft gesprengt)"

 

Meine Antwort:

Sehr wohl kann ich dir zustimmen, dass wir keineswegs ein und denselben Täterkreis vorliegen haben, sie aber doch ganz eindeutig eine gemeinsame Bewusstseinsstruktur zu attestieren ist. Osama bin Laden selbst spricht in seinem "letter to America" in den Passagen über Israel einen dem Jargon der Hamas aufs Engste verwandte Sprache. Im Antisemitismus - der ja schon immer ein wunderbares Bindeglied zwischen religiösen und säkularen Bewegungen geboten hat - finden diese Strömungen eng zusammen und machen daher Küntzels Beharren auf einer Stringente in meinen Augen durchaus plausibel.

 

Anonymous:

"c) mit beidem im Zussamenhang stehend die infame Behauptung aufstellt es gebe einen spezifisch islamischen Antisemitismus:

(...)

Hier behandelt Küntzel nicht etwa den Bezug der antisemitischen Muslimbrüder auf den Islam, d.h. also die religiöse Rechfertigung ihrer antisemitischen Ideologie. Nein: Küntzel unterstellt, wie ein Großteil seiner post-antideutschen Genossen, einen spezifischen antisemitischen Gehalt des Islams. Das verwundert, wenn man Küntzels These kennt, dass es eben vor den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts im Einflussgebiet des Islams kaum Antisemitismus, ja kaum einmal eine religiöse Feindschaft gegen Juden gab! Was Küntzel hier macht ist unwissenschaftlich - er löst aktuelle wie historische Ereignisse aus ihrem jeweils eigenen Kontext und ordnet sie systematisch so, dass sie in die aktuelle Feindbildkonstruktion passen.
In den Geschichtswissenschaften, bzw. ihrer popularisierten Abteilung sind solche Methoden ja leider normal. Geschichte wird eben so sortiert, so dass sie gerade passt. So entstehen dann Verschwörungstheorien in denen “ja alles irgendwie Zusammenhängt”."

 

Meine Antwort:

Ich stehe schon seit einiger Zeit vor der Frage, wieso und warum sich Kritiker der "Postantideutschen", wie es so schön heißt, derartig gegen die Begriffe "islamischer Antisemitismus" bzw. "arabischer Antisemitismus" zur Wehr setzen. In meinen nun mittlerweile etwa 3 Jahren umfassenden Beschäftigungen mit Antisemitismusanalyse war ich es immer gewöhnt, die Übergangsphasen der historisch-religiösen Judenfeindschaft zum modernen Antisemitismus mit Begriffen wie "christlichem Antisemitismus", o.ä. zu umkreisen. Genau genommen ist dieser Begriff auch nicht unfehlbar, kann er doch kaum miteinbeziehen, dass zwischen dem Antisemitismus lutheranisch-protestantischer Tradition und katholizistischem mitunter meilenweite Unterschiede liegen oder auch, dass bestimmte Flügel des Christentums seit Luther quasi vollkommen frei geblieben sind von judenfeindlichen Kontinuitäten. Auch der Bezug auf die Begriffe des "deutschen", "polnischen", "lettischen" Antisemitismus, die ja schließlich auch nicht jenen Völkern im Blute liegen sondern eine historische Genese hinter sich haben, wurden von Kritikern eigentlich nie problematisiert. In Bezug auf den Antisemitismus in arabischen (oder auch afrikanischen) Ländern islamischer Religionsgeschichte scheint dies ein absolutes Tabu zu sein und ich verstehe nicht, wieso. Was für ein Begriff von Nationalität und Religion liegt da zugrunde, wenn alle Bemühungen darauf ausgerichtet sind - manchmal mit einem Rückbezug auf Theologie, dass es mir graut - den Nachweis zu erbringen, dass bestimmte Formen von Judenfeindlichkeit unter keinerlei Umständen eine auf die gesellschaftlichen Begriffe "islamisch", "libanesisch", "türkisch" oder "iranisch" zu beziehende Dimension haben können? Geht den Theoretikern da abhanden, dass solche Gemeinschaftsideologien immer historische Produkte sind, deren Ausformungen letztendlich ebenso auf "äußere" wie auf "innere" Einflüsse zurückzuführen wären, weil Ideologiekritik gerade solche imaginierten Grenzbereiche in Frage zu stellen hätte?

