Zur Kritik des "...ums Ganze"-Bündnis

Ich habe einen heimlichen Verehrer. Seine Faszination für mich ist so gewaltig, dass er mich beobachtet, sich nach meinen Internetpseudonymen umhorcht, mich in seinem ersten Weblog-Beitrag zitiert und mir die unabschätzbare Ehre zuteil werden lässt – einer „linken Unsitte des Pluralismus“ folgend, wie er schüchtern vorschiebt – auch noch mit meinem Ankündigungsbeitrag verlinkt zu werden: Dass er mich während der Oberhausener Podiumsdiskussion nicht mit Papierkügelchen beworfen hat, um meine Aufmerksamkeit zu erregen, ist – wenn nicht den Unsitten linker Gesprächsstandarts geschuldet – wohl bis auf Weiteres nicht nachzuvollziehen. Sollte meine Vermutung Wahrheit behalten, dass sich hinter „misstakenidentity“ die selbe Person verbirgt, mit deren sinnentleertem Gepöbel ich mich schon gestern im ADF-Board auseinandersetzen musste, müsste ich wenigstens nicht mehr befürchten, dass es mehr als eine Person gibt, die die Diskussionen rund um „…ums Ganze!“ benutzt, um perfide Lügen öffentlich zu machen: „inhaltsleerer und argumentloser“ hätte, folgt man „misstakenidentity“, die Diskussion seitens der Antideutschen gar nicht verlaufen können, denn diese hätten sich darauf beschränkt, der Bewegung „Antisemitismus und Antiamerikanismus (also: Nazismus) vorzuwerfen“. Dass die Kritik an antisemitischer und amerikafeindlicher Agitation lediglich eine – wenn womöglich auch eine dominante – Ebene der umfangreichen Kritik an politischer Vermittlung, reformistischem Ansatz, Gewaltfetischisierung,… ausgemacht hat, darf demnächst ja glücklicherweise jeder im Audio-Mitschnitt selber nachvollziehen: Ein bisschen frecher ist da schon die Interpretation, der Vertreter der „Antifa[f]“ wäre im Gegensatz zu Alex Feuerherdt um den Versuch bemüht gewesen, eine „Kritik an der globalisierungskritischen Bewegung in kommunistischer, also revolutionärer Absicht zu formulieren“. Hätte „misstakenidentity“ Alex Feuerherdt zugehört, dann wüsste er, dass sein Problem gerade darin bestand, dass die kritische Reflexion über die Antiglobalisierungsbewegung in „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ zu formulieren reichlich wenig Sinn gemacht hätte, so lange noch Teilnehmer der Diskussion fest davon überzeugt gewesen sind, dass die Antiglobalisierungsbewegung selbst mit diesem kommunistischen Anspruch überhaupt nur irgendetwas zu tun hätte. Der Versuch, der da der „Antifa[f]“ untergeschoben wird, war im besten Falle guter Willen, dass es doch noch was werden dürfte, der Bewegung eben diesen Anspruch nahe zu legen. Was das mit „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ zu tuen hatte und wieso „misstakenidentity“ diese vermeintliche Absicht mehr interessiert als das Gequatsche des Vertreters über die „Israelfrage“, mag er mir ja selber noch einmal erklären.



Es soll im Folgenden meine Drohung wahr gemacht werden, das linksaktionistische Bündnis „...ums Ganze!“ einer Kritik auf verschiedenen Ebenen zu unterziehen und daraus folgernd meiner Forderung Nachdruck zu verleihen, den Zusammenschluss restlos aufzulösen und seine Aktivität als politische Vereinigung in dieser Form vollends einzustellen. Der Beitrag soll also – dies sei betont – einer Zerschlagung des Bündnisses Vorschub leisten. Meine Ausgangsthese, die ich im folgenden Beitrag zu begründen versuchen werde, besagt, dass „...ums Ganze!“ schon aufgrund seiner Konstitution als Anti-G8-Bündnis ideengeschichtlich an die politischen Grundannahmen der Antiglobalisierungsbewegung gebunden bleibt. Sein Versuch, die Agitationsfelder dieser Bewegung entsprechend seinen Vorstellungen umzustrukturieren, kann lediglich auf die Erkenntnis einer Unmöglichkeit dieses Vorhabens oder aber eine sukzessive sich vollziehende Annäherung an die Bewegung hinaus laufen.



„...ums Ganze!“ ist mit dem primären Anspruch angetreten, die „Entwicklung einer antikapitalistischen Praxis und Organisierung“ voranzutreiben, wie es im Einleitungstext zu einem Reader unter dem Titel „...ums Ganze! Smash capitalism. Fight the g8 summit.“ heißt.* In diesem Vorhaben sucht „...ums Ganze!“ insbesondere die Abgrenzung zu „reaktionären Teilen der Bewegung“, wie in verschiedenen Erklärungen in unterschiedlicher Formulierung betont wird und zu Ansätzen die das verkörpern, was in den letzten Monaten und Jahren wesentlich mit reichlich unzutreffenden Begriffen wie „verkürzter Kapitalismuskritik“, „verkürzter Antikapitalismus“ o.ä. gefasst wurde. Obwohl „...ums Ganze!“ diese Begriffe erklärtermaßen ablehnt, sind ihre Inhalte in weiten Teilen den damit verbundenen Diskussionen entnommen. Diese Begriffe meinen all jene Positionen, die das globale Kapitalverhältnis als unvermittelte Herrschaft einiger weniger über die breite Mehrheit der Welt begreifen, anstelle kapitale Ökonomie, Rechtsstaatlichkeit und Politik als durch eine allseitige Vermittlung bestehende und sich reproduzierende Herrschaftsform auf der Basis von bürgerlicher Freiheit zu fassen. Das Bündnis attackiert in ihren Schriften das „platte Denken in Haupt- und Nebenwidersprüchen“, „ökonomistische und personalisierende (Staats-)Vorstellungen“, „moralische Verurteilung bestimmter Konzerne“ und sie weisen im Zuge dessen hie und da auf die Affinität solcherlei Denkformen zu Antiamerikanismus und Antisemitismus hin. Statt einer solchen Auffassung von Ausbeutung und Herrschaft ginge es ihnen „ums Ganze“ eben. So weit, so gut. Es wäre damit nichts anderes formuliert als die Thesen- und Positionspapiere von antideutschen Jugendantifas, die ihr Verständnis von „Kapitalismus“ publik machen, den es „abzuschaffen“ gilt. Nun tritt aber „...ums Ganze!“ mit einem ganz besonderen Wunsch, nämlich der – ausgangs erwähnten – „Entwicklung einer antikapitalistischen Praxis und Organisierung“ an, dem vermeintlich begriffenen Zusammenhang von Herrschaft und Ausbeutung entgegenzutreten – und rutscht damit nahezu bruchlos zurück in eine Form von linkspolitischen Aktionismus, dessen emanzipationsfeindliches Wesen sie anhand ihrer bisher geknüpften Thesen durchaus zu erkennen in der Lage wären.



