Rückmeldung und Reflexion zum Begriff der Politik

Lang, lang ist's her, dass ich meine Schreibfaulheit überwunden habe und eine Abhandlung für meinen Weblog geschrieben habe. Spätestens die mir in den letzten Tagen zugetragenen Lobreden auf meine kleine Internetpräsenz haben mich nun bewegt, eine kurze Reflexion zu drei m.E. zentralen Ebenen einer kritischen Theorie der Politik publik zu machen und damit - so hoffe ich - eine neue Phase von regelmäßigeren Veröffentlichungen einzuleiten.

Desweiteren werde ich gleich ein nicht verteiltes Flugblatt der Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet veröffentlichen, welches als Intervention gegen die verschiedenen Mobilisierungen zu Großveranstaltungen in Krefeld gedacht war. Letzteres ist wohl am am besten anhand der Kampagnenseite "Kein Bock auf Euch!" erläutert.

Demnächst werde ich ggf. das Projekt in die Hand nehmen, die linkspolitische Kampagne "...ums Ganze" einer immanenten Kritik zu unterziehen, um der Forderung nach ihrer Auflösung Substanz zu stiften. Anlass hierfür ist mein Besuch der Podiumsdiskussion "G8 - Nach Heiligendamm" mit Vertretern von Antifa[f], Antifa KOK Düsseldorf und dem freien Journalisten Alex Feuerherdt auf dem Jugendantifacamp in Oberhausen. Die durch die Antifa[f] dort verbreitete Propaganda über eine angeblich existente "Israelfrage", ihren Wunsch nach einer Diskussion mit den Islamisten und palästinensischen Nationalisten, deren Block sie während einer Großdemonstration mit einigem Abstand begleiteten und ihr grundlegender Unwillen, das sachliche Argument gegenüber dem identitären Bedürfnis gelten zu lassen, haben mich zu der Entscheidung veranlasst, dass das "...ums Ganze!"-Bündnis keine bloß bemitleidenswerte Randerscheinung der aktionistischen Linken sind, deren innere widersprüchliche Verfasstheit ihren Zerfall unweigerlich nach sich ziehen wird, sondern politische Gegner deren Bekämpfung antideutscher Kritik geboten ist. Mehr dazu demnächst...

Drei Ebenen des Politikbegriffs

Ein kritischer Begriff von Politik hat als eine seiner vorrangigsten Aufgaben, die Wesensverwandtschaft dreierlei verschiedener Phänomene nachzuweisen: Da wären zunächst die etablierten, bürgerlichen und nachbürgerlichen Staatsverhältnisse des Westens - ihre gewaltförmige Genese ist entsprechend ihrer qualitativen Unterschiede nachzuzeichnen und mit ihrem gegenwärtigen Selbstverständnis zu konfrontieren. Desweiteren stünden die verschiedenen auf Staatlichkeit abzielenden Bewegungen - vorrangig wären hier die verschiedenen Ausformungen des politischen Islams zu nennen - im Interesse einer Politikkritik: Es gilt ihr Verhältnis zu bürgerlicher und nachbürgerlicher Staatlichkeit zu beleuchten bzw. ihre Affinität zu "Unstaatlichkeit", wie man es in Anlehnung an Franz Neumann nennen könnte. Auch - und dies erscheint als vergleichsweise überschaubare Aufgabe - aber gilt die Polemik gegen die Sphäre des Politischen den div. innerstaatlichen Bewegungen wie z.B. dem Anarchismus, dessen (seinem eigenen Anspruch widersprechender) Hang zu Staatlichkeit sich beispielsweise dadurch zu erkennen gibt, dass sein Kategorien- und Begriffsapparat dem der bürgerlich-liberalen Ideologie, aber auch der nationalistisch-völkischen bloß allzusehr ähnelt.

6.8.07 17:26

bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(7.8.07 16:03)
"ihren Wunsch nach einer Diskussion mit den Islamisten und palästinensischen Nationalisten"

das stimmt nicht! Er hat gesagt das nur mit denn Teilen der Proteste reden will ,die er nicht für Islamisten und Nationalisten nicht halt! Und hat auch gesagt mehrmals das Islamisten und palästinensischen Nationalisten -für bekämpfen halt aber kein Bock hat mit 3000 Leuten in einer Mob Stimmung 80 verrückte zu verhauen...


Dissensprinzip / Website (7.8.07 16:09)
er plädierte dafür, dass auch solche "reaktionären teile der bewegung" durch intervention kritisiert gehörten - das wortwörtliche zitat ist ja dann der digitalisierten form zu entnehmen. abgesehen davon aber, dass die frankfurter antifa auch mit 80 bis 100 leuten - es hätten sich wohl kaum ihre 3000 mitläufer an einer solchen aktion beteiligt - das projekt in die hände hätten nehmen können, würden sie ja wohl nicht darüber diskutieren, ob man beispielsweise autonome nationalisten aus einer solchen demonstration zu verbannen hätte.

aber, bevor hier eine umfangreichere diskussion dazu beginnt, erwähne ich schon mal, dass mein kritikpapier zu "...ums ganze!" in den letzten zügen liegt und wahrscheinlich noch heute veröffentlicht wird.