Die antideutsche Gruppe Cafe Morgenland, deren Texte ich in Bezug auf diese Fragestellung immer als gelungene Interventionen empfunden habe, schrieb dazu einmal:


"Es bleibt dabei: Antisemitismus ist kontextunabhängig (unabhängig von Herkunft, Religion, Nationalität, Hautfarbe und Geschlecht) anzugreifen. Dies bedarf keiner Begründung – weder auf den Islam, noch auf die türkische, arabische oder sonst wie Herkunft. Wird dies und genau dies (Herkunft, Religion usw.) aber in den Mittelpunkt gestellt, oder gar zum Ausgangspunkt im Kampfe gegen den Antisemitismus gemacht, hat es nicht im Geringsten mit der Bekämpfung des Antisemitismus zu tun, sondern dient ausschließlich als Vorwand und Legitimation zur Gestaltung von schäbigen, linksdeutschen Pogromen."

 

Diese Argumentation finde ich nicht einleuchtend, denn: Antisemitismus ist nicht in Polen der gleiche wie in Deutschland und im Iran nicht der gleiche wie in Belgien. Die Rede von einem deutschen Antisemitismus war seit jeher notwendig um die Spezifik zu verdeutlichen, die den Antisemitismus in Deutschland seine explizit modern-eliminatorische Dimension gegeben haben. In Polen z.B. haben wir es beiweitem mehr mit einem katholizistisch geprägten Judenhass zu tun. Während der deutsche Antisemit seinen Bezug wesentlich deutlicher auf Volks- und Blutsebene bezieht, stehen im polnischen Antisemitismus religiöse Denkfiguren im Vordergrund. Ich denke, ich - und, um den Bogen zurück zu schlagen: dies gilt auch für Küntzels Beitrag - überdehne dieses Gedankengebäude nicht, wenn ich es auf die arabischen Länder und die dort bestehenden national- bzw. religionskulturellen Ideologien beziehe. Die historische Genese nachzuarbeiten, die Frage zu formulieren, warum die arabischen Gesellschaften eine derartige Offenheit für den europäischen Antisemitismus an den Tag gelegt haben und ihn völlig autonomen dahingehend erweitert haben, seine zentralen "Thesen" auf den islamischen Glauben und regionale Nationalismen zu beziehen, ist ein legitimes Unterfangen dass sicherlich dem Begriff des "islamischen Antisemitismus" seine Grenzen geben würde, aber daraus zu folgern, es gäbe ihn nicht halte ich für absolut realitätsfremd. Denn darin dürften wir uns wohl einig sein: Bin Ladens (oben verlinkter) "letter to America" ist keineswegs ein lediglich mit europäischem Antisemitismus gespicktes Pamphlet sondern eine ganz eigentständige und lediglich strukturell auf den historischen Antisemitismus z.B. Deutschlands bezogene Form des Judenhasses.

 

Anonymous:

"Sozialwissenschaftlich ist die Bildung eines Konstrukts wie das des antisemitischen islamistischen Selbstmordattentäters höchst zweifelhaft und angreifbar. Es erfüllt das Kriterium einer zunächst fallimmanenten Interpretation des Handelns der Akteure nicht, es lassen sich einige Argumente anführen, dass die Differenzen zwischen den Akteuren die hier als Belege für die Existenz eines solchen Typus angeführt werden, die Gemeinsamkeiten überwiegen. So war Mohammed Atta, z.B., kein Palästinenser, noch sind es seine “Hintermänner” - es lässt sich aber bezweifeln das eine Analyse der Motive der Hamas und ihrer Attentäter vornehmen lässt ohne auf die israelische Besatzungspolitik und das gleichzeitige (möglicherweise eben nicht ursächlich darin begründete) Aufsteigen der Hamas zumindest Bezug zu nehmen usw..

so. vielleicht später mehr dazu, muss jetzt weg."