Es ist an anderer Stelle zu Genüge dargestellt worden, welche Ressentiments die Antiglobalisierungsbewegung antreiben, sowohl auf phänomenologischer als auch auf analytischer Ebene. Es ist div. Publikationen von Café Critique , der Redaktion Bahamas , mit Vorbehalten auch der Jungle World in beiderlei Hinsicht alles Wesentliche zu entnehmen. Dies ist nicht der Ort, an dem all dies wiederholt gehört. Einen offensichtlich untergegangenen Aspekt aber, gilt es zu betonen. Wann immer die Apologeten von Heiligendamm-Tourismus, Aktionspolitik und Bewegungsreformiererei auf die verschiedensten Abscheulichkeiten, die ihr Rebellionssubjekt in aller Regelmäßigkeit hervorbringt, hingewiesen werden, wird dem entgegengehalten, es gelte von Pauschalisierungen Abstand zu nehmen: „Nicht alle“ seien schließlich „so“ und keineswegs sei gesichert, ob die Bewegung ins Reaktionäre „umschlagen“, „abdriften“ o.ä. werde. In der von mir besuchten Diskussionsveranstaltung in Oberhausen, der breiteren Öffentlichkeit aber auch in Form eines Online-Interviews zugänglich, erklärt(e) ein Vertreter von „...ums Ganze!“, man müsse die Bewegung zuallererst „differenziert“ betrachten. Bei letztgenannter Stellungnahme werden div. „Bewegungsteile“ aufgezählt – sozialdemokratisch, antiimperialistisch, etc. – und eben auch solche, die „Schnittstellen zum Rechtsextremismus aufweisen“. „Alexandra“ – Mitglied der Göttinger Antifa-Gruppe „redical M“ und des „...ums Ganze!“-Bündnisses – gibt in einem Interview der „Phase 2 Berlin“, angesprochen auf den Antiamerikanismus und den Antisemitismus als ideologischen Kitt der Antiglobalisierungsbewegung und Anschlussstelle für Nazis und Islamisten, folgende Antwort: „Ja, nee. Es ist keine neue Erkenntnis, dass es innerhalb der NoGlobal-Bewegung Positionen und Strömungen gibt, welche antiemanzipatorisch und reaktionär sind. Wir halten es für falsch sich deshalb von diesem Event als solchen zu distanzieren und quasi mit unserer Kritik außenstehend zu verharren. Zuerst einmal bleibt festzuhalten, dass die Position des/der (links)radikalen KritikerIn ohne Praxis und Nutzung des öffentlichen Interesses am G8 im Regelfall eine relativ isolierte ist und somit innerhalb des Spektrums, welches in Heiligendamm inclusive medialer Weltöffentlichkeit zu erwarten ist, auch kein Gehör und somit keinen Einfluss findet." (Fehler im Original) All diesen Überlegungen liegt eine gemeinsame Fehlannahme zu Grunde, die unmittelbar dem Selbstverständnis als „Bewegungsspektrum“ geschuldet ist: Politische Veräußerungsformen – von Transparenten, die zur Zerschlagung Israels aufrufen bis hin zum zum gemeinsamen Versuch, George W. Bush am Flughafen aufzulauern – sind nicht in sich geschlossenen Personenkreisen zuzuschreiben, die in abstrakter Trennung vom Rest der Bewegung agieren: Sie sind stattdessen Ausdruck einer latenten Bereitschaft, solcherlei Humbug von aktiver Duldung bis offener Befürwortung zu tragen. Sie sind Ausdruck eines die Gesamtheit aller Mitglieder umfassenden Verhältnisses, einer mehr oder minder offen ausgesprochenen Übereinstimmungen hinsichtlich bestimmter Aspekte, die der eigenen Logik als Bewegung gegen das äußerlich markierte Feindbild „G8“ – bzw. das was die kollektive Fantasie daraus zu machen pflegt – entspringt. Es sind Ausdrücke einer groß angelegten, in verschiedenster Qualität auftauchenden Projektion, die sich ihre äußeren Objekte reichlich willkürlich zusammensucht: „G8“, „Kapitalismus“, „George Bush“, „Israel“, „Sicherheitszone“ sind lediglich abstrakte Vorstellungen einer nicht einmal annähernd verstandenen Welt. Der Affront gegen sie ist keiner, der hie und da – „emanzipatorische Kräfte“ o.ä. – zu diskutieren wäre und an anderer Stelle – dort wo es dann „Schnittstellen zum Rechtsextremismus“ aufweist oder sonstwie „ins Reaktionäre abgleitet“ – nicht. Es sind beide gegeneinander ausgespielten Pole – "emanzipatorisch", wie "reaktionär" – zwei Seiten der selben Medaille. Es ist bereits die zu Grunde liegende, zutiefst emanzipationsfeindlichen Vorstellung einer durch das G8-Treffen verwalteten und gesteuerten Welt, die das ganze Desaster der Bewegung ausmacht. Die MAD Köln hat mit erstaunlichem Wohlwollen noch in jüngster Zeit in aller Ausführlichkeit in Erinnerung gerufen, dass eine solche Annahme der rationalen Grundlage entbehrt. Davon dürften auch die Teilhaber von „...ums Ganze!“ Wind bekommen haben. Trotzdem noch die These aufrecht zu erhalten, die Veranstaltungen rund um „G8“ eigneten sich zur „kritischen Intervention“ besser als die Loveparade, ist im besten Falle Realitätsverlust, im weitaus wahrscheinlicheren Falle der erste Schritt zur Hingabe an den globalisierungsfeindlichen Pöbel. Letzteres ist dann wohl auch der „Antifa[f]“ in einem ersten Vorgeschmack gelungen, als ihr Vertreter während der Oberhausener Podiumsdiskussion dafür plädierte dem Palästinasolidaritätsblock – dem Inbegriff einer Solidarität mit der islamistisch dominierten, palästinensischen Nationalbewegung also – doch per guter Zurede – „kritischem Dialog“, wie es wörtlich hieß – beizukommen. Solche Exzesse sind eben die Konsequenzen der völlig irrsinnigen Annahme, dass eine politische Bewegung sich ihrer abscheulichsten Erscheinungsformen schlicht und einfach entledigen könnte, da sie daran ja aus irgendwelchen Gründen angeblich grundsätzlich interessiert sein müsste. Diese Gründe – „eher progressive[r] Anspruch“, sagt eine gewisse „Mandy“ („Antifa[f]“ / „...ums Ganze!“ ) im „Phase 2“-Interview – seien z.B. ein „unbestimmter humanistischen, bzw. sozialdemokratischer Drang nach Verbesserung“ (Fehler im Original), als würden zutiefst humanistische und insbesondere sozialdemokratische Beweggründe nicht in aller Regelmäßigkeit Mord und Totschlag begleiten. Dieser Ansatz endet also dort, wo er auch direkt – und ganz ohne „wertkritische“ Verkleidung – hätte einsetzen können: im Versuch, der inneren und äußeren Ahnung der eigenen Ohnmacht durch Annäherung an die mächtigwirkende Bewegung beizukommen.



Das Ärgerliche an Gruppierungen wie „…ums Ganze!“ ist vor allem der Umstand, dass sie für alle ihnen vorgehaltene Kritikaspekte das nötige Instrumentarium aufweisen, das ihnen den Einblick in jene ermöglichen würde. Zu Beginn des Online-Interviews betont der Vertreter, es wäre insbesondere ärgerlich, dass die Forderungen der gegen den G8-Gipfel Protestierenden „eigentlich an die gestellt werden, die sie ja kritisieren, nämlich an die G8 selber, das heißt, es sollen härtere oder strengere Umweltstandarts beim Klimawandel eingesetzt werden, es soll kriegerische Intervention beendet werden oder die Entwicklungshilfe aufgestockt werden“[1]. Ihre Kritik daran wollen sie explizit als in der Tradition von Marx und der Kritischen Theorie verstanden wissen wollen. Unerläutert bleibt, warum ihnen der gegen Konstruktivität gerichtete Kritikbegriff an dieser Stelle so einsichtig bleibt und sie andernorts erklären, „eher so etwas [zu] versuchen, wie „in die Bewegung zu wirken““ („Alexandra“, „Phase2“-Interview, Anführungsstriche im Original) oder angesprochen auf die triviale Frage, warum sie denn den Anschluss während der Heiligendamm-Proteste suchen, zur Antwort geben: „Ja, weil man als linksradikale Gruppe äußert man ja nicht Kritik, weil man denkt, es ändert sich sowieso nichts, also wenn man davon ausgeht, dass ändert sich nichts, dann braucht man auch gar nichts kritisieren, weil im Akt der Kritik unterstellt man ja dem Gegenstand, den man kritisiert, es könnte auch anders sein“ („…ums Ganze!“, Online-Interview). Es wird an dieser Stelle, auf Grundlage der der Realität widersprechenden Annahme, den „wahnsinnig großen Haufen Leute, die nach Heiligendamm fahren“ müsste es a priori unheimlich interessieren, was die Linksaktivisten so übers „Ganze“ zu erzählen haben, weil sie ja wüssten, dass „hier was verkehrt läuft“ („Alexandra“, „Phase 2“-Interview), der Kritikbegriff relativiert, um seinen kritischen Stachel der Realität von Politik und Massenökonomie zu opfern. Nur darum behauptet der Vertreter von „…ums Ganze!“, Kritik – die selbstredend nicht in Großdemonstrationen, sondern im Zweifelsfalle wohl eher bei Alex Feuerherdt zuhause anzutreffen ist, um einen Streitpunkt der Oberhausener Diskussion noch einmal aufzuwühlen – würde nicht unterstellen, dass ihr Gegenstand aus der Welt geräumt sein könnte, sondern dies sei nur dann denkbar, wenn man face-to-face mit dem Gegenstand konfrontiert, vielmehr: in ihn involviert sei.



