Kommentar der Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet

Im Folgenden ein Kommentar der ADK Niederrhein/Ruhrgebiet zu gegenwärtigen Auseinandersetzungen im linken Ruhrgebiet:

Geschwisterstreit im Hause Linksdeutschland

Worüber Junglinke, das „Polit-Cafè Azzoncao“ und „DIE LINKE.Dortmund“ gezankt und worauf sie sich geeinigt haben

Kommentar der Antideutschen Kommunisten Niederhein/Ruhrgebiet

Am 1. September 2007 war kurzzeitig eine Situation vor dem Dortmunder Hauptbahnhof eingetreten, wie sie in Deutschland beiweitem unüblich ist. Es wehten Flaggen der Staaten Israel und USA und auf Transparenten forderten Kommunisten „Kosmopolitismus statt Völkerrecht“ und „Israel’s right to self-defense“. Auch innerhalb der sog. „Linken“, so konnte der Eindruck entstehen, gab es Ambitionen, die die sonst so beliebte Attitüde, Widersprüche dem bundesdeutschen Feindbild „Neonazi“ unterzuordnen, zu sprengen. So parodierten einige Dortmunder Junglinke den autoritären, parteipolitischen Gestus der „Linke“-Fraktion Dortmund, die sich wenige Wochen zuvor in einer Pressemitteilung vom Aufruf der antifaschistischen Demonstration distanziert hatte, mit einem Transparent „DIE LINKE.Dortmund warnt: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern – Danke! Gez. Die bösen Antifas“. Doch bereits während der Demonstration machten nicht unwesentliche Teile der angereisten Antifajugend klar, dass ihr Kampf am sog. „Antikriegstag“ – der abgesehen von ein paar Rivalitäten um dessen öffentliche Gestaltung DGB und Freie Kameradschaften aufs Engste zueinander führt – nicht der deutschen Mehrheitsgesellschaft und ihrer nationalpazifistischen Vergangenheits- und Gegenwartsentsorgung gilt, sondern deren erklärten Gegnern: Aus einem abgespaltenen Block, bestehend aus antiimperialistischen Jungautonomen, Punks und diversen halb- und vollstalinistischen Parteien, griffen einige selbsterklärte Antifaschisten unter der Naziparole „USA – Internationale Völkermordzentrale“ israelsolidarische Kommunisten an und versuchten, eine Fahne des verhassten Erzfeindes Amerika zu zerstören. Anstatt solcherlei Aggressionen mit sich klar abzeichnenden Bezügen zur nationalen Gesamtmentalität aufs Schärfste zu verurteilen, den Urhebern die Gegnerschaft zu erklären und damit dem antinazistischen Selbstverständnis gerecht zu werden, betreibt die Linke auf ein Neues ihr eingeübtes Programm: Feindbild markieren und die Reihen schließen.

„DIE LINKE.Dortmund“ und ihr Kampf gegen den Antifaschismus

Utz Kowalewski, Pressesprecher der Dortmunder Fraktion, begründete in der benannten Pressemitteilung ihre Distanzierung damit, dass der Aufruf der „Antifaschistischen Union Dortmund“ „Gedankengut der so genannten Antideutschen Szene“ erkennen ließe. Es spricht für sich, dass „Die Linke“ offensichtlich nicht einmal in der Lage ist, in einer öffentlichen Erklärung zumindest versuchsweise durch sachliche Argumente eine bestimmte Ansicht als unstimmig zu beschreiben und anstelle dessen den politischen Feind anhand dessen „Gedankengut“ markiert, dem es sich nach parteipolitischem Bekenntnis zu verweigern gilt. Eine solche Betrachtung offenbart, dass – vermeintliches oder tatsächliches – „Gedankengut“ offensichtlich vorrangiges Kriterium für das politische Selbstverständnis der Partei ist. Es wäre müßig, im Einzelnen aufzuzählen, welcherlei „Gedankengut“ den bundesweiten Parteiverbänden näher liegt als „antideutsches“. Die Beteiligung der „Linken“ bei islamistisch dominierten und/oder deutschnationalen Demonstrationen, die grassierenden Studienergebnisse betreffend parteiinterner Ausländerfeindlichkeit und dergleichen sind hinreichend bekannt. Fest steht, dass die Distanzierung vom antifaschistischen Aufruf einmal mehr offen gelegt hat, dass die parlamentarische Linke für jegliche Form emanzipatorischer Kritik unzugänglich ist, da sie nicht bloß erklärtermaßen Aufklärung als „Gedankengut“ diskreditiert und verweigert, sondern vor allem weil sie wesentliche Elemente antifaschistischer Agitation erklärtermaßen verneint: „Es widerspricht grundsätzlich linker Politik für Krieg und Gewalt zu werben.“ Gegen solcherlei autoritäre Mobilmachung durch das oben benannte Transparent zu provozieren, war ein Schritt in die richtige Richtung.