 

Meine Antwort:

Allerdings - und darin liegt m.E. deine Fehlannahme in Bezug auf Küntzel - geht es in dem Text nicht um den "antisemitischen, islamistischen Selbstmordattentäter" sondern um ein gewisses Strukturmoment antisemitischer Terroranschläge.

Und so wie du jetzt weg bist, habe ich gerade nicht mehr Lust, noch weiter zu schreiben. Ich danke dir für deine ausführlichen Kommentare.

1 Kommentar 18.1.07 16:45, kommentieren

Debatte mit bigmouth

Dem Weblog von "bigmouth" ist aktuell die Jammerei zu entnehmen, dass Stephan Grigat "leider" - schwere Zeiten sind das in denen man sich von Veranstaltungen belästigt fühlt, die man nicht besucht - wieder in Oberhausen zwei Vorträge halten wird. Da die Kommentarleiste von blogsport mit einem übersensiblen Spamschutz bzw. einer Freischaltungsfunktion versehen ist, protokolliere ich hier meine - durchaus widerstrebend geführte - Diskussion über bigmouth' Beiträge:

Um ganz ehrlich zu sein: ich hatte nicht vor, an dieser Stelle über deine Einwände zu diskutieren, dafür gibt es schließlich die Veranstaltung. In aller Kürze: Mit welcher Ambivalenz die Westbindung vonstatten gegangen ist ( Vgl: Heinz Bude / Bernd Greiner: "Westbindungen" ) dürfte dir auch bekannt sein und das eine Revision der Nachkriegsordnung - z.B. in Bezug auf die Zwei-Staatlichkeit Deutschlands - durchaus zu den obersten Interessen der deutschen Außenpolitik gehörte, würde ich ebenso unterstreichen. Die Nachweise, dass 9/11 antisemitische Intentionen zugrunde lagen, haben andere Autoren durchaus plausibel dargestellt, diese Autoren lassen sogar den von dir so geschätzten Bin Laden zu Wort kommen:

 

"Osama bin Laden zufolge hat der jüdische Feind „Amerika und den Westen als Geisel genommen.“ „Die Juden“, erklärte er im Oktober letzten Jahres in seinem Brief an das amerikanische Volk, „beherrschen alle Bereiche eures Lebens und … verfolgen ihre Ziele auf eure Kosten.“ " ( Matthias Küntzel, "Deutsches Schweigen" )

 

Merke: Osama sorgt sich im Gegensatz zu völkischen Nationalisten sogar um das Wohl und Wehe des amerikanischen Volkes und sieht es lediglich in den Klammern des internationalen Judentums.

Wikipedia weiß auch noch etwas zu Osamas Judenbild :

 

"Am 23. Februar 1998 unterzeichnete er gemeinsam mit Aiman az-Zawahiri und anderen ein Manifest zur Gründung einer Internationalen Front für einen Dschihad gegen die Juden und Kreuzfahrer, in der der Kampf gegen die USA zur Pflicht eines jeden Muslim erklärt wird."

 

Zu den Terroranschlägen in New York sagt Wikipedia Folgendes :

 

"Die Al-Qaida steht ideologisch einer fundamentalistischen Variante der Wahabiten nahe, deren Heimat Saudi-Arabien ist. Sie sehen die USA als Ursprung einer angeblichen „jüdischen Weltverschwörung“, die sie mit dem Zionismus und dem Staat Israel gleichsetzen. Das WTC galt ihnen als Symbol einer „geballten Finanzmacht der Juden“, die nach ihrer Meinung die Finanzmärkte der Welt „lenken und skrupellos für ihre Herrschaftsabsichten benutzen“ würden."