Zugespitzt könnte man sagen, sind die für die Erfassung des geschilderten Umstandes nicht einmal Denkfiguren vonnöten, die der Antifa neueren Zuschnitts nicht schon begegnet seien. Zum Standartargument jeder antifa’schen „Nationskritik“ gehört der für sich genommen nicht falsche, wenn auch unzureichende Hinweis, dass es die gesellschaftsübergreifende Annahme des „Deutsch-Seins“ des Neonazis ideologische Grundlage ist. Seine Konsequenz reicht den meisten Antifas dahin, der Nation „Adé“ zu sagen. Man stelle sich nun vor, eine Antifa-Demonstration von 500 Teilnehmern würde durch eine kleine Gruppe Deutschlandflaggentragender Jugendlicher begleitet oder einer 10-köpfigen Gruppe Autonomer Nationalisten, die ein Transparent mit der Aufschrift "Nationale Sozialisten gegen Faschismus!" bei sich trügen. Würde ein Teilhaber von „redical M“, „Antifa[f]“, o.ä. darüber diskutieren, was von solchen Demonstration, die dergleichen tragen würde, zu halten sei? Man stelle sich nun noch vor, es würden sich jahrjährlich auf der benannten Antifa-Demonstration die Kids mit Deutschlandflaggen und die Autonomen Nationalisten treffen und würden gemeinsam „gegen Faschismus“ demonstrieren. Es würde wohl niemand ein Bündnis gründen, das Blick „aufs Ganze“ einforderte und hinter dem Block der Autonomen Nationalisten einen antinationalen Block ins Leben riefe, was etwa so absurd wäre, wie die tatsächlich existenten Arbeitskreise zu Antisemitismus und Antiamerikanismus bei „attac“.



Obwohl es sicherlich angebracht wäre, „…ums Ganze!“ noch auf anderen Ebenen Widersprüche nachzuweisen, möchte ich mein Kritikpapier an dieser Stelle abbrechen und noch einmal den Hinweis wiederholen, dass eine Bündnisarbeit unter dem Namen und in den bisherigen Ausformungen als „…ums Ganze!“ keinerlei Zukunft für eine Entwicklung kritischer Begriffsbestimmung in „kommunistischer, also revolutionärer Absicht“ (misstakenidentity) haben kann. Obwohl schon absurd genug die Namensgebung, die dem falschen Ganzen mit einem seiner grundlegendsten Veräußerungen – sich lediglich in, der politischen Parole sehr ähnlichen, Fragmenten darzustellen und auf diesem Wege kohärente Kritik zu lähmen – begegnen möchte, ist auch der wie auch immer ursprünglich intendierte Versuch, Erkenntnisse der jüngsten Debatten um Staat und Kapital bewegungspolitisch neu zu formulieren, auf inhaltlicher Ebene gnadenlos gescheitert. Alles, was die „Antifa[f]“, „…ums Ganze!“, „redical M“ und wie sie alle heißen nun noch versuchen könnten, würde sie nur tiefer in den selbstverschuldeten Schlamassel hinein treiben. Ich stelle also „…ums Ganze!“ hiermit die Entscheidungsmöglichkeit, dem Treiben in der von mir kritisierten Form ein Ende zu betreiben und die Restbestände von kritisch-dialektischem Denken zu neuen Wegen als individuelle Einzelpersonen oder assoziierte Gruppen zu nutzen. „…ums Ganze!“ hat seine Tage als diskutierbare politische Vereinigung hinter sich gelassen.




* Alle Zitate, soweit nicht anders gekennzeichnet, sind dem Reader „…ums Ganze! Smash capitalism. Fight the g8 summit.“ entnommen.



[1] Völlig ungeklärt bleibt an dieser Stelle auch die Frage, warum sie die Handlungsunfähigkeit der G8 erkennen, aber unter Heranziehung von Adornos Vorlesungszitaten „Leichenfledderei“ (Alex Feuerherdt) betreiben, die dem, was sie argumentativ darlegen wollen, völlig zuwiderläuft: „Nicht alles was nicht im kommunistischen Sinne emanzipatorisch ist, ist „quasi-automatisch“ reaktionär. Was die Frage nach der sozialen Frage angeht sind wir der Meinung, dass auch reformistische Distributionskämpfe geführt werden müssen. Auch radikale Kritik braucht Anknüpfungspunkte in gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen. Allerdings mit dem Wissen um ihre Beschränktheit und jenseits von idealisierendem Revolutionskitsch. Adorno hat das mal folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Es wäre eine schlechte und eine idealistische Abstraktheit, wenn man um der Struktur des Ganzen willen die Möglichkeit von Verbesserumgen im Rahmen der bestehenden Verhältnisse bagatellisieren oder gar negativ akzentuieren würde. ( … ) Ich würde sagen, dass gerade die gegenwärtigen gesellschaftlichen Strukturen so sehr den Charakter des verbauten haben, dass unter Umständen die armseligsten Eingriffe in die bestehende Realität eine viel größere, nämlich auch, ich möchte fast sagen, symbolische Bedeutung haben als ihnen an sich zukommt“. (Adorno, Einleitung in die Soziologie, 4. Vorlesung)“ („Mandy“, „Phase 2“-Interview, Fehler im Original) Gehen sie also nun doch davon aus, dass auf dem G8 politisch globale Güterverteilung diskutiert wird?

7.8.07 17:30

bisher 39 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(7.8.07 20:30)
langweilig - sowohl "ideengeschichtich" als auch "kritisch-dialektisch" (tolles wort). was war jetzt noch mal dein argument? gegen die unterstellte relativierung des "kritikbegriffes" bitte ich um eine ausweisung jenseits von 'nein, meine suppe schmeckt mir nicht.'


(7.8.07 21:00)
Ich habe verzweifelt nach deiner "Begründung" gesucht. Alles was ich fand waren >Behauptungen< wie z.B. "Sie sind Ausdruck eines die Gesamtheit aller Mitglieder umfassenden Verhältnisses, einer mehr oder minder offen ausgesprochenen Übereinstimmungen hinsichtlich bestimmter Aspekte, die der eigenen Logik als Bewegung gegen das äußerlich markierte Feindbild „G8“ – bzw. das was die kollektive Fantasie daraus zu machen pflegt – entspringt." Wer projeziert jetzt was auf wen?! Alle scheiße außer Mutti! Die Kritik am identifizierenden Denken solltest du noch mal bei Adorno nachlesen. Gleichsam könnte man argumentieren, jeder Inhalt deines Bloggs müsste verworfen werden, weil er notwendiger weise der Warenform immanent bliebe.
Deiner Meinung nach hätte man dem Pali-Soli-Block mit samt seiner linken Israelis gleich auf die Fresse hauen sollen, oder wie. Dafür bräucht man sich dann aber nicht so eine Mühe machen, im Adorno-Sprech den Anschein von Aufgeklärtheit zu suggerieren, wenn doch nur Quatsch bei raus kommt. Dann doch lieber die eigene Haltung gleich aufs Resentiment schieben, ohne eine rationale Erklärung darum zu basteln. Kommt immer besser!


antonia (7.8.07 21:07)
sehr klarer überzeugender artikel. werde auf unserem nächsten "ums Ganze" treffen für sofortige auflösung plädieren. und das hast alles nur du geschafft.
so, und nu geh ich all mein taschengeld dem kaufhof geben, denn da sind bald israel wochen. du auch?


