"Es wird eben gelogen, gelogen, gelogen, ohne Ende." (Justus Wertmüller)

Mein Besuch eines Konzertes letztes Wochenende hat mich auf Umwegen in eine Diskussion über den Artikel "Infantile Inquisition" der "Redaktion Bahamas" (es ist keineswegs ein Text der Redaktion Bahamas sondern einer von Uli Krug und Justus Wertmüller, sehr wohl Redaktionsmitglieder aber eben nicht die Redaktion als Ganzes wie fälschlicherweise behauptet) geführt. An dieser Stelle möchte ich in aller Kürze zwei Behauptungen widerlegen, die ich in der samstäglichen Diskussion bereits als falsch bezeichnet habe, derer sich mein Diskussionspartner aber unumstößlich sicher zu seien schien:

1.) Die Autoren, so der Diskutant, behaupten in ihrem Artikel, "Definitionsmacht" falle hinter den erreichten Stand bürgerlicher Rechtskategorien zurück. In dem Artikel heißt es an der Stelle (es ist eine von mehreren), die sich mit einem quasi-juristischen Definitionsversuch von Vergewaltigung auf allgemeiner Ebene ausseinandersetzt: "Den durch nichts bestimmbaren Willen, ersetzt man also durch eine dogmatische Setzung: Wie du es erlebt hast, so sei es. Der zaghafte Versuch der Ollafa und anderer, objektive Kriterien zu fassen und es nicht beim ausschließlich Subjektiven bewenden zu lassen, zielt in die richtige Richtung, mußte aber scheitern, denn wie ihre Kontrahenten argumentiert sie juristisch und damit falsch: Eine juristische Kategorie wird das, was subjektiv erlitten wurde, niemals fassen können. Juristisch im Sinne von Standrecht und Sippenhaft geriert sich aber auch der antisexistische Mainstream. Er setzt das subjektiv Erlebte als Strafe nach sich ziehenden Bruch des Willens und kürt die Trägerin dieses Willens per gewährter „Definitionsmacht“ zur Richterin oder besser zum Racheengel und bereitet so eine antisexistische Strafprozeßordnung vor." (Hervorhebung von mir) Man mag von diesen Zeilen halten, was man möchte: Die besagte Behauptung, die Verfasser würden den Apologeten der Definitionsmacht vorwerfen, sie fallen hinter das bürgerliche Recht zurück, ist schlicht und einfach falsch.

2.) Desweiteren erschien die Behauptung, in dem besagten Artikel sei Vergewaltigung als "schlechter Sex" beschrieben worden. Meine Antwort, ich habe den Artikel erst vor knapp einer Woche gelesen und es sei nicht wahr, begegnete der Hauptdiskutierende mit der Beteuerung, die Redaktion Bahamas hätte den Text um einzelne Absätze gekürzt und verändert auf die Internetseite gesetzt. Leider gehört Ausgabe 32 zu den wenigen Ausgaben, die ich nicht in meinem Besitz wähne, ich bin daher bemüht, sie als Printversion ausfindig zu machen - deren nachträgliche Fälschung dürfte der Redaktion ja nachweislich schwer gefallen sein - und kann bis dahin "leider" bloß festhalten: Wenn die Redaktion Abschnitte aus dem Artikel tatsächlich - aus Gründen der Selbstverleumdung? - entfernt haben sollte, dann frage ich mich doch ernsthaft, wieso sie den Abschnitt dann in einen anderen Text (der keineswegs von Wertmüller oder Krug und auch nicht von anderen Redaktionsmitgliedern verfasst wurde) im Online-Archiv "verschoben" hat? Womöglich hängt das aber auch damit zusammen, dass es eben beiweitem mehr die sog. Kritiker der Redaktion sind, die alles so lange hin und her schieben, bis es ins vorgefertigte Bild hinein passt.

Dies seien bloß zwei nachträgliche Korrekturen, die die inhaltliche Ebene der "Definitionsmacht"-Diskussion natürlich rein gar nicht berühren und dies auch gar nicht sollen. Es lag mir allerdings aus einem anderen Grund am Herzen, diese Korrekturen nachzureichen, denn es unterstützt dieser Vorfall meine schon häufiger formulierte These (die auch Ausgangspunkt der Diskussion gewesen ist), dass der Affront gegen die Bahamas zumeist recht willkürlich zusammengesetzte und sich an halb-realen Anlässen einschaltende Vorwürfe sind, die nichts weiter als einen Liebäugelei zwischen ganz gewöhnlichen Antideutschenfressern und ganz gewöhnlichen antideutschen Antideutschenfressern begründen: Dass im Zuge dessen manch eine inhaltliche Ebene auf der Strecke bleibt, ist eigentlich nicht weiter verwunderlich.

12.3.07 23:57

bisher 15 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Raeume (13.3.07 11:37)
Und edier mal bitte den Eintrag von mir. Dieses "Mail-Adresse-speichern-und-dann-auch-noch-ohne-
Vorwarnung-veröffentlichen" ist scheußlich!