 

Wenn du es für sinnvoll hälst, diese Aspekte als "unwesentlich" zu beseitigen, dann wärst du auf der Oberhausener Veranstaltung eh nicht besonders gut aufgehoben sondern solltest weiterhin nach Erklärungsmustern, die diese Tat als Reaktion auf eine Truppenstationierung runterbrechen, suchen. Vielleicht mag dem Erklärungsansatz abhanden gehen, dass der "Symbolcharakter" des Anschlags etwas weitreichender ist als der Bezug auf Saudi-Arabien es deutlich macht, aber ich befürchte darum geht es dir eh nicht. Wie dem auch sei: Die Diskussion wäre es mir bei Weitem lieber in einem geeigneten Rahmen zu führen, Samstag wäre eine Gelegenheit dazu.

Wenn du ein Problem mit dem Titel hast: Frag Grigat doch einfach mal selber, ich wäre drauf und dran, dafür zu sorgen, dass dir der Eintrittspreis erlassen wird, bloß damit ich mir das ansehen darf.

Und was du die ganze Zeit mit der bitterbösen Kunstreich-Veranstaltung hast, weiß ich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Bis darauf, dass dir ein, wohl in deinen Augen authentischer Antideutscher gesagt hat, dass er die Veranstaltung ganz blöd fand, hast du bisher eigentlich nichts dazu gesagt. aber in den ganzen Kommentaren hier (Anm.: In Bezug auf seinen Beitrag) geht es glaube ich eh nicht um die frage danach, ob sich unter den ruhrgebietlichen Antideutschen gute Köpfchen befinden, sondern bei Weitem mehr um eigene Identitätsvergewisserung.

Nachtrag:

bigmouth konfrontiert mich nun - anstelle von Stephan Grigat oder Matthias Küntzel, wie es vernünftig wäre - mit der Nachfrage, ob der Anschlag als "wesentlich" antisemitisch zu bezeichnen ist. Ich möchte die Frage folgendermaßen beantworten: Der Einzige, der bisher den Anschlag als wesentlich antisemitisch tituliert hat, ist bigmouth selbst ( "(...) oder erklären, warum 9/11 im wesentlichen eine antisemitische tat sein soll (...)" ) und nicht Stephan Grigat. Der schreibt zwar sehr wohl, das Massaker sei ein antisemitisches, würde aber wohl kaum abstreiten, dass es z.B. auch ein amerikafeindliches ist. Über sein "Wesen" gibt Grigat keinerlei Auskunft. Ebenso hat bigmouth offensichtlich meine Antwort nicht richtig gelesen, schließlich ist nur ein Zitat aus dem Text "Deutsches Schweigen". Ganz am Rande: 50% (wie er etwas großzügig schätzt) sind ein Anhang zum eigentlichen Text, nämlich Auszüge aus der Charta Der Hamas. In meinem ebenfalls verlinkten Text "Djihad und Judenhass" steht nicht bloß die Al-Quaida sondern Mohammed Atta himself im Vordergrund der Untersuchung. Und das seiner Wenigkeit ein "nationalsozialistisches Weltbild" (Teilnehmer seiner Koran-Runde) attestiert wurde, spricht - und nun wird es sogar für die nie aufgestellte Behauptung interessant - deutlich für eine wesentlich antisemitische Intention. Dies schlussendlich zu beurteilen, liegt allerdings nicht in meiner Kompetenz, aber vielleicht bringe ich es Samstag zur Sprache, während andere dem Hornochsen Bernhard Schmid zuhören, wie er sich darüber auslässt, dass manche Antideutsche es ja echt ein bisschen zu weit treiben, gar nicht mehr wirklich links sind, alles toll finden was Israel und die USA machen, jede soziale Bewegung sofort als antisemitisch diskreditieren und dafür plädiert, dass man ja schon noch einen Mittelweg finden kann zwischen denen und den Antiimperialisten, die man ja auch nicht wirklich gut finden darf - kurz gesagt: inhaltsentleerte Identitätssucherei betreibt.