Dissensprinzip / Website (7.8.07 22:06)
so, ich will hoffen, dass ich den beitrag insoweit aufgesplittert bekomme, dass mich die zeichenbegrenzung nicht irre macht.

an den namenslosen mitdiskutanten: es wäre recht hilfreich, würdest du irgendein pseudonym heranziehen, sodass die diskussion ein bisschen übersichtlicher bleibt.
betreffend deiner kritik: die relativierung des kritikbegriffes habe ich sogar anhand eines beispieles benannt, aber ich möchte gerne noch einmal nachdruck verleihen: im oft zitierten online-interview gibt der vertreter von "...ums ganze!" auf die frage antwort, warum sie sich an den protesten beteiligen würden, wenn sie eine so grundsätzliche kritik an der bewegung hätten. er attestierte ihr, den kritischen impuls auf den es ankäme nur in einer "eigentlich wirklich nur in einer ganz geringen qualität" ausgeprägt zu haben, schränkt aber unmittelbar danach ein: "...und das der kapitalismus sich ändert beziehungsweise abgeschafft wird, dazu braucht es halt nach wie vor gesellschaftliche mehrheiten und (da?) muss man natürlich auch, ja, die auseinandersetzung auf der straße suchen, weil wie soll sich die bewegung ändern, wenn da niemand hinkommt und so ne inhaltliche auseinandersetzung anschiebt oder anfordert." - anstatt also also die naheliegende konsequenz zu vollziehen, die bewegung dahingehend zu kritisieren, dass der kritische impuls gen null tendiert, nutzen sie sie als plattform und nehmen in kauf innerhalb einer großdemonstration zu laufen, die voll ist von sog. "reaktionären teilen der bewegung", opfern also das was sie gegen die bewegung vorzubringen hätten der aktiven teilnahme an ihr:


Dissensprinzip / Website (7.8.07 22:06)
"Als bedauerlich bezeichnete Brechtel, dass es in der Demonstration mehrere von einander isolierte linksradikale Blöcke gegeben habe. ‘Trotz der inhaltlichen Kritik, die wir u.a. an der Interventionistischen Linken üben, hätten wir uns einen solidarischen Ausdruck der radikalen Linken in Rostock gewünscht’, so Brechtel. Man sei aber weiterhin an einer produktiven Zusammenarbeit der emanzipatorischen Linken interessiert." (klick)

nun, wie man den nachweis führen soll, dass einige hunderte bei einer mc-donalds-blockade beteiligten durch ihre projektion zusammengekittet werden, weiß ich auch nicht, einen wesentlichen hinweis auf die beantwortung dieser frage gibt z.b. gerhard scheit:


Dissensprinzip / Website (7.8.07 22:07)
"Zu fragen wäre, worin oder wodurch Antisemitismus überhaupt beweisbar sein kann, schließlich handelt es sich hier nicht um eine mathematische Gleichung, sondern um eine pathische Projektion. (...) Allein darum, weil das Identifizieren selbst dem wahnhaften Bewußtsein entspringt, ist die Suche nach den Motiven immer mehr als eine detektivische Aktivität; als ideologiekritisches und zugleich psychoanalytisches Verfahren kann sie von einem spekulativen Moment nicht absehen – selbst dort, wo wirklich alles manifest geworden ist."

hinweise kann man trotzdem sammeln und da bietet sich z.b. der bericht zur oben benannten blockade an:

"Zwischenzeitlich war die Chefin der MC Donalds Filiale eingetroffen. Es ist die Dame mit dem eleganten Haarschnitt. Es wurde daraufhin beschlossen, dass jeder, der jetzt zu MC Dreck kam, seine Portion KOSTENLOS erhielt. Das muss man sich mal vortellen. Wir waren dort um gegen die Preispolitik, gegen die Tarifpolitik zu protestieren und die verschenken ihren Mist auch noch!!! Es ist schon echt frustrierend, wenn man sogar Studenten, wo man eigentlich annehmen müsste, dass sie sich zahlreich an den Protesten beteiligen, in den zweiten und dritten Reihen wieder trifft mit einem Burger in der Hand und unqualifizierte Bemerkungen von sich gebend. Wohlstandskinder!!!! Schade, dass denken einigen Leuten wahrscheinlich echt wehtun muss."


Dissensprinzip / Website (7.8.07 22:07)
überaus wahrscheinlich, letztendlich natürlich nicht zu beweisen, dass andere leute als "wohlstandskinder" zu denunzieren dem eigenen neid auf sie entspringt.

deine kritik an behaupteter mangelnder adorno-kenntnis weiß ich allerdings in dem zusammenhang nicht so recht einzuordnen. das man "gleichsam" argumentieren könnte, der weblog bliebe der warenform immanent - was zweifelsohne korrekt ist - spricht zwar als allerletztes dagegen, allgemeinaussagen über politische bewegungen der gegenwart zu machen, aber ich habe eh den eindruck, dass es dir weniger um inhalte geht sondern darum mir bösen pseudo-intellektualismus nachzuweisen.


Dissensprinzip / Website (7.8.07 22:09)
die frage, inwieweit es sinnvoll gewesen wäre, den pali-soli-block gesondert anzugreifen, erübrigt sich bei meiner ausgangsforderung glücklicherweise: denn ich habe schon ein problem damit, dass "man" überhaupt nach heiligendamm gefahren ist und "man" dann auch noch an der großdemonstration teilgenommen hat.

@antonia: himmel, du bist so ultratrotzig, dass du nicht einfach das machst, was ich auf meinem weblog fordere? ich hoffe mal, du sprichst nicht tatsächlich repräsentativ für "...ums ganze!", das wäre ja nur all zu traurig. wieso du aus mir allerdings sofort einen zionistenfreund zimmerst, weil dir das, was ich geschrieben habe, nicht passt, hätte ich ja dann schon gerne noch einmal erläutert.


das ausführliche beantworten von diskussionsbeiträgen ist leider derartig anstrengend, dass ich darüber nachdenken muss, in ausführlicheren artikeln zu antworten. verwiesen sei allerdings auf das ADF-board.


Dissensprinzip / Website (8.8.07 13:39)
meine liebe antonia, ich lasse mich garantiert nicht auf basis von unwissen von dämlichen arschlöchern als "nazi" titulieren, wenn es in meiner macht steht, dagegen etwas zu unternehmen: dein kommentar wurde gelöscht.


antonia (9.8.07 20:47)
ohhhh...


Morgenthau (9.8.07 23:13)
Ich denke dieses Stöhnen inkl. vorhergehender Nazivorwurf sind Ausdruck der generellen Argumentationarmut des "ums ganze" Bündnisses, wie ja auch die Unfähigkeit Phillips von der [f] bei der Podiumsdiskussion in Oberhausen ,konkret auf Nachfragen einzugehen und diese anstelledessen mit gewohnter Anitfaarroganz abzublocken, beweist.

Die Drohungen gegen den Kollegen "siggi" ihn mit der "linken Faust" zu verprügel manifestiert für mich nur das, was viele schon ausgeprochen haben; die linke sowie ihre vermeindlichen "Kritiker" des "ums ganze..." Bündisses sind endgültig gescheitert und haben sich spätestens durch die Diskussion in Oberhausen als Dialogspartner disqualifiziert.


Morgenthau (9.8.07 23:15)
Singular :"Die Drohung [...] manifestiert [...]


(13.8.07 14:51)
ey alder, deine posting funktion funktioniert nicht.


