Flugblatt der ADK Niederrhein/Ruhrgebiet

Als Reaktion auf den mehr als misslungenen Aufruf (1 bzw. 2) der Kampagne "Goliat muss weg!" haben am 17.03.2007 die "Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet" und die "A.G. Kollektive Individuation Niederrhein" zwei Flugblätter verteilt und die Demonstration mit zwei Transparenten ("Kein Friede mit den Feinden Israels" und "...daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe." ) und einer Israel-Fahne begleitet. Im Folgenden eines der beiden Flugblätter, das Zweite folgt ggf. in den nächsten Tagen.

 

… Warum die Antifa das Volk so gerne mag …
Interventionspapier der Antideutschen Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet



„Die schummerigen Selbstbekundungen guter Gesinnung sind nicht, wie manche inbrünstig hoffen, der noch infantile Beginn politischer Erleuchtung, sondern ein letztes Signal, mit dem sich die selbstverschuldete Überflüssigkeit der Opposition ein gutes Gewissen schafft.“

Eike Geisel



Es ist wieder einmal soweit: Einige aufrechte „BürgerInnen“ ( Aufrufstext der Initiative „Goliat muss weg!“ ) versuchen sich in aktiver Vergangenheitsentsorgung. Anlass bietet ein kleiner Hooligan-Store, der u.a. die regionalen Nazi-Kleintrupps mit Klamotten der Marke „Thor Steinar“ versorgt. Einem solchen Treiben wollten aufrechte Antifaschistinnen und Antifaschisten nicht länger zusehen und haben daher für den heutigen Tag zu einer Demonstration gegen „Goliat“ aufgerufen. Im Folgenden protokollieren wir einige Einwände, die wir gegen solche Formen dusseligen Politik-Betreibens im Allgemeinen und gegen die benannte Kampagne im Besonderen erheben.

„…gar wie „Alternative“…“ und das in „unserer Stadt“…

Die Deutschen stellen sich ihre Nazis immer und immer wieder nach ihrem eigenen Innenleben zusammen: Mal sind es „Ausländer raus!“-grölende Stiefelträger, mal gerissene Demagogen in Anzug und Krawatte, ein anderes Mal eben clevere Strategen, die gezielt Jugendbewegungen unterwandern und zu diesem Zwecke ihre Kleidung okkupieren. Letzteres klingt dann folgendermaßen: „Längst laufen die meisten Nazis völlig unauffällig oder gar wie „Alternative“ gekleidet durch die Läden, Kneipen und Discos des Landes.“ (Aufrufstext) Die Botschaft ist klar: Eigentlich sind die Nazis keine echten „Alternativen“, sie tun bloß so, um nicht erkannt zu werden und von der Mehrheit isoliert zu werden. Denn die Mehrheit, die wissen die Betreiber einer „Antifaschistischen Demo“ selbstverständlich hinter sich: In der Vorstellung breiter Teile der Antifa existiert ein bunt zusammen gewürfeltes Gesellschaftsbild: Alternative, Bürger, Migranten, Subkulturen verschiedenster Art, dann ein breites Parteienspektrum – und eben die Nazis. Erstere - die Gesellschaft, die Bevölkerung, das Volk - haben mit Nazis nichts oder nur sehr wenig zu tun und sind dementsprechend von ihnen tendenziell in irgendeiner Weise bedroht: Sei es, dass sie in das direkte Feindbild fallen oder dass sie womöglich ihrer sog. Propaganda anheim fallen könnten. Dieses Gedankenmodell – bloß in der Perspektive verschoben – findet sich vom Fußvolk bis in die Bundesregierung, vom regionalen SPD-Vorstand (“Der Laden muss weg” - SPD-Ratsherr Friedhelm Lueg) bis hin zu den örtlichen „antifaschistischen“ Kleinbewegungen. Kein Moment von Skepsis ist es den Verfechtern von bunter Vielfalt, Weltoffenheit und Völkerverständigung wert, dass Nazis überhaupt an Jugendbewegungen anknüpfen können, lediglich die Tatsache, dass sie es machen, irritiert.