(7.8.07 20:21)
im Block der "Islamisten" (solche waren gar nicht da) befanden sich zu einen nicht unerheblichen Teil israelische Linke. Dies mag man für unvernünftig halten, hätte man sie deshalb platt machen sollen? Antfa voran...


oink (8.8.07 09:32)
immer noch gut zu ums ganze und g8:

http://mad-koeln.de/g8-referat.html


Dissensprinzip / Website (8.8.07 12:22)
@namensloser spaßvogel: du hast dich ja mit überaus viel liebe darauf eingeschossen, den kritikern des palästina-solidaritäts-blocks einen zünftigen antisemitismus nachzuweisen, indem du ihnen unterstellst, ihre hauptambition bestünde darin, den block nachträglich "wegzuklatschen". ganz abgesehen davon, dass antisemitische affronts nicht dadurch unterstützenswerter werden, dass sie von israelischen linken mitgetragen werden: erklär mir doch mal bitte den kniff, wie man sich mit der tradition einer nationalbewegung identifiziert ohne eine ihrer wesenszüge - den politischen islam - zu tragen. leider finde ich gerade nicht das foto auf dem ein junger mann inmitten der proteste die "islamische zeitung" feilbietet.

@oink: deren artikel würdige ich u.a. hier


(8.8.07 16:27)
"indem du ihnen unterstellst, ihre hauptambition bestünde darin, den block nachträglich "wegzuklatschen"."

und was ist ist das : http://innsbrooklyn.blogr.com/stories/77138/ ?

und noch mal eine frage :"Die durch die Antifa[f] dort verbreitete Propaganda über eine angeblich existente "Israelfrage", ihren Wunsch nach einer Diskussion mit den Islamisten und palästinensischen Nationalisten" ich glaube das war anderes ,er hat gesagt das sie Postion bezogen hätten ,raum geschaffen für Israel Flagen und eine ansage gemacht haben richtung Pali-Block das man hinter Israel steht ! oder was hast du gehört?


Dissensprinzip / Website (8.8.07 17:42)
das, mein lieber, ist ein zitat, dass weder für mich noch für sämtliche diskussionsteilhaber als repräsentativ gelten kann, wie sehr es auch in der dort geschriebenen form als zutreffend bezeichnet werden kann. würdest du bei dem entsprechenden urheber nachhaken, würde er - da bin ich mir beinahe sicher - mir zustimmen, dass sich die frage nicht dazwischen stellt, ob man linke israelis angreift oder nicht sondern zwischen den optionen, gar nicht zu solchen veranstaltungen zu fahren oder zu solchen veranstaltungen nur mit der ambition zu fahren sie als ganzes in welcher form auch immer zu attackieren.

ich habe seitens des antifa[f]-vertreters die sogar gehört, dass es für ihn eine selbstverständlichkeit darstellt, als antifaschist hinter israel zu stehen: du missverstehst meine kritik, wenn du glaubst, mir ginge es darum, den [f]'lern antisemitismus par excellence zu unterstellen. mir ging bzw. geht es darum, ihnen nachzuweisen, dass der von ihnen beschrittene weg bei allen guten absichten geradewegs in die wiege des linksdeutschen mainstreams hineinläuft. mit anderen worten darum, "dass „...ums Ganze!“ schon aufgrund seiner Konstitution als Anti-G8-Bündnis ideengeschichtlich an die politischen Grundannahmen der Antiglobalisierungsbewegung gebunden bleibt. Sein Versuch, die Agitationsfelder dieser Bewegung entsprechend seinen Vorstellungen umzustrukturieren, kann lediglich auf die Erkenntnis einer Unmöglichkeit dieses Vorhabens oder aber eine sukzessive sich vollziehende Annäherung an die Bewegung hinaus laufen." - mag durchaus möglich sein, dass sie hie und da verbal abstand nehmen vom größten unheil, aber so lange sie trotzdem den anschluss suchen und in die bewegung hineinwirken wollen, werden sie auch immer und immer wieder aussagen treffen, die für den kritischen dialog mit antisemiten plädieren.


(8.8.07 19:28)
„du missverstehst meine kritik, wenn du glaubst, mir ginge es darum, den [f]'lern antisemitismus par excellence zu unterstellen. mir ging bzw. geht es darum, ihnen nachzuweisen, dass der von ihnen beschrittene weg bei allen guten absichten geradewegs in die wiege des linksdeutschen mainstreams hineinläuft…mag durchaus möglich sein, dass sie hie und da verbal abstand nehmen vom größten unheil, aber so lange sie trotzdem den anschluss suchen und in die bewegung hineinwirken wollen, werden sie auch immer und immer wieder aussagen treffen, die für den kritischen dialog mit antisemiten plädieren.“

Ok, da habe ich dich tatsächlich missverstanden. Wenn dich aber jetztrichtig verstehe ist eigentlich egal ob der f`ler das gesagt hat oder nicht –entscheidend für dich ist das sie dahin fahren und deshalb das tun was sie tun –ob sie sagen oder nicht, richtig ?
Aber der Widerspruch zwischen dir und ug ist nicht unterschiedlich Meinung zu Abstrakten Herrschaft Verhältnissen sondern eine andere Einschätzung zum Potenzial der Bewegung ?

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