„Aber wo bitte ist der Aufruf zur Gewalt?“– Das „Polit-Cafè Azzoncao“

Als Reaktion auf die Pressemitteilung der zur Partei gemauserten Kleinbande, formulierte das linke Bochumer „Polit-Cafè Azzoncao“ einen offenen Brief, in dem sie die Distanzierung von den vermeintlichen Gewaltaufrufen als „Anpisse“, „Denunziation“ und „diffamierende Fehlinterpretation“ kritisierte. Diese Einschätzung begründete das Cafè allerdings nicht mit der in der Pressemitteilung deutlich hervortretenden Gesinnungspolitik der Partei, sondern damit, dass es dem „eigentlichen“ Anliegen – natürlich nicht die Kritik an Deutschland in seinen verschiedenen Ausformungen – schaden würde, den Aufruf derartig zu pauschalisieren: „Wer die lachende Dritten sein werden, ist wohl klar: Die Nazis.“ Prinzipiell – das Herz schlägt links – stimme man mit den gesinnungspolitischen Denunziationen überein ( „Zu Recht kann man den Aufruf der "Antifa Union" zu der antifaschistischen Demonstration am 1. September als mutwillige Verdrehung, ideologieschwangere Provokation und gewollt undifferenzierte Denunziation von PazifistInnen, DemokratInnen und Linken bezeichnen.“ ), aber wenn es auf Kosten der Sache ginge, wäre solcherlei öffentliches Aus-der-Reihe-Tanzen unverantwortlich. Schließlich wisse die Partei, dass „die antideutschen Gruppen einen sehr kleinen Teil der Antifaszene ausmachen“ – als wäre die Formierung zur Mehrheit Argument für deren geistige Überlegenheit und nicht zumeist sogar Ausgangspunkt für ideologische Selbstverhetzung – und anstelle einer Distanzierung hätte man doch auch unter sich bleiben können, „intern unter den Gruppen“ anstatt „vor großem Auditorium“. Zudem würde im benannten Aufruf überhaupt kein expliziter Aufruf zu Gewalt zu finden sein: „Aber wo bitte ist der Aufruf zur Gewalt?“ Damit wurde also das einzig vernünftige, was der Praxis der Partei abgewonnen werden könnte – mit Ansichten, sofern sie als irreparabel fehlerhaft eingeschätzt werden, zu brechen, anstatt auf identitäre Dialogkultur zu setzen – relativiert, das was mit besonderer Vehemenz gegen die parlamentarische Schmackhaftmachung von Antifaschismus verteidigt werden sollte – die Absage an Konstruktivität – schlicht verneint. Anstelle dessen hat das „Polit-Cafè“ getreu dem schon durch den eigenen Namen suggerierten Anspruch Anschlussfähigkeit bewiesen und den staatsaffirmativen und nationsbejahenden Formeln von „Demokratie“ und „Pazifismus“ das Wort geredet.