Dissensprinzip / Website (13.8.07 14:54)
das tut mir leid, wahrscheinlich liegts an der zeichenbegrenzung, mit der muss ich mich auch ständig herumplagen. ich habe bereits die betreiber von "myblog" kontaktiert, aber die können daran gegenwärtig auch nichts ändern. bleibt nur, die kommentare entweder aufzusplitten oder auf anderen wegen zu antworten.


h1 (13.8.07 14:55)
du hast in deinem beitrag ein beispiel für die angebliche relativierung des kritikbegriffes gebracht. wodurch sich dein kritischer kritikbegriff von so einem relativierenden kritikbegriff unterscheiden soll, hast du aber nicht darlegen können. offensichtlich kannst du nicht beantworten, was “kritik” (’der bann ist gebrochen’) auszeichnet. deshalb verweist du tautologisch auf dein beispiel - so beißt sich die katze in den schwanz.
eine etwas selbstreflektierte haltung würde erkennen, dass du genau das, was du der no-globalbewegung vorgewirfst, vor ca. 3,5 jahren noch selber vertreten hast - bevor ein theoretischer bildungsprozess eingesetzt hast. die frage, um die es hier eigentlich geht lautet: ist aufklärung möglich?
deine meinung ist, ohne dass sie hinreichend begründet wird: “im rahmen der g8-proteste, niemals.” die position von ums ganze ist: “in bestimmten grenzen, natürlich”.
und es geht sogar weiter: während du sagst, wann solle vor der dummheit kapitulieren und reaktionären spinnern das feld überlassen, sagt ums ganze: trotz aller widriger umstände, muss man die aufklärung verteidigen und den spinnern (auch) die straße streitig machen. aufklärung ist nicht nur möglich - sie ist vor allem notwendig.


h1 (13.8.07 14:56)
teil 2
tatsächlich kannst du garnicht begründen, warum du so ein schlaues kerlchen bist, jeder no-global activist aber ein aufklärungsresitenter judenhasser sein soll. oder anders gesagt, ihm oder ihr also nicht die selben lehrprozesse zugestanden werden sollen, wie dir selbst.
tatsächlich müsstest du dich dann mit ideologie als objektiven ausdruck verkehrter verhältnisse auseinander setzen. materialistische kritik muss ihren gesellschatlichen charakter ernst nehmen statt sie einfach einer bestimmten gruppe (der no-global bewegung) unterzuschieben. dieses dilemma gilt es zu erkennen: einerseits produziert der kapitalismus bestimmte denkformen und ideologien, anderseits bedarf es gerade eines aufbrechens dieser denkformen um den kapitalismus abschaffen zu können.


h1 (13.8.07 14:57)
sofern man dieses problem ernst nimmt, gilt es die wahl der mittel zu bewerten. also: wie und wo muss aufklärung und kritik einsetzen? ums ganze sagt, man sollte u.a.(!) die debatte um den g8 nutzen und auch vor ort - als kommunisten im marxschen sinne - die auseinadersetzung suchen. du hingegen, willst diese chance a priori ausschließen - aus gründen, die wahrscheinlich nur deinesgleichen plausibel sind. objektiv betrachtet hat ums ganze mit ihrer inhaltlich positionierung mehr leute erreicht, als dein blogg. selbst unter berücksichtigung, das quantität nicht gleich qualität ist, müssen die mittel von ums ganze in summe als effizienter in bezug auf ihren zweck (aufklärung) betrachtet werden, als z.B. dein blogg oder jede andere selbstreferentielle form von agitation, die sich ganz überwiegend auf die bezieht die es ‘eh schon wissen’ (preeching to the converted). siehe dagegen etwa auh das flugblatt von top berlin, das während der demo bzw. auf den camps mehrsprachig verteilt wurde: http://resourcepage.wordpress.com/2007/06/04/capitalism-is-no-conspiracy-and-the-hamas-is-not-the-rebel-alliance/#more-44
angesicht deines pseudo-kritischen im kern anti-aufklärerischen gehabes soll die lehrerhafte bemerkung entschuldigt sein: erst denken, dann kommunizieren. …und nie vergessen, der kopf ist rund damit die gedanken die richtung ändern können. ; )


Dissensprinzip / Website (13.8.07 16:22)
@h1: erstmal bedanke ich mich für deine überaus ausführliche betrachtung meines textes. ich werde versuchen, deinen kommentar möglichst ausführlich zu beantworten, werde aber mit blick auf die zeichenbegrenzung auf zitierung verzichten.

in so weit sind deine ausführungen richtig: ich bin nicht darum bemüht gewesen, in abgrenzung zum relativierten kritikbegriff von "...ums ganze!" einen zu entfalten, den ich dagegen in anschlag bringen würde. das ist ein versäumnis, denn ich kann nicht davon ausgehen, dass sich das bruchlos aus meinen ausführungen erschließt. unter kritik verstehe ich gemeinhin, das in begriffe zu fassen, was abgeschafft gehört. eine kritik der antiglobalisierungsbewegung wäre also nicht eine kritik an teilaspekten sondern eine an ihr als ganzes. kritik möchte nicht - wie es die rechtfertigungsversuche von "...ums ganze!" suggerieren - dem gegenstand allerhand zugeständnisse machen, möchte ihm nicht die ehre des tanzes geben, sondern sie möchte ihn restlos aus dem weg räumen weil sie in ihm eine gefahr für ihre eigenen belange erblickt. "...ums ganze!" & co aber suchen den anschluss zum gegenstand, sie versuchen in ihm herumzuwirken und nehmen dafür in kauf, z.b. über antisemitismus im block vor ihnen einfach hinwegzusehen.


Dissensprinzip / Website (13.8.07 16:22)
woher deine informationen darüber kommen, was ich vor 3,5 jahren gedacht haben soll, sei mal dahingestellt, so viel aber kann ich verraten: die polemiken der antideutschen habe ich in internetforen beobachtet, als ihren gegenstand habe ich meine eigenen vorstellungen erkannt, meine rückschlüsse habe ich selber gezogen: ich habe nicht innerhalb von irgendwelchen antiglobalisierungsdemonstrationen in einen block mit mäßig abgeänderten fronttransparenten gewechselt. ich bin dadurch als denkendes subjekt ernst genommen worden, anstatt mit "marketing" und viel fetziger musik von irgendwelchen neuen parolen überzeugt worden. das wäre im übrigen auch die aufgabe von aufklärung, die komischerweise immer und immer wieder mit sozialpädagogischem zuschwätzen verwechselt wird.

zu der frage, ob den "reaktionären spinnern" die "straße" "überlassen" wird: die "reaktionären spinner" veranstalten regelmäßig DGB-kundgebunden, sie treffen sich zum gemeinsamen herumgeplärre beim WM-halbfinale, sie besuchen die loveparade: da hat sich "...ums ganze!" bisher wenig bemüht, die "straße" streitig zu machen. wenn also "...ums ganze!" mit irgendwelchen allgemeinplätzen von zu verteidigender aufklärung und irgendwelchen "straßen", um die es zu streiten(!) gilt, argumentiert, dann sollten sie doch wenigstens in der lage sein, zu beantworten, warum das bei stinkreaktionären protesten wie den anti-g8-veranstaltungen mehr vonnöten sein soll als bei jedem x-beliebigen dorf-fest in ostdeutschland. ganz abgesehen davon: sie haben doch gar niemandem die straße streitig gemacht sondern sie im mit beschritten.


Dissensprinzip / Website (13.8.07 16:22)
betreffend deines teils 2: wo steht denn, dass jeder globalisierungsgegner ein aufklärungsresistenter judenhasser sei? ich behaupte, dass die antiglobalisierungsbewegung ALS antiglobalisierungsbewegung aufklärungsresistent - und nebenher bemerkt auch unheilbar amerikafeindlich und sozialdemokratisch ist - ist, nicht, dass ihre einzelnen teilnehmer nicht mehr oder weniger der aufklärung zugänglich sind. dazu sollte man sie allerdings als individuen ansprechen und zwar völlig losgelöst von ihrem kontext, teil einer politischen bewegung zu sein. "...ums ganze!" ist aber das ansprechen von denkenden subjekten zu doof, weil sich dafür eben beiweitem schlechter 3000 menschen motivieren lassen.

im übrigen kritisiere ich die antiglobalisierungsbewegung nicht dahingehend, dass sie als einzige antisemitismus und amerikafeindlichkeit vorantragen, sondern ich kritisiere den sachverhalt, dass manche leute sie der kritik zugänglicher als z.b. die leserschaft der bild-zeitung fantasieren, obwohl beide zielgruppen gleichermaßen gegen amerikanischen kapitalismus und umweltzerstörung aufmukken.