Dissensprinzip / Website (13.3.07 12:01)
ich glaube, die person kennst du nicht. ich schreibe dir gleich eine mail.
beitrag ist entfernt, e-mail-adresse rauseditieren geht leider nicht.


bigmouth / Website (18.3.07 23:24)
ist ja auch ausgabe 34:

http://redaktion-bahamas.org/auswahl/web34-1.htm

da ham sie ihre polemik weiter radikalisiert.

der text führte uA zum endgültigen bruch mit der sinistra: http://www.copyriot.com/sinistra/magazine/sin04/abschied.html

guter text zur debatte: http://gigi.x-berg.de/texte/vergewaltigung


Dissensprinzip / Website (18.3.07 23:43)
stimmt, den text habe ich oben ja auch verlinkt. allerdings ist der text aus ausgabe 34 von einem gewissen otto zeiger und nicht von krug und wertmüller.
werde mir den gigi-text (diese zeitschrift wollte ich eh mal unter die lupe nehmen, habe bisher keinen einzigen text aus ihr gelesen) alsbald mal ausdrucken.


bigmouth / Website (19.3.07 02:01)
die bahamas hat aber eine blattlinie. ob die jetzt in 32 oder in 34 vergewaltigung verniedlichen, finde ich recht unwichtig. die haben sich diese argumenation auch deutlich zu eigen gemacht im weiteren, und ein widerspruch zu dem uli krug-text sehe ich auch nirgendwo


Dissensprinzip / Website (19.3.07 12:08)
ich habe den text aus ausgabe 34 noch nicht gelesen, kann daher nicht überprüfen, inwieweit er inhaltlich mit dem was krug und wertmüller geschrieben haben, konform geht. eines kann ich nach mehrfacher lektüre des textes "infantile inquisition" für mich in jedem fall feststellen: dass darin vergewaltigung verniedlicht würde, kann ich beim besten willen nicht erkennen. wenn das bei dem otto zeiger-text der fall sein sollte, klingt es mir nichtsdestotrotz schon wieder arg zusammengebastelt, dass sich darin eine "blattlinie" widerspiegelt, die es systematisch vorsieht, vergewaltigung zu verniedlichen.


flo (20.3.07 09:39)
scheust du dich inhaltliche Kritik zu zulassen ?


flo (20.3.07 09:54)
Polemisch , guter Aufmacher, den Wetmüller zu zitieren und es als "Lüge" zu bezeichnen, wenn ein anderer Mensch das unsägliche Zitat mit einem anderen Bahamas Text, zwei Ausgaben später, verwechselte.

Die inhaltiche Kritik wird dadurch nicht nichtig, nur weil das "schlechte Sex"-Zitat nicht in der "Infantilen Inquisition" stand, sondern im Otto Zeiger Text, der mal viel klarer formuliert, dass es sich bei der Vergewaltigung eigentlich nur um schlechten Sex handelte. Herzlichen Glückwunsch.

Bei der inhaltlichen Kritik an der Bahamas ist es unerheblich, welcher Autor ansich, diese Zitat gebracht hat, vielmehr geht es darum, dass zum einen ein weitergehender Kritik-Text im Anschluss an die "Infantile Inquisition" nicht veröffentlich wurde, aber Zeigers "dümmlich, Bildniveau"-Abriss, der aufzeigt, wie doch alles wirklich ist.


Gute Fee (20.3.07 10:42)
Zweiter ausführlicher Post der nicht zugelassen wurde. Nicht angekommen oder kein Bock auf ein wenig Inhalt in deinem Blog ?


Gute Fee (20.3.07 10:44)
Schön das du deinen Artikel mit der Unterstellung beginnst, dass ich gelogen habe und damit beendest, dass es hier um nichts anderes als "Antideutschenbashing" ginge. Das du den Inhalt nicht berühren willst, soll in Anbetracht deiner Äusserungen auch nicht weiter verwundern. Das die Diskussion, auf die du dich hier beziehst,nämlich durchaus inhaltlicher Natur war lässt du bewusst aussen vor. Stattdessen wird der Artikel zum Paradebeispiel paranoider Antideutscher, die bei einem Angriff auf ihre identitätsstiftende Szenepostille gleich meinen, man hätte es
hier mit "Antideutschenfressern" oder "antideuschen Antideutschenfressern" zu tun. Ein Wunder, dass man nicht gleich als Antisemit und/oder Feind Israels denunziert wird.

Weiter aber erstmal mit einem Eingeständniss: Ja, ich habe die "Infantile Inquisition" von Justus Wertmüller und Uli Krug in Bezug auf das "schlechter Sex" -Zitat mit dem in selber Zeitschrift veröffentlichten "Bandenkrieg um die
Villa Kunterbunt" von Otto Zeiger verwechselt. Da es bei der Diskussion kurze Zeit um dieses Zitat ging und du es nicht kanntest, habe ich die Vermutung geäussert, dass wir da eventuell zwei unterschiedliche Versionen des Textes gelesen haben könnten. Dieser Umstand ist ja jetzt aufgeklärt, hat aber für dich keine Konsequenzen. So geht es nicht darum, das die Verharmlosung einer Vergewaltigung als schlechter Sex eben doch in der Bahamas veröffentlich wurde, nein, dir geht es hier um Ehrenrettung für Wertmüller und Krug, indem du feststellst, dass selbst "wenn" dem so wäre, es ja immerhin nicht von oben genannten Autoren käme. Als wäre die Redaktion Bahamas nicht für die Veröffentlichungen in ihrer Zeitschrift in die Verantwortung zu nehmen. In welchem Artikel
besagtes Zitat nun also wirklich steht ist im Grunde scheißegal.