Das „Kommando „Max und Moritz““ im Kampf um Hausrecht und Respekt

Vor wenigen Tagen veröffentlichte auf dem Medienportal „Indymedia“ ein „Kommando „Max und Moritz““ einen Aktionsbericht unter dem Titel „Besuch bei „Die Linke“ Dortmund“. Eine „Delegation mehrerer Antifa-Gruppen aus dem Ruhrgebiet“, so hieß es in dem Artikel, hätte der Dortmunder „Linke“-Fraktion einen Besuch abgestattet um diese zu einer Reaktion auf den vom „Polit-Cafè“ formulierten Brief zu bewegen. Nach ein bisschen verbalem Rumgeschubse um Hausrechtsfloskeln, wurde dann eine knappe halbe Stunde über das Anliegen der Junglinken diskutiert. Wie dem Bericht zu entnehmen ist, wurde selbstverständlich seitens denen, die noch prinzipiell die geistigen Fähigkeiten dazu hätten, wenn sie Willens wären, nicht über Demokratie, Volk und Politik als Vermittlungsformen des globalen Herrschaftszusammenhangs und Nationalismus, Antiamerikanismus, Islamismus als deren denkbar ekelhafteste Bejahungen diskutiert, sondern erneut über den innerlinken Zusammenhalt: „Den Aufruf der „Antideutschen“ fänden sie als (sic!) Antifas ebenso katastrophal. Das eigentliche Problem sei jedoch, dass die Partei „Die Linke“ den antideutschen Aufruf nicht intern kritisiert hätte. Sondern instrumentalisiert hätte, um alle an dieser Demonstration teilnehmenden AntifaschistInnen als kriminell und gewalttätig hinzustellen.“ Anstatt die restlose Selbstidentifikation der anwesenden Parteimitglieder mit den staatlichen Institutionen ( „Die Partei sei eine Wahlpartei und könne es sich nicht leisten, mit einem solchen Aufruf in Verbindung gebracht zu werden.“ ) als deren wiederholt ausgequatschte Selbstdiskreditierung zu erkennen, bemühte sich das „Kommando „Max und Moritz““ um die eigene juristische und gesellschaftliche Konformität, indem es sich von dem Vorwurf „kriminell und gewalttätig“ zu sein, frei zu sprechen versuchte. Abschließend heulte man sich dann gegenseitig ein bisschen die Ohren voll, wer mit welcher Personenstärke bei welchen Demonstrationen die vermeintliche oder tatsächliche Mehrheit stellte und ging unverrichteter Dinge auseinander: „Den Anwesenden wurde darauf erwidert, dass sich die unabhängigen Antifa-Gruppen, die Autonomen, Punks, linken Jugendlichen, Subkulturen und MigrantInnen nicht entmündigen und zu Schachfiguren machen lassen würden. Die man heute als Demonstrationsvieh mobilisieren und morgen als „Gewalttäter“ denunzieren könne. Sie würden vielmehr jenen gewissen Anteil von 80% der DemonstrantInnen stellen, welche die meiste Initiative zeigten, die meiste Recherche machten und antifaschistische Projekte durchführten. ( … ) Die großzügig eingeräumte Zeit war verstrichen und die Antifas wurden, ohne das es zu einer Verständigung gekommen war, des Raums verwiesen. Da diese auch nicht mehr als eine Initialdebatte erwartet hatten, gingen sie. Nicht ohne „Die Linke“ noch darauf hinzuweisen, dass bei weiteren Denunziationen sie mit ihren Parteifahnen und Transparenten auf Antifa-Demonstrationen nicht mehr gerne gesehen würden.“

Nie wieder Linksdeutschland!

Die Ablagerungen der deutschen Linken im Ruhrgebiet haben in den letzten Tagen und Wochen wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie weit sie davon entfernt ist, für Emanzipation im kommunistischen – also antinazistischen – Sinne zu stehen. Ihr Umgang mit inhaltlichen Differenzen, die sie durch vollkommen geistentleerte Schlagabtausche um Demokratie, Solidarität, Respekt und Mehrheit erfolgreich überbrücken, ist deutlichstes Anzeichen dafür, dass ihre mittlerweile zumeist realitätsferne Panik vor erstarkenden Naziszenen, zunehmender Staatsrepression, u.ä. ihr jeden Restbestand kritischer Vernunft auszutreiben droht. Es bleibt zu hoffen, dass die wenigen klar denkenden Teile dieser Bewegung die Abscheu vor den amerikafeindlichen und antizionistischen Gewaltausbrüchen vom 1. September zum Anlass nehmen, einen klaren Bruch mit den Verfechtern der ihnen zugrunde liegenden Ideologien zu vollziehen. Dann, so bleibt zu hoffen, richten sich antifaschistische Demonstrationen demnächst gegen Ahmadinejad und seine Freunde bei der „LINKE.Dortmund“ und beim „AB West“. Wir werden unseren Teil dazu beitragen.

Antideutsche Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet

25.9.07 15:26

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


oster-sack (25.9.07 18:06)
Es gibt tatsächlich 2007 noch Leute die sich "Antideutsche Kommunisten" nennen? Ist das ein Fake, um brave deutschnationale ADs zu diskreditieren?


Phex / Website (25.9.07 22:18)
Ich finde es könnten sich ruhig wieder mehr Gruppen als Antideutsche Kommunisten betiteln.
Aber ist leider wirklich aus der Mode wie es scheint. die lösen sich alle auf...


123 (26.9.07 18:16)
Sorry, aber wenn man sich den Durchschnitts-AD heute so anschaut, ist "kommunistisch" wohl das letzte, was einem dazu noch einfällt.


ufff (28.9.07 10:43)
voll goil!
der Widerstand zerfleischt sich über Kleingedrucktes...nie die Bedrohung aus den Augen verlieren, liebe Leute!

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