wenn du mir aber vorwirfst, dass ich die auseinandersetzung mit g8-gegnern auf ihrem terrain nicht suche, muss ich darauf das gleiche antworten, was ich sagen würde, wenn man mich fragen würde, warum ich mich nicht von der bild-zeitung interviewen lasse: ich halte es für verlorene zeit, denn die bild-zeitungsleserschaft kann man nur von außen kritisieren oder gar nicht. warum du und "...ums ganze!" es für "aufklärerisch" und "kritisch" halten, stattdessen lieber der form nach auf bildzeitungsniveau zu diskutieren, verstehe ich wiederum nicht ganz. dass ich lieber mit 3, 4 leuten auf meinem weblog diskutiere, anstatt mit 2800 bildzeitungsaktivisten um ein vermeintliches symbol der kapitalistisch verfassten welt zu hüpfen, ist demgegenüber recht einsichtig, wie ich finde.


h1 (14.8.07 19:17)
deine mühe in aller ehren, leider schiffst du 1) um die eigentlichen problemstellen herum und arbeitetest 2) mit unzulänglichen unterstellen. wenn ich das richtig betrachte, haben die mittel von ums ganze von verfassen von texten (dein kommentar: "bildzeitungs niveau" - wer im glashaus sitzt...), über theoretische veranstaltung (dito) bishin zu demonstration gereicht. die eigene politisierung - 'kommunist werden' - ist das ergebniss komplexer psycho-sozialer mechanismen und nicht rein rational natur. wer das behauptet lügt sich selber was vor. von nicht ganz unwichtiger bedeutung dürfte das sein, was freud als unbehagen bezeichnet hat.


h1 (14.8.07 19:31)
eine grund für die geforderte selbst-exekution der aufklärung jenseits von 'individuelle ansprachen = gut', 'kollektive ansprachen = schlecht' hast du nicht angeben können. sollte man diese position ernst nehmen, hätte sich marx wahrscheinlich ernst garnicht um einen rennomierten verleger fürs 'kapital' bemühen müssen. wäre er so einem hippie-kram gefolgt, hätte er wohl eher yoga-seminare abgehalten. warum aufklärung im kontext der g8 mobilisierung unmöglich sein soll, diese frage kannst leider nicht beantworten. tatsächlich, ist dein geschreibsel sogar der kontrafaktische beweis dafür. wenn du dein genörgel - entschuldige, kritik ist etwas anderes - auf einem workshop auf einem camp präsentiert hättest, wäre es dadurch nicht gleich reaktionär oder "relativierend" geworden.


h1 (14.8.07 19:40)
dass ich die inhaltliche bestimmungen von ums ganze äußerst erfrischend und gelungen finde (deine meinung: antifa-jugendaufruf), baruche ich hier nicht erst darzulegen. die von dir scheinbar vorgebrachten "widersprüche" sind nicht ums ganze anzulasten, sondern dem gesellschaftlichen zustand. das worauf deine kritik angeblich zielt ("was abgeschafft gehört"), der kapitalismus ist tatsächlich ohne die produzierenden des gesellschaftlichen reichtum ('proletariat') abzuschaffen. der billige verweis auf die bildzeitung entlarvt also nicht ums ganze, sondern verweist auf das tatsächliche problem (ohne 'masse' keine revolution).


h1 (14.8.07 20:03)
nicht(!) abzuschaffen, natürlich. wenn du zugestehst, dass dieses problem real ist, dann geht es nicht mehr im kern um kritische kritik und relativierende kritik, sondern um strategie bzw. die vermittlung von erkenntnis. tatsächlich ist deine verwendung des kritikbegriffes unzulänglich, weil diese versucht, seine beiden dimensionen gegeneinander auszuspielen. die erste dimension zielt auf gesellschaftliche erkenntnis ('wahrheit'), die zweite dimension auf die eingreifende negation ('gesellschaftlicher kampf'). marxsche kritik begnügt sich nicht mit sich selbst, sie ist keine l'art pour l'art, sondern will das falsche ganze tatsächlich abschaffen, ihr geht es ganz real um das "praktisch werden". ich denke ich brauche die berühmte feuerbach-these nicht erst zu zitieren. deine verwendung hingegen entspreche eher einer kommentierung, die sich selbst zum zweck hat - oder das sozialprestige seines subjektes. sie ist im schlechten sinne sinnstiftend als reiner hyper-moralismus einer ausgewählten gemeinde.


Dissensprinzip / Website (14.8.07 20:41)
wo bitte liegt das problem?

du sagst:
1.) mein kritikbegriff bleibt undurchsichtig.

2.) würde ich einen blick auf meinen eigenen politischen werdegang blicken, müsste ich einsehen, dass "...ums ganze!" recht damit behält, dass aufklärung vor ort geleistet werden müsste.

3.) "reaktionären spinnern" sollte man nicht die straße überlassen.

4.) "materialistische kritik muss ihren gesellschatlichen charakter ernst nehmen statt sie einfach einer bestimmten gruppe (der no-global bewegung) unterzuschieben."

5.) du wiederholst vorangegangene punkte in verschiedener formulierung.

ich sage:

1.) da hast du recht, das ist ein versäumnis gewesen, das habe ich jetzt nachgeholt.

2.) du hast falsche vorstellungen von meinem "werdegang" und sinnvoller wird die praxis von "...ums ganze!" mit blick darauf nicht.

3.) ich formuliere als gegenfrage, warum "reaktionäre spinner" nur dann interessieren, wenn sie ihren reaktionären schund als kapitalkritik verpacken und sonst nicht, zumal sie doch hinter den reaktionären spinnern hergedackelt sind.

4.) ich habe dargelegt, dass ich das nicht tue, sondern die antiglobalisierungsbewegung als EINE von zahlreichen gesellschaftlichen bewegungen kritisiere, die mit emanzipativem bestreben einen fliegendreck zu tuen haben und schließe an, dass aufklärung nicht AN IHR sondern GEGEN SIE geschehen muss, dass ihr darin allerdings auch kein vorrang gebührt vor anderen gesellschaftlichen kreisen (bild-zeitungs-leserschaft, loveparade, ...), die zerschlagen gehören, wenn die in ihr befangenen individuen zu emanzipation zu bewegen seien sollen.

5.) ich fange auch schon damit an und das ist nicht gut.


Dissensprinzip / Website (14.8.07 20:42)
ansonsten bleibt mir recht undurchsichtig, welchen erkenntnisgewinn du darin siehst, "kommunist-werden" als "ergebnis komplexer psycho-sozialer" zu verklären. zur erinnerung: kritik der verhältnisse geht es darum, die verhältnisse zu beseitigen und nicht um ganz viele leute die "kommunist geworden" sind. an diesem sachverhalt ändern freud- und marx-verhackstückelungen auch nichts.

im übrigen missverstehst du meine grundlegende these, was eng damit zusammenhängt, dass du meine antworten nur recht oberflächlich zu lesen scheinst. ich behaupte nicht, dass aufklärung im kontext dieses ganzen anti-g8-mists unmöglich sei, sondern ich behaupte, dass es dort kein bisschen besser, tendenziell wohl eher schlechter - eben weil die antiglobalisierungsbewegung im gegensatz z.b. zur loveparade weitaus mehr kohärenten politischen antiamerikanismus, sozialdemokratischen und völkischen nationalismus, ... beherbergt - als anderswo geht. weil du diese ausgangsthese nicht fasst, stellst du auch die untergeordnete frage falsch und zu allem überfluss auch noch an der falschen person: du solltest nicht mich fragen, warum ich angeblich aufklärung während g8-veranstaltungen für unmöglich halte (wenn du darunter das ingangsetzen von "komplexe[n] psycho-soziale[n] mechanismen" verstehst, wäre ich allerdings bereit diesen vorwurf auf mich zu nehmen), sondern dich selbst resp. "...ums ganze!" fragen, warum sie denn die auseinandersetzung beim G8 suchen und nicht bei anderen großveranstaltungen wie z.b. der loveparade, wo immerhin nicht damit zu rechnen ist, dass sie hinter handfesten zum demonstrationsblock gemauserten antisemiten herlaufen zur verbreitung dessen, was sie "aufklärung" nennen.


Dissensprinzip / Website (14.8.07 20:42)
im übrigen glaube ich sehr wohl, dass meine kritik dadurch relativiert würde, dass ich sie auf irgendeinem antifa-camp vortrage, weil ich meine zustimmung bzw. ablehnung höchstwahrscheinlich nicht aufgrund von einsicht bekäme sondern auf basis von einem linken selbstverständnis, will heißen: politischer gesinnung anstelle von unreglementierter fähigkeit zu kritik.

langsam aber sicher kommen wir immerhin den grundlegenden fehlannahmen deines kritikbegriffes auf den grund: kritik der verhältnisse besteht gerade nicht darin, "wahrheit", "gesellschaftliches sein", "tatsächliche begebenheit" irgendwie hinter sich davorschiebender ideologie hervorzulocken. "fetischisierte produktion" (adorno) meint nicht, dass in der realität des kapitals tatsächlich die sphären von sein und bewusstsein auseinandertreten würden, sondern dass sie gleichermaßen bestimmungsmomente des gesellschaftlichen ganzen sind. insofern ist die auseinanderstückelung von erkenntnis hie und praxis dort bereits teil der ideologie. erkenntnis ohne inneres treiben zur praxis ist überhaupt nicht denkbar. "vermittlung von erkenntnis" ist natürlich das genaue gegenteil unreglementierter erfahrung: anstatt das subjekt erfahren zu lassen, soll vermittelt durch andere subjekte erfahren werden, wodurch das subjekt zum objekt der politischen gängelung wird: "vermittlung von erkenntnis" ist nichts anderes als propaganda, der sich daran anschließende aufruf zur "eingreifenden negation" nichts weiter als aufruf zum amoklauf entsubjektivierter subjekte. durch die politische führung vermittelt erkennende subjekte, aufgestachelt durch abstumpfende technomusik in die "eingreifende negation" zu schicken kann man bei den anti-g8-veranstaltungen natürlich bestens, man sollte sich bloß nicht wundern, wenn sie dann "a-, anti-, anticapitalista"-schreiend bankscheiben einschmeißen und autos in brand setzen.


h1 (15.8.07 20:32)
"vermittlung von erkenntnis ist nichts anderes als propaganda"? hattest du nicht du nicht vorgetragen, kritik sei in begriffe zu fassen, was abgeschafft behört? was soll denn bitte "in begriffe fassen", anderes sein als die sprachliche vermittlung von erkenntnis. tatsächlich kann ein rationaler diskurs nur sprachlich vermittelt stattfinden. wir können nicht durch gedanken kommunizieren (das kann man von luhmann lernen). erfahrung ist darüberhinaus nie 'unmittelbar' oder 'unvermittelt' möglich. denn das erkenntnissubjekt schwebt nicht wie bei descartes über den dingen, sondern das erkenntnissubjekt ist selber teil der sozialen welt, die es betrachtet.
was bereits für die naturwissenschaftliche erkenntnis gilt (die sonne geht im meer unter), trifft umso mehr auf die erkenntnis sozialer tatsachen zu: wesen und erscheinung fallen auseinander. deshalb ist theorie ist notwendiges organ gesellschaftlicher erkenntnis. "die rücksichtslose aufklärung darüber, was ist" kann ohne das ideal von wahrheit garnicht auskommen. weil absolute wahheit nicht erreicht werden kann, geht es um die adäquanz von erkenntnis zum erkenntnisobjekt unter gegebenen umständen.


Dissensprinzip / Website (15.8.07 21:05)
kritik als begriffliche fassung dessen, was überwunden gehört ist aber vermittlung von erkanntem und nicht von erkenntnis. erkenntnis die durch andere subjekte geschehen soll, ist überhaupt keine, sondern nachgeschwätze, politische parole, leitsatz.

dass erkenntnis nie unvermittelt stattfindet, ist selbstverständlich korrekt, aber in ganz anderen zusammenhängen relevant, z.b. dem, dass wahrnehmung, erfahrung und bewusstsein durch gesellschaftlichkeit (wissenschaft, rassismus, ...) bestimmt werden - worin aber der erkenntnisprozess nicht aufgeht, was also die forderung nach "vermittlung von erkenntnis" weiterhin absurd bleiben lässt. die beinahe restlose vergesellschaftung des geistes ist ein skandal, den es anzuprangern gilt und nichts, was man für emanzipative bestreben nutzbar machen kann.

dass du so guten gewissens die analogie zur naturwissenschaft ziehst, lässt allerdings vermuten, dass dir der gesellschaftszusammenhang eh schon in so weit zur "zweiten natur" (marx/adorno) geworden ist, dass du ihn lediglich als objekt der analyse, nicht aber als von verdinglichung zu befreiendes denkst. kritische theorie hat zur aufgabe, das ineinander von wesen und erscheinung zu begreifen und ihre katastrophalen folgen für mensch und tier offenzulegen. du kannst dich auf den kopf stellen, aber du wirst kein bösartiges wesen hinter der gutscheinenden fassade entdecken, die es abzureißen gilt. du bist all zu tief in den vorstellungen eines ziemlich platten ML-materialismus befangen, dem die widersprüche zwischen basis und überbau, wesen und erscheinung, ökonomie und politik, objektiver wahrheit und ideologie verlaufen. mit materialistischer erkenntnis- und gesellschaftskritik hat das reichlich wenig zu tun, denn ihr geht es darum wahrheit als versöhnten zustand von mensch und mensch denkbar zu machen und nicht um eine wissenschaftliche offenlegung von vermeintlich unter der oberfläche verlaufender wahrheit. (und deswegen lernt man bei luhmann ohne irgendetwas zu begreifen)


h1 (15.8.07 21:29)
'das hervorlocken von wahrheit hinter ideologie' habe ich nirgends in dieser form so dargestellt und ist eine deiner typischen unterstellungen mit denen du einen pappkamaraden aufbauen willst, um ihn dann zu erlegen. wenn du möchtest können wir auch gerne über 'ideologie' und 'fetischismus' diskutieren - die einladung nehme ich gerne an - ich bezweifele allerdings, dass dies uns hier irgendwie an ein ziel führt. deshalb musst du hier auch nicht die ganzen gruppen aufzählen, die du abschaffen willst. mir würde reichen, wenn du die frage beantworten würdest, woher die menschen kommen sollen die a) an den kapitalismus abschaffen sollen, aber b) von ihm und seinen denkformen unbefleckt sind? vielleicht kommt die hilfe ja from outa space...
denn dein postulat "dass aufklärung nicht AN IHR sondern GEGEN SIE geschehen muss", ließe sich beliebig für alle anderen sozialen gruppen fortsetzen. es ist ganzlich beliebig und kann keinerlei maßstäbe ausweisen bzw. auswege anzeigen. es ist ausdruck eines reinen politischen indifferentismus, der das was er auf die anderen projeziert, bei sich ständig verdrängt. entsprechend deiner gegenfrage unter punkt 4) interessieren mich die ganzen spinnern nicht mehr als die falschen verhältnissen, deren ausdruck sie sind - beide bilden eine antinomische einheit.


h1 (15.8.07 21:52)
erkenntnis, pl. erkenntnisse = summe des erkannten. du neunmalkluger meinst "erkennen", dass ist allerdings nur als individum möglich, bzw. kennzeichnet den einzelnen vorgang. während du mit deiner dummheit hausieren gehst, werde ich jetzt erstmal mich meiner 2.natur (hegel/lukács)mich zu wenden, vielleicht auch noch meiner ersten. p.s.: ach ja der ML... selten so gelacht na dann noch viel spass im internet.


Dissensprinzip / Website (15.8.07 22:29)
widerum ein missverständnis: ich möchte nicht "ideologie" und "fetischismus" mit dir "diskutieren" - ich lade dich dazu auch nicht ein - sondern ich denunziere dich darin, dass du den objektiven fetischismus nicht nur nicht erkennst, sondern ihn höchst freiwillig vollziehst: wenn du z.b. die aufgabe von kritik mit dem wissenschaftsbetrieb vergleichst, anstelle letzteren als absolute adäquate form von unter dem kapital geborener erkenntnis zu begreifen. ich "möchte" dir aber gerne deine fragen beantworten:

a.) garantiert nicht aus der anti-g8-bewegung.

b.) mal abgesehen davon, dass ich nicht davon gesprochen habe, dass irgendwer durch denkformen "befleckt" - was immer das heißen soll - wird: einer der zwischenräume, dem der vergesellschaftete geist dem individuum noch lässt, ist z.b. das kleine stückchen erfahrungs- und erkenntnismöglichkeit, das prinzipiell jedem offen steht und wenn irgendwer die emanzipation der menschheit in die hände nimmt, dann sind es assoziierte individuen, die diesen kleinen freiraum genutzt haben.

und - richtig - kritik gilt tatsächlich jeder form repressiver vergemeinschaftung: von wehrsportgruppe, über bildzeitungsgemeinde, harry-potter-fans, CSD-besucher, tennisverein bis hin zur anti-g8-bewegung. welche maßstäbe dafür entscheidend sollen und was es von willkür unterscheidet, eine dieser gruppen mit mehr "intervention" zu beglücken als die andere, hast du mir bisher nicht erklären können, und darauf bestehe ich jetzt einfach mal, bevor ich mich mit etwas merkwürdigen vorwurf aussetze, es wäre meinerseits willkürlich, wenn ich individuuen unabhängig ihrer sozialen gruppenzugehörigkeit zum ziel von aufklärung in revolutionärer absicht erkläre.

p.s. erkenntnis = vorgang des erkennens und ergebnis des vorgangs des erkennens - kann sich weiterhin nicht durch andere subjekte sondern bloß im je einzelnen vollziehen. ist rein begrifflich ohne den prozess des erkennens nicht zu haben.


Dissensprinzip / Website (15.8.07 22:31)
nun, dein vorwurf, ich würde meine inhaltliche argumentation, die du "dummheit" nennst, weil du sie nicht argumentativ aus dem weg zu räumen in der lage bist, von haus zu haus tragen, ist wohl das paradebeispiel einer projektion: die antifa[f] resp. "...ums ganze!" betonen, ihre politische arbeit sei "marketing", das bewerben feilgebotener meinungsware also, die sie dem mäßig interessierten publikum - hausierend, wenn du so willst - auf den anti-g8-prozessen hinterherträgt. weil du anscheinend ahnst, dass da ohnmächtigkeit par excellence kapitaladäquat aufgebläht wird, muss ich - der ich jedem freistelle, meinen weblog zu lesen oder es zu lassen - natürlich als das feindbild par excellence erscheinen: aufs individuum konzentriert, nicht massenkonform, spielverderberisch bzw. mit deinen eigenen worten: neumalklug. nunja, antiintellektualismus hat seine tradition unter angehenden stalinisten, womit dann auch zumindest deine person die von mir prognostizierte "sukzessive sich vollziehende Annäherung an die Bewegung" einen weiteren schritt nach vorne getragen haben dürfte. und weil wir gerade die ebene inhaltlicher auseinandersetzung verlassen haben und du dich offenbar ganz schrecklich von autoritär klingenden namen beeindrucken lässt, habe ich für dich noch eine weise beobachtung vom großen meister, die nahezu zauberhaft auf deine reaktion gemünzt scheint:


Dissensprinzip / Website (15.8.07 22:32)
"Heute, da die Position des Gegners und seine Verfügung übers Bewußtsein der Massen unendlich verstärkt sind, gilt der Versuch, durch Kündigung des Einverständnisses dies Bewußtsein jäh zu verändern, für reaktionär. Jeder macht sich verdächtig, der mit der Kritik am Kapitalismus die am Proletariat verbindet, das mehr und mehr die kapitalistischen Entwicklungstendenzen selber bloß reflektiert. Über die Klassengrenzen hinweg ist das negative Element des Gedankens verpönt. Die Weisheit des Kaisers Wilhelm, »Schwarzseher dulde ich nicht«, ist in die Reihen derer eingedrungen, die er zerschmettern wollte.

[...]

Je weiter jedoch die rationale Erwartung entschwindet, daß das Verhängnis der Gesellschaft wirklich gewendet werde, um so ehrfürchtiger beten sie dafür die alten Namen: Masse, Solidarität, Partei, Klassenkampf her. Während kein Gedanke aus der Kritik der politischen Ökonomie bei den Anhängern der linken Plattform mehr feststeht; während ihre Zeitungen ahnungslos täglich Thesen ausposaunen, die allen Revisionismus übertrumpfen, aber gar nichts bedeuten und morgen auf Abruf durch die umgekehrten ersetzt werden können, zeigen die Ohren der Linientreuen musikalische Schärfe, sobald es sich um die leiseste Respektlosigkeit gegen die der Theorie entäußerten Parolen handelt.

[...]

Der linke Optimismus wiederholt den tückischen bürgerlichen Aberglauben, man solle den Teufel nicht an die Wand malen, sondern sich ans Positive halten. »Dem Herrn gefällt die Welt nicht? Dann muß er sich eine bessere suchen« - das ist die Umgangssprache des sozialistischen Realismus."


h1 (15.8.07 23:31)
so, die erste natur ist ein stück weit versöhnt worden. den rest libidöser energie versprühe ich bei deinem theaterstadl: "erkenntnis die durch andere subjekte geschehen soll, ist überhaupt keine, sondern nachgeschwätze, politische parole, leitsatz." wie war das noch mal mit dem nachgeschwätze, der individuellen erfahrung und der dialektikt der aufklärung im sparformat? soll man dich jetzt ernst nehmen oder ist das wieder diese verflixte dialektik: 'nachschwätzen und gleichzeitig nicht nachschwätzen.' dann auch noch so was ('vom meister'), die "position des gegners"... mir scheint fast hier liegt personalisierende kapitalismuskritik vor. fehlt ja nur noch, dass die g8 angeschwärzt werden. der gute teddy hat es wirklich nicht verdient, von dir für jeden humbug in anschlag gebracht zu werden. toll aber, dass du dich mal wieder selbst vorführst. sonst könnte es ja öde werden. vor allem dieses sich selbst zum opfer von antiintellektualismus stilisieren, hat mir besonders gut gefallen. das steht deinem 'lesen aus dem kaffeesatz', dass du sonst betreibst um dein halbwissen zu präsentieren, in nichts nahe. einfach klasse, bravissimo.


Dissensprinzip / Website (15.8.07 23:39)
sage mal, woher nimmst du eigentlich bei deiner bisher an den tag gelegten unfähigkeit, überhaupt irgendein sachliches argument zu formulieren bzw. zu erfassen, die selbstüberzeugung, hier noch solch große sprüche zu reißen?


h1 (15.8.07 23:44)
ein letzte anmerkung: charakterliche unzulänglichkeiten sollten nicht als gesellschaftskritik ausgewiesen werden.

jetzt aber zurück zur stalinlektüre und vielleicht noch ein paar verse vom vorsitzenden mao.


Dissensprinzip / Website (15.8.07 23:47)
"Wir chinesischen Kommunisten, deren Ausgangspunkt die höchsten Interessen der breitesten Volksmassen Chinas sind, glauben an die absolute Gerechtigkeit unserer Sache. ... Können wir da noch gutheißen, ... daß irgendwelche politische Mikroben unseren gesunden Körper anfressen?"

Mao Tse-Tung, "Über die Koalitionsregierung", April 1945


h1 (15.8.07 23:51)
allerletzte anmerkung: hallo, nicht gleich beleidigt sein. die seite heist kritik & polemik(!). p-o-l-e-m-i-k. hab ich mir doch nicht ausgedacht. das ist hier konzept. solltest vielleicht eher zu 'konsens & höflichkeit' rübermachen. vielleicht ist auch im jürgen habermas chat noch was frei, aber vorsicht: hier sind echte individualisten gefragt (keine fakes). kommunikatives handeln und herrschaftsfreier diskurs bis zum abwinken. schaffts du schon. tschüssssss

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