„…selbsterklärte „Nationale Sozialisten“…“ und Volkes Zorn…

Dabei muss nicht lange gesucht werden, um strukturelle Parallelen zwischen dem autoritär-martialischen Skinhead-Outfit klassischer Prägung und dem uniform-gemütlichen Look von Skatern, Antifas, Autonomen Nationalisten oder sonst welchen Alternativen zu finden. Denn bei genauer Betrachtung sind die Motivationen von verblüffender Ähnlichkeit. Sowohl Nazis als auch sog. Alternative streben durch die Vereinheitlichung ihres Kleidungsstils die Aufgabe dessen an, was als störend empfunden wird im ersehnten Gleichklang der Menge: Individualität, Differenz, Selbstbestimmung und Kreativität. Da das Wissen um diese Tatsache im Hinterkopf juckt, wird es in verzerrter Weise einem äußeren Feindbild zugeschrieben: Es ist dies die Wurzel des heute praktizierten „Antifaschismus“, der den Nazis nichts anderes vorzuwerfen in der Lage ist, alsdass sie „uns“ die Kleidung weggenommen haben. Dies wäre für sich genommen noch ein relativ geringes Problem, es wäre ein absolut unbedeutender Kleinkrieg zwischen Subkulturen. Wohl beunruhigender ist, dass sich die Veranstalter der heutigen Demonstration nicht bloß in ihren ( bzw. denen „des Landes“ ) Läden, Kneipen und Discos und ihrer Kleidung von den feisten Nazi-Populisten bedroht fühlen sondern mit ihnen noch um ihre Ideologie konkurrieren möchten: Dieser Wunsch äußert sich verholen, wenn die Veranstalter den Gegner zu „selbsterklärten „Nationale Sozialisten““ umlügen, ihnen also per Anführungszeichen den Rang aberkennen. Wie bereits im oben benannten Themenfeld erniedrigen sich auch hier sog. Antifaschisten dazu, aus nationalen Sozialisten par excellence ein paar Spinner zu machen, die von echtem, wahren nationalen Sozialismus nichts verstanden haben sollen. Den echten nationalen Sozialismus – so darf man solche subtilen Konkurrenzkämpfe wohl weiter denken – vertreten lediglich die Betreiber der Demonstration, die Alternativen, Bürger und Parlamentarier. Sie haben es im Gegensatz zu den Nazis klassischen Zuschnitts verstanden, wie man auf einer Mischung aus Anti-Nazi-Demonstrationen und Volkes Stimme ein für die Zukunft gewappnetes, neues Deutschland voranträgt. Dann kann man sich auch ohne weitere Skrupel leisten, anderen vorwerfen, sie würden dem „kriminellen Milieu“ entspringen und wollten lediglich „abkassieren“: Völkische Denkformen entnazifiziert über die Runden gerettet.

„Keine Parteiveranstaltung“ – einfach nur deutsch…

Passend zum monotonen Nachgeschwätze dessen, was in jeder Bundestagsrede rhetorisch besser formuliert wird, machen schlussendlich die Veranstalter deutlich, wen sie auf ihrer Demonstration nicht sehen wollen: „Anhänger von Diktaturen“, „Volksverhetzer“, „Rassisten“ und die „Träger von Partei-, Nationalitäts-, und Religionsfahnen“, kurz: Träger der Flagge des Staates Israel. Wir sind uns nach Beschäftigung mit der Kampagne „Goliat muss weg!“ nicht sicher, ob wir es überhaupt mit Leuten zu tun haben, die sich als Kommunisten begreifen und ob es dementsprechend ratsam ist, sie an diesem Maßstab zu messen. Ausgehend von der Erfahrung, dass selbst der dumpfeste, deutsche Antifaschismus nicht ohne ein Fünkchen von zusammengekleisterter „Gesellschaftskritik“ auskommt, wählen wir die Abschlussworte ohne Abstriche: Wer von sich beansprucht, nationalem Sozialismus entgegenzutreten, kommt um einen Begriff von Gesellschaft im Allgemeinen und einer Kritik an deutscher Vergemeinschaftung im Besonderen nicht herum. Insbesondere letzteres kann bloß zu der Einsicht führen, dass sich im gesellschaftsfähigen Antifaschismus nichts weiter als postnationalsozialistischer Antitotalitarismus bis hingehend das verabscheuungswürdige Verfolgungsbedürfnis des deutschen Volksgenossen artikuliert. Solcher Ideologie redet bloß nach dem Mund, wer „unsere Stadt“ oder die „Bevölkerung“ gegen „Nazis“, „Anhänger von Diktaturen“, o.Ä. in Schutz zu nehmen versucht. Praktizierter Antifaschismus kann nichts anderes bedeuten, als „unsere Stadt“ und die „Bevölkerung“ ins Hauptaugenmerk der Kritik zu nehmen – alles andere ist deutsche Identitätssuche.


Wir fordern daher:

Keine weiteren Demonstrationen für die deutsche Selbstvergewisserung!

Umfangreiche Kritik am völkischen „Antifaschismus“!

Stellungnahme der Veranstalter zum Fahnenverbot!



Antideutsche Kommunisten Niederrhein/Ruhrgebiet

18.3.07 14:21

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