Gute Fee (20.3.07 10:47)
Das du nicht feststellen kannst, das die Redaktion eine Vergewaltigung verharmlost soll auch nicht weiter verwundern, stützt sich deine Erkenntniss und die der Autoren eben auf ein Gerücht, wie es gewesen sein soll, und nicht auf die klare Äusserung des Opfers: "Thomas (1) hat mich im Dezember 1998 vergewaltigt! Obwohl ich ihm mehrmals gesagt habe, daß ich nicht mit ihm schlafen will, hat er mich gefickt. Hinterher
fragte er, ob ich das als Vergewaltigung ansehe, und daß es doch in Ordnung sei, mir trotz eines Neins Lust zu machen. Es ist eine Vergewaltigung Thomas! Es ist in keinster Weise o.k. einer Frau ‚Lust machen‘ zu wollen und erst recht nicht, wenn die Frau nein gesagt hat.“
Aus der ganzen Sache wird nichts weiter, als ein unglücklicher Abend zweier ehemals Verliebter, die sich im Eifer des Gefechts etwas übernommen haben und mit einem "Kater" aufwachen. Wem die Redaktion, und du, hier glauben schenken, ist mehr als klar. Und wird noch deutlicher. "Die Anklägerin nennt auch ganz klar einen völlig
anderen Grund, ihr „wurde Lust gemacht“. Gemeinhin nennt man das Verführung, und Verführung hat, wenn
sie gelingt, zur Folge, daß aus einem Nein ein Ja wird."


Gute Fee (20.3.07 10:48)
Aus dem ‚Lust machen‘, das schon in der Aussage des Opfers in Anführungstriche gesetzt ist und damit wohl eher als eine wieder aufgegriffene Äusserung des Täters zu verstehen ist, wird kurzerhand eine Lustfeindschaft, mehr noch, das
gute alte Klischee der Frau die "nein" sagt, aber "ja" meint wird auch gleich mit verwertet. Wenn man nur hartnäckig genug ist, dann kann aus dem "nein" eben doch noch ein "ja" werden. Was von Wertmüller und Krug hier noch subtil formuliert
wird, bringt Zeiger auf den Punkt. Da wird aus der Diskussion um die Infantile Inquisition "...ein nicht enden wollendes Gespräch über einen Fall von schlechtem Sex aus dem Jahr 1998...".
Der Täter wird zum eher komödiantischen "Helden" eines kleinen Schauspiels: "Der Held des kleinen Dramas also hat es noch einmal wissen wollen und alles,was ihm an Charme und körperlicher Ausstrahlung zur Verfügung stand, noch einmal
massiv zum Einsatz gebracht, fast wie in den besten Zeiten. Und es ist ihm gelungen, zum Ziel zu kommen."
Aus der, wie auch immer, erzwungenen Penetration wird also ein massiver Einsatz von Charme und körperlicher Ausstrahlung.Und aus dem Bewusstsein des Täter, dass er hier irgendwie eine Grenze klar überschritten hat, leiten Wertmüller und Krug eine lustfeindliche Szenemoral ab:
"Wenn Männer ihren inneren Politkommissar mit ins Bett nehmen, wie Thomas – „hinterher fragte er mich, ob ich das als Vergewaltigung ansehe“ –, wird Vorbereitung und Ausführung des Sexualakts für die Beteiligten zum peinigenden, Angst-
statt Lustschweiß produzierenden Erlebnis."


Gute Fee (20.3.07 10:49)
Das du eher an der "Wahrheit" bzw. Gerüchten interessiert bist und dir die subjektive Äusserung eines Opfers nicht reicht, hast du in der Diskussion mehrfach bewiesen. Der Text von Sinistra und gigi gehen m.E. zur genüge auf das Thema ein, darum das ganz hier eher fragmentarisch. Es sei noch angemerkt, das ich kein Interesse an einer Diskussion habe. Da fehlen mir Zeit und Lust zu. Mal ganz abgesehen davon, das es ankotzt dieses Thema wieder und wieder diskutieren zu müssen. So long...


Gute Fee (20.3.07 10:50)
Hat doch funktioniert, wenn auch etwas umständlich. Myblog lässt weit weniger Text in Kommentaren zu, als ich dachte. Du kannst meine Pöbelei betreffend des zulassens gerne ignorieren/löschen.


Dissensprinzip / Website (26.3.07 13:32)
Bevor es jemand übersieht - Antwort ist hier zu finden: http://kritikundpolemik.myblog.de/kritikundpolemik/art/5002110/Ein_Nachtrag

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