1 Kommentar 17.1.07 13:22, kommentieren

Anstatt einer Rezension

Entgegen meinem ersten Bedürfnis - weil ich so viel ambivalente Freude daran hatte - Pohrts "Kreisverkehr, Wendepunkt." eine Rezension zu widmen, möchte ich darlegen, wieso ich das nach einigen Überlegungen für widersinnig halte. Mein "Brockhaus in einem Band" gibt über das Wörtchen "Rezension" folgende, knappe Auskunft:

"Krit. Beurteilung dichter. und wiss. Werke sowie künstler. Leistungen"

Pohrts Essaysammlung "Kreisverkehr, Wendepunkt" ist nicht dichterisch, auch nicht wissenschaftlich und erst recht nicht künstlerisch. Pohrts Essaysammlung ist nicht einmal eine Leistung. Pohrts Buch möchte auch gar nicht dichterisch, wissenschaftlich oder künstlerisch oder gar eine Leistung sein. Pohrt vollzieht in seinen Texten eine grundlegende Haltung, die common sense aller materialistischen Kritik sein sollte: Gar nicht für sich sein zu wollen sondern das, warum sie sich gezwungen sieht, zu existieren, abschaffen zu wollen. Und sich davon zu überzeugen überlasse ich jedem selber und schließe ab mit einem Abschnitt, welchen ich für zitiernotwendig erachte:

"Die zum unverbindlichen Dekor, zu preiswerten Kennmarken für moderne Lebensarten mutierten linken Begriffe kann sich das autoritäre Syndrom umso leichter einverleiben, als es seine Identität und Dauer nicht im ausgearbeiteten, die Begriffe ernst nehmenden Gedankengang findet. Es gehorcht vielmehr seiner Bedürfnisökonomie und montiert beliebige und einander mit beliebiger Schärfe widersprechende Begriffe zu einer ebenso konfusen wie einfachen und eingängigen Formel. Welcher schiefen Bilder, sonderbaren Argumente, unbekannten Neologismen sie sich auch bedienen mag - man versteht sie sofort, weil ihr Ton ganz unabhängig vom Text dem Wort eine Stimme verleiht, welches von allen hinausgeschrien werden möchte: dem bedingungslosen Jawoll."

Wolfgang Pohrt

Kreisverkehr, Wendepunkt - Über die Wechseljahre der Nation und die Linke im Widerstreit der Gefühle

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1 Kommentar 8.12.06 17:23, kommentieren

Die Volksfront macht mobil

An kommenden Wochenende, genauer dem 09.12. marschieren auf ein Neues irgendwelche Nazis durch das Städtchen Celle. Wie üblich mobilisiert die örtliche Antifa zu Ver- bzw. Behinderung des Wanderzirkus. Im Falle der "Antifaschistischen Aktion Celle" weiß ich nicht genau, wen - wenn überhaupt - es am Samstag zu behindern gelten würde. In der in die Wege geleiteten Mobilisierungskampagne nutzt die AAC derart widerlich-demagogische Plakate, die von antisemitisch-antifaschistischen Pogromaufrufen der "Roten Fahne" kaum noch zu unterscheiden sind:

Eine beherzte rot ummantelte Männerhand erpackt die Griffel des abstrakt-bösen (hinter der die Kenner getrost die Hakennase vermuten dürfen) faschistischen Volksfeind, der die marschierenden Arbeiterkolonnen des rot eingefärbten "Celle" an sich zu reißen versucht. Ob die AAC solcherlei Denkfiguren auch auf den Nachkriegsirak anwenden? Der dem Archiv zu entnehmende Flyer lässt es vermuten.

 

Wer nicht das traurige Schauspiel zweier miteinander um Volkes Nähe konkurierende Häufchen Elend beim gegenseitigen Schlagabtausch beobachten möchte, dem würde ich anraten, das Wochenende was Anständiges zu machen, z.B. ganz gute Texte zu lesen: http://www.kritiknetz.de/Volksgemeinschaft_gegen_Neonazis.pdf

1 Kommentar 7.12.06 13:27, kommentieren