Aufruf zur nicht stattgefundenen Veranstaltung in Krefeld

Hier nun der angekündigte Aufruf der ADK Niederrhein/Ruhrgebiet gegen die Massenmobilisierungen in Krefeld.

 

Krefeld, halt’s Maul – Gegen deutsches Aufbegehren!

Es ist beste Stimmung in Krefeld, denn am 21.07.07 ist Demo-Tag. Die lokale NPD wird zum bereits zweiten Mal das Kaff am Niederrhein mit einem Aufmarsch beehren. Dessen Inhalte („Wir sagen Nein zu Innländerfeindlichkeit durch Medien und die herrschende Politik.“ [Fehler im Original]) entziehen sich zwar gekonnt jeder ernsthaften Betrachtung, aber mehr oder weniger inhaltslose, nationalsozialistische Demonstrationen bewegen bundesweit in aller Regelmäßigkeit einige Hunderte, häufig auch Tausende Aktivbürger zu Gegenveranstaltungen auf die Straße. Es bilden sich parteiübergreifende Bündnisse, die Lokalpresse formuliert den einen oder anderen weinerlichen Artikel und schlussendlich finden sich alle zusammen und „setzen ein Zeichen“ – wie es ihm Jargon des neudeutschen Selbstverständnisses heißt. Krefeld ist in dieser Hinsicht kein Ausnahmefall, ganz im Gegenteil, die erste Nazi-Veranstaltung im Februar brachte knapp 3500 Menschen zu einer Gegendemonstration auf die Straße.

Neue, deutsche Selbstherrlichkeit…

Einen „Feldzug gegen Inländerdiskriminisierung“ hat sich die NPD auf ihre Fahnen geschrieben, denn „antideutsche Zustände“ drohen – so die Wahnvorstellung – der knapp 240 000 Einwohner zählenden Stadt. Einen „Feldzug gegen Inländerdiskriminisierung“ hat allerdings auch das regionale Bündnis gegen den Nazi-Aufmarsch vor Augen, nur verschiebt sich in ihrer Wahrnehmung das herbeihalluzinierte Subjekt dieser sog. Diskriminierung. Auch die tapferen Antifaschisten umtreibt die Sorge, irgendwer könnte ihnen die Identität streitig machen, denn um nationale Identität – und nichts anderes – wird es in den beiden um den 21.07. konkurrierenden Veranstaltungen gehen. Werden erstere – NPD, Kameradschaften, etc. – ohne irgendwelche Abstriche gegen Ausländer, Obdachlose, Drogenabhängige, Homosexuelle und andere den „antideutschen Zuständen“ zu verdankende Volksschädlinge mobil machen, ist dies bei letzteren – Ortsverbände von DKP bis CDU, von den Grünen bis zu den Falken – auf unbestimmte Zeit vertagt. Ihnen wird es genügen, diesen Tag zur national-antifaschistischen Selbstbeweihräucherung zu nutzen. Dieser Antifaschismus deutschnationaler Einfärbung hat mit den Opfern faschistischer Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart nichts zu tun. Die Aufmerksamkeit gilt nicht, wie es die Vernunft gebieten würde, den Opfern der Aggression, sondern sie gilt den sich aus den Einzelfällen ergebenden Folgen für Demokratie, Zusammenhalt, Gemeinschaft. Im bzgl. des Abstraktum „Nazi“ Anwendung findenden Gedankengebäude – „wir gegen die“ – weiß sich auf eine ziemlich paradoxe Art und Weise das nationalistische Grundmotiv zu erhalten: Eine nach innen homogenisierte, politisch und kulturell gestärkte Gemeinschaft wird vorgestellt als Garant für den störungsfreien Verlauf des Miteinanders. Durchs Parteiprogramm gesetzte, durch individuelle Interessen hervorgerufene, oder sonst wie geartete Widersprüche verschwinden stillschweigend im Affront gegen den gemeinsamen Feind – „Deutschland ist besser dran ohne Nazis!“ bringt es eines der im Februar mitgeführten Plakate auf den Punkt. Veranstaltungen dieser Art sind Gemeinschaften der anständigen Volksverteidiger, die selbst noch an Tagen, an denen sie die (im Alltag in fast jeder Hinsicht geteilten) Inhalte der Nazis mit besonderer Vehemenz von sich weisen, kaum den Wahrnehmungsapparat des Volksgenossen NPD’scher Parteizugehörigkeit zu verlassen in der Lage sind. Sie haben mit dem Gedanken an eine Welt, in der nazistischen Vergemeinschaftungsmodellen in jeder Hinsicht der Boden entzogen ist, nicht das Geringste zu tun.

Nazis und Antideutsche raus!

Dem Geist der antifaschistischen Wehrgemeinschaft leistet auch und im Besonderen die Linke Vorschub. Deutlich wird dies, wenn sie ihre Liebe zu parteiübergreifenden Bündnissen durch eines ihrer Sprachrohre, den Bezirkssekretär der Falken, Frank Witzke herausschwätzt: Jener nämlich ist überzeugt, dass insbesondere ein Engagement „quer durch das gesamte demokratische Spektrum“ (WZ Newsline, 28.04.07) einer ordentlichen Gegenbewegung ihr Leben einhaucht. Die Linke ist trotz ihres Anspruches auf allgemeingesellschaftliche Emanzipation nur all zu fest in den Ketten der oben benannten Wahrnehmungsformen gefangen. Antifaschistische Aktionstage, bei denen einfach alle gegen Nazis sind, sind ihnen der größte Erfolg. Ob sich an solchen Tagen der auf den Geist der Zeit gebrachte Konsens Deutschlands in Tradition des Nationalsozialismus artikuliert, ist keine Überlegung wert, so lange das Feindbild steht. Da verwundert es auch nicht, dass zwei antideutschen Kommunisten, die im vergangenen Februar auf der Bündnisdemonstration kritische Flugblätter verteilt haben, insbesondere seitens der linken Deutschen Prügel angedroht wurde – man lässt sich halt nicht gerne den Spaß am Mehrheit-Sein verderben.

Wir sind die Guten!

Man könnte sich nun darauf beschränken, den beiden mehr oder minder nazistischen Aufmärschen die verdiente – also gar keine – Aufmerksamkeit entgegen zu bringen. Wir allerdings hegen die Hoffnung, dass sich wohl einige wenige weder mit dem einen noch mit dem anderen deutschen Spektakel anfreunden können und erfreut darüber wären, ihrem Unmut Luft zu machen: Diesen Leuten möchten also auch wir am 21.07.07 ein Medium zur Verfügung stellen – wie es schon im Februar zu Feierlichkeiten des Jahrestages der Bombardierung Dresdens sinnvoll gewesen wäre – und rufen daher dazu auf, gemeinsam zur Demonstration gegen Deutschland, egal in welchem Gewand zu streiten. Wir werden an diesem Tag, so viel dürfte klar sein, die Demonstration mit höchstwahrscheinlich geringster Besucherzahl veranstalten. Wir verzichten damit auf jegliche Anbiederung an den deutschen Mob und belassen es im Zweifelsfalle lieber bei einer Kundgebung mit 30 Leuten, die ohne Abstriche zu verstehen gibt:

Krefeld, halt’s Maul!

Kein Raum der deutschen Selbstvergewisserung!

Naziaufmarsch und Nazivilgesellschaft auf die Pelle rücken!

Antideutsche Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet

6.8.07 